Innovative Textilien: Stoffautos, EKG-Shirts und Leuchtgardinen

Innovative Textilien: Stoffautos, EKG-Shirts und Leuchtgardinen

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Designstudie "SolarGrass" am Potsdamer Platz in Berlin (Simulation)

Gewebe und Fasern werden intelligent. Sie warnen vor Krankheiten, übertragen Daten und speichern Energie. Und sie sind das Comeback einer verloren geglaubten deutschen Traditionsindustrie.

Ein fotovoltaischer Riesengrashalm, zehn Meter hoch, der aus dem Bordstein sprießt und nachts sanftes Licht spendet: Wer dächte dabei an Stoff und Faden? Und doch ist die „SolarGrass“-Skulptur, ersonnen von Designern der Bauhaus-Universität Weimar, eine der interessantesten Textil-Innovationen der vergangenen Jahre. Wie ein Tuch wird sie im Webstuhl hergestellt, nur, dass dabei statt Wollfäden Bänder aus Dünnschicht-Solarzellen verflochten werden.

Am Tag produziert das Elektro-Textil Strom, bei Nacht dagegen wird es zum Lampenschirm einer Straßenlaterne. Noch ist sie zwar nur ein Konzept. Doch bereits in wenigen Jahren soll das SolarGrass mit seinen eingewebten Solarzellen serienreif sein.

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Und dann ist die Stofflampe ein weiteres, faszinierendes Beispiel dafür, wie sich eine ganze Industrie wandelt und ihre größte Krise mit High-Tech-Produkten überwindet. Schon heute sind die technischen Finessen teils atemberaubend, die Wissenschaftler und Textiltechniker mit Fasern und Geweben anstellen.

Doch das war erst der Anfang. Die schlauen Stoffe sind die neuen Superstars in Forschung und Industrie: Sie stecken in Snowboards, Autos und Passagierjets. Sie filtern Gifte in der Chemieindustrie oder verwandeln als Spezialgewebe in Dürreregionen Luftfeuchtigkeit in Trinkwasser.

Wandlungskraft der Textilbranche

In den Labors der Faser-Forscher ist die Technik längst einen Schritt weiter: Dort können Textilien Temperaturen messen, Strom produzieren und Wärme erzeugen. Sie töten Bakterien, heilen Wunden und retten demnächst womöglich sogar Menschenleben: Dank neuer High-Tech-Fasern sollen T-Shirts schon bald verschiedenste Vitalfunktionen überwachen und per Funk den Arzt rufen können, wenn der Herzschlag aussetzt.

Die Fülle an Innovationen zeugt von der Wandlungskraft einer Branche, die in Deutschland vor zehn Jahren als unrettbar verloren galt. Von rund 900 000 Stellen Anfang der Siebzigerjahre blieben in der Textil- und Bekleidungsindustrie nur 116 000 übrig. Nicht einmal jeder siebte Betrieb überlebte den Niedergang.

Und doch machte die Branche 2009 mit 18 Milliarden Euro wieder fast so viel Umsatz wie in den Siebzigerjahren. Der Lohn einer Spezialisierung auf innovative Produkte – und eines entschlossenen Kampfes um die weltweite Innovationsführerschaft.

Hightech gegen billig

27 Prozent des Umsatzes macht die hiesige Textilindustrie nach Angaben des Verbandes Textil + Mode inzwischen mit Neuheiten — eine Quote, wie man sie -ansonsten vor allem von Innovationsführern wie dem Maschinenbau kennt. Beide Branchen kämpfen mit Spitzenprodukten gegen ausländische Billigkonkurrenz. Stärkster Umsatztreiber der Textilindustrie sind High-Tech-Gewebe und -Fasern für Unternehmenskunden. Diese sogenannten technischen Textilien machen laut Industrieverband IVGT rund 52 Prozent des Branchenumsatzes aus.

Frühere Hochburgen der Bekleidungsindustrie – wie Wuppertal, der Niederrhein oder Albstadt im Schwarzwald — sind heute Zulieferer unterschiedlichster Branchen, von Medizintechnik bis zum Fahrzeugbau.

Aunde in Mönchengladbach etwa, gegründet als Tuchweberei, fertigt heute widerstandsfähige Autositzbezüge. Saertex bei Münster, einst Gardinenweberei, ist nun Spezialist für Verbundwerkstoffe aus Textilien und Kunststoffen, aus denen Flügel von Windrädern oder Autoteile entstehen. Und die baden-württembergische Seidenweberei Seiba — umfirmiert in Global Safety Textiles — stellt Airbags her aus besonders temperatur- und alterungsbeständigem Gewebe.

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