Innovationen: "Mehr Mut"

Innovationen: "Mehr Mut"

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Der Vorstandsvorsitzende des Software-Herstellers SAP, Henning Kagermann

Ex-SAP-Chef und Acatech-Präsident Henning Kagermann über Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit, die Bildungsmisere und Kurzarbeit für Forscher.

Brennstoffzellen-Flieger, elektronische Zeitungen, neue Hybridantriebe für Autos – in den ersten beiden Folgen der Zukunftsmacher-Serie hat die WirtschaftsWoche wegweisende Projekte aus Deutschlands innovativsten Unternehmen und Regionen vorgestellt.

Die Beispiele geben Anlass zur Hoffnung, dass Deutschland gestärkt aus der Krise hervorgehen wird – wenn jetzt die entscheidenden Maßnahmen ergriffen werden. Denn der Fachkräftemangel und die Bildungsmisere belasten die deutschen Zukunftsmacher und werden ihre Innovationskraft bald bremsen. Was ist zu tun? 

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Kaum einer kann diese Frage besser beantworten als Henning Kagermann. Viele Jahre leitete der Physiker den Softwarekonzern SAP. Heute ist er Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) und Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Innovationsfragen.

Im dritten und letzten Teil der Serie erklärt Kagermann, wie Deutschland seine Innovationskraft gegen die harte Konkurrenz stärken und die Schwächen beseitigen kann.

WirtschaftsWoche: Herr Kagermann, Milliarden fließen in die Bankenrettung. Das Ziel der Bundesregierung, drei Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung in die Forschung zu investieren, rückt dagegen in weite Ferne. Verspielt Deutschland seine Zukunft?

Kagermann: So pessimistisch sehe ich die Lage nicht. Richtig ist: Die Regierung muss parallel zwei gewaltige Aufgaben bewältigen. Sie muss klären, wie wir die Schulden wieder loswerden und wie wir zu mehr Beschäftigung kommen. Beides lässt sich nur über kräftiges und nachhaltiges Wachstum erreichen. Deshalb dürfen wir auf keinen Fall an unserer Innovationskraft sparen, sonst erleben wir eine Spirale nach unten.

Mut zu glaubwürdigen Perspektiven

Haben Sie ein Rezept?

Was gerade die ganze Wirtschaft trifft, habe ich nach dem Platzen der Internet-Blase schon einmal bei SAP erlebt. Nach zwei Jahrzehnten kräftigen Aufschwungs stagnierte das Wachstum. Doch wir wollten uns nicht mit der Entwicklung abfinden. Deshalb habe ich mich vor die Belegschaft gestellt und gesagt: Lasst uns gemeinsam die Voraussetzungen schaffen, wieder zweistellig zu wachsen. Und weil meine Forderung offenbar mit einem überzeugenden Zukunftsplan verknüpft war, hat das die Mitarbeiter motiviert. Bald hatten wir unser Ziel erreicht.

Und solch eine Brandrede erwarten Sie jetzt von der Regierung?

Es muss jemand den Mut aufbringen, sich hinzustellen und eine glaubwürdige Perspektive zu verkünden. Niemand will schließlich in einer Firma oder in einer Gesellschaft leben, die vor sich hindümpelt. Die Menschen sind bereit, auch harte Einschnitte mitzutragen, wenn Besserung in Sicht ist.

Auf welche Stärken kann Deutschland dabei bauen?

Wir sind eine führende Wirtschaftsnation, ein erfolgreicher Produktionsstandort und beim Warenexport weltweit die Nummer eins. Dagegen beziehen wir mehr Dienstleistungen aus dem Ausland, als wir dorthin verkaufen. Sie schaffen in Zukunft aber die meisten Arbeitsplätze. Die Lösung besteht meiner Ansicht nach darin, künftig stärker hybride Produkte zu verkaufen, also mit Dienstleistungen kombinierte und aufgewertete Produkte.

Woran denken Sie dabei?

Eine große Chance sehe ich zum Beispiel darin, unseren Autos, Maschinen oder medizinischen Geräten – alles Produkte, bei denen Deutschland führend ist – mithilfe von Software und Kommunikationstechnik Intelligenz zu verleihen. Ohne diese Aufwertung werden wir es kaum schaffen, Produktion an einem Hochlohnstandort wie Deutschland zu halten. Immerhin ist laut einer Studie der Beratungsgesellschaft A.T. Kearney jede sechste Fabrik hierzulande nicht mehr wettbewerbsfähig.

Und damit lässt sich der Exodus stoppen?

Nicht allein. Wir müssen mehr Informationstechnik einsetzen, um unsere Produktivität durch Prozessinnovation und Automatisierung zu erhöhen. Das kann zwar Arbeitsplätze kosten, aber das würde durch Produkte mit kombinierten Dienstleistungen mehr als ausgeglichen.

Das klingt noch nicht nach dem eben eingeforderten Aufbruch.

Geduld! Wenn es uns dann gelingt, Produktionskonzepte zu entwickeln, die sparsam mit den knapper und teurer werdenden Ressourcen umgehen, dann macht das nicht nur unsere Fabriken wettbewerbsfähig, sondern wir können die Konzepte auch ins Ausland verkaufen. Und darin sind wir doch gerade gut! Eine Befragung von 2000 Vorstandschefs weltweit hat ergeben, dass ihnen Geschäftsmodellinnovationen deutlich wichtiger sind als Produktinnovationen.

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