
Wenn Martina Kirsch Nein sagt, kann der Lastwagenfahrer auf dem Hof der Rosenmühle in Landshut direkt kehrtmachen und mit seinen 25 Tonnen Weizen wieder abfahren. Denn dann hat die Laborleiterin mit einem Test das Gift des Schimmelpilzes Fusarium in dem Getreide entdeckt. Weil es krebserregend ist, hat der Gesetzgeber Grenzwerte festgelegt: "Sind mehr als 1250 Mikrogramm pro Kilogramm davon im Weizen, darf ich die Lieferung gar nicht annehmen", sagt Kirsch.
Rechtlich ist sie damit auf der sicheren Seite. Doch das bisherige Testverfahren – das ähnlich wie ein Schwangerschaftstest anhand einer spezifischen Immunreaktion per Farbumschlag den Giftstoff nachweist – war recht ungenau. In der Praxis passierte es daher immer wieder, dass ein Lieferant mit seiner 3000 bis 3800 Euro teuren Fuhre Weizen zu einem externen Gutachterlabor fuhr, das die Messungen der Rosenmühle widerlegte.
Bedarf nach Gift-Schnelltest groß
Seit vorigem Sommer ist das jedoch nicht mehr passiert. Denn Laborleiterin Kirsch konnte ihren Chef davon überzeugen, gut 20.000 Euro in die brandneue Analysetechnik des jungen, sechsköpfigen Berliner Unternehmens Aokin zu investieren. Das Aokin-Verfahren sei etwas schneller als der bisherige Test und zudem viel genauer, sagt Kirsch: "Damit fühle ich mich wesentlich besser."
Die Rosenmühle ist eines der ersten Unternehmen, das den neuen Schnelltest einsetzt, der es bis ins Finale des Deutschen Innovationspreises schaffte. Wenn es nach Aokin-Chefin Ursula Dahmen-Levison geht, soll die neue Methode der sogenannten kinetischen Fluoreszenzpolarisation bald weltweit zum Einsatz kommen. Gerade bei Herstellern von Erdnüssen und Pistazien sei sie sehr gefragt, sagt die Forscherin: "Wir haben sogar schon Systeme in den Iran und nach China verkauft."
Tatsächlich ist der Bedarf nach einem robusten Gift-Schnelltest in der Lebensmittelindustrie groß. Denn es sind nicht nur die Fusarien, die Weizen- oder Maispflanzen schon während der Blüte auf dem Feld anfliegen. Gerade bei Nüssen, Kaffee, Früchten oder Gewürzen, die gelagert oder über lange Strecken transportiert werden, kommen noch jene Schimmelpilze hinzu, die besonders gut im Feuchten gedeihen. Viele ihrer Stoffwechselprodukte sind hochgiftig und krebserregend. Exakt bestimmt werden konnten sie bisher nur mit der Hochleistungsflüssigkeitschromatografie (HPLC), doch die dauert mehrere Tage.
Prozedur dauert höchstens zehn Minuten
Der bisher übliche immunologische Farb-Schnelltest namens Elisa (Enzyme Linked Immunosorbent Assay) ist fehlerträchtig, denn er benötigt eine Vielzahl von Vorbereitungsschritten. Außerdem müssen Temperaturen genau eingehalten und Reaktionszeiten beachtet werden.
Das Aokin-Testgerät misst dagegen nahezu vollautomatisch, ob und wie schnell sich die Polarisationsrichtung eines Fluoreszenzlichtstrahls verändert, mit dem die Probe angeregt wird. Dazu müssen Nüsse oder Weizenkörner zuvor klein gemahlen und ein Extrakt hergestellt werden. Das Weizenextrakt wird zusammen mit dem mitgelieferten fluoreszentmarkierten Reagenzmittel in ein Klarsicht-Messröhrchen gefüllt. Den Rest erledigt eine 19 Zentimeter hohe Apparatur, die die Grundfläche eines Laptops besitzt. Alles in allem sei die Prozedur in acht bis zehn Minuten erledigt, bestätigt Laborleiterin Kirsch.
Acht Schimmelgifttests hat Aokin bereits entwickelt. Doch dabei soll es nicht bleiben, verspricht Chefin Dahmen-Levison. Sie ist überzeugt: "Diese Methode lässt sich nicht nur bei Lebensmittelgiften, sondern auch in der medizinischen Diagnostik einsetzen, etwa zum schnellen Nachweis von Krankheitserregern."











