Innovationen: Unternehmen nutzen Kunden als Ideengeber

Innovationen: Unternehmen nutzen Kunden als Ideengeber

von Sebastian Matthes

Vom Startup bis zum Technologiekonzern: Im Internet entwickeln Unternehmen gemeinsam mit Kunden, Entwicklern und Fans neue Produkte. Das bringt ihnen frische Ideen, ungewöhnliche Perspektiven und mitunter viel Arbeit.

Ein rollendes Internet-Café mit weißen Designerhockern, Displays, die am Eingang des Zuges die Zahl freier Plätze anzeigen, und ein Bordrestaurant mit geschwungenen Sitzecken, gehüllt in warmes, gelb-weißes Licht: Der Zughersteller Bombardier feilt an den Visionen für die Züge der Zukunft. Doch die Ideen für die Bahnen von morgen stammen nicht etwa aus der hauseigenen Entwicklungsabteilung. Es sind Entwürfe von Igor Krasnov, Sevennine79 und Irinaalexandru. Die drei Designer haben ihre Vorschläge ins Netz gestellt. Sie nehmen an dem im Oktober ausgelobten Designwettbewerb von Bombardier teil. Und der steht jedem offen: Kunden, Partnern, Bahnfahrern und, ja, auch Mitarbeitern des Unternehmens.

Schon kurz nach dem Start gingen rund 2000 Ideen aus aller Welt ein. Einige waren so originell, dass sie quer durch alle Abteilungen diskutiert wurden: Im Vorstandskreis ebenso wie beim Kantinenessen in der Berliner Deutschlandzentrale. „Wir waren überrascht von den ungewöhnlichen Ansätzen“, sagt Martin Ertl, Innovationschef bei Bombardier Transportation, „so weit traut man sich beim herrschenden Kostendruck im Alltag kaum noch zu denken.“

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Erstmals in der Geschichte des Unternehmens kommunizieren die Ingenieure über die Internet-Seite des Wettbewerbs direkt mit den Passagieren. „Das“, sagt Ertl, „ist nichts weniger als ein Kulturwandel.“

Der vollzieht sich gerade quer durch die Wirtschaft: Ob beim Konsumgüterkonzern Procter & Gamble, dem Autohersteller BMW oder dem Kosmetikhersteller Beiersdorf: Umfassend wie nie zuvor öffnen sich die Unternehmen für Ideen von außen. Als Open Innovation bezeichnen Experten diesen Ansatz, externes Wissen in die Unternehmen zu bringen, Enterprise 2.0 nennen es andere.

Es ist eine Massenbewegung. Rund 54 Prozent der europäischen Unternehmen nutzen laut dem britischen Analysehaus Economist Intelligence Unit bereits die Ideen ihrer Kunden für Innovationen.

In der Theorie diskutieren Managementexperten das Konzept zwar schon seit Jahren. Doch erst mit dem Aufstieg des Web 2.0 erlebt der freie Wissenstransfer zwischen Unternehmen und dem Rest der Welt seinen Durchbruch. Soziale Internet-Netzwerke sind in der Lage, Menschen mit ähnlichen Interessen oder schlicht Probleme und Problemlöser auf der ganzen Welt zusammenzubringen. Das Social Web wird zum Erfinder-Web.

Enorme Schaffenskraft

Die Spanne der Themen ist riesig. Sie reicht von einer Mini-Kabeltrommel gegen Kabelsalat hinter der Stereoanlage, die auf der Ideenplattform Tchibo Ideas ausgezeichnet wurde, bis hin zu verbesserten Schmierstoffen für neue Motoren, die ein Automobilzulieferer sucht. In den weltweit geknüpften Netzwerken können Unternehmen auf das Wissen Tausender Menschen zurückgreifen, auf die Erfahrungen eines Münchner Chemiestudenten, die Ideen eines Ingenieurs aus San Francisco und die Anregungen eines pensionierten Professors aus Taiwan.

Welch enorme Schaffenskraft die Weisheit der Masse entwickeln kann, zeigt die Erfolgsgeschichte des Computer-Betriebssystems Linux ebenso wie der Aufstieg des Online-Lexikons Wikipedia. Beide sind Ergebnisse weltumspannender Kooperation von Menschen, die hierarchiefrei und aus Idealismus ein Produkt entwickelt haben.

Dieses Wertschöpfungsmodell macht nun eine bemerkenswerte Karriere.

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