Innovationspreis: Preisträger Großunternehmen: Schott gelingt Geniestreich im Glas

Innovationspreis: Preisträger Großunternehmen: Schott gelingt Geniestreich im Glas

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Schott-Chef Udo Ungeheuer (links) und Glasentwickler Friedrich Siebers treiben umweltfreundliche Ceran-Produktion voran

von Thomas Kuhn

Schott erfindet die Glaskeramikproduktion neu. Das entlastet die Umwelt von Hunderten Tonnen giftiger Schwermetalle.

Es ist so etwas wie gezähmtes Höllenfeuer, das in der riesigen Fabrikhalle des Mainzer Spezialglasproduzenten Schott brennt. Im Schmelzofen, groß wie ein Bungalow, bringen Gasbrenner Glas bei bis zu 1600 Grad zum Sieden. Durch winzige Öffnungen fällt der Blick auf die gleißend-glühende Masse, aus der Glaskeramik werden soll. Rohstoff für Abermillionen fast unzerstörbarer Kochfelder oder feuerfester Kaminglasscheiben, aber auch für die Spiegel der besten Teleskope der Welt.

Über Stunden bleibt die Glasschmelze in den Flammen. Dann fließt sie einem technischen Geniestreich entgegen: "Das da", sagt Friedrich Siebers, und in der Stimme schwingt Stolz, "das ist die neue Läuterung." Der Physiker und verantwortliche Entwickler für Schotts Ceran-Glaskeramik weist auf einen hinter Dämmplatten und Rohrleitungen verborgenen Anbau am Schmelzofen.

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Branche steht vor ökologischer Revolution

Was genau sich darin verbirgt, verrät er nicht, denn die von Siebers mitentwickelte Technik ist streng geheim. Kein Wunder. Denn das neue Fertigungsverfahren ist für die Branche eine ökologische Revolution – und für Schott ein unschätzbarer Wettbewerbsvorteil.

Als bisher einziger Hersteller weltweit beherrscht Schott, was industrieweit jahrzehntelang undenkbar schien: Glas für schwarze Glaskeramik herzustellen, ohne hochgiftige Substanzen wie Arsen oder Antimon einzusetzen. Die Schwermetalle galten bislang als unersetzliche Bestandteile der Glasrezeptur. Nur sie lösten verlässlich alle Gasblasen aus der Schmelze – der Fachmann spricht von "Läuterung" – und liefern so das hochwertige Rohglas.

Nun beweisen die Mainzer, dass es auch umweltverträglich geht: Seit Herbst haben sie die Schwermetalle aus der Produktion schwarzer Glaskeramik verbannt. Das spart 200 Tonnen der toxischen Substanzen im Jahr. "Mehr als zehn Jahre lang haben wir alle Fertigungsschritte auf Umweltverträglichkeit optimiert", sagt Ceran-Entwickler Siebers. Für diesen bemerkenswerten Techniksprung wird Schott mit dem ersten Platz beim Deutschen Innovationspreis in der Kategorie Großunternehmen ausgezeichnet.

Schott profitiert mehrfach

Vom neuen Fertigungsverfahren profitiert Schott mehrfach. Einerseits, weil die umweltverträglichere Produktion die Fertigung in Mainz sichert, da das Unternehmen bestehende Umwelt- und Arbeitsschutzvorgaben leichter erfüllen kann. Aber auch, weil Schott schon jetzt künftig schärfere Umweltrichtlinien einhält. "Wenn wir ohne Schwermetalle auskommen, werden das die Behörden in Zukunft auch von unseren Wettbewerbern verlangen", sagt Siebers.

Und schließlich besitzt die Hightrans Eco genannte Glaskeramik ganz neue Produkteigenschaften: Der Glasmix ermöglicht es Hausgeräte-Designern, erstmals ins rot schimmernde Glas auch bunte Lichtanzeigen einzubauen und so neue Bedienkonzepte umzusetzen. Auch das soll den Mainzern, die bisher mehr als 100 Millionen Ceran-Kochfelder produziert haben, die Marktführung sichern.

"Schott beweist, dass Nachhaltigkeit ins Kerngeschäft integriert gehört und nicht den Gutmenschen überlassen werden darf", lobt Stephan Scholtissek, Global Managing Director beim Beratungsunternehmen Accenture und Jurymitglied des Deutschen Innovationspreises.

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