Internet: Dr. med. Google

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Suchabfragen nach Kopfschmerzen können ein Indiz für eine Grippewelle sein. In Zukunft will Google so ein Frühwarnsystem für kommende Grippewellen etablieren

Forscher des Suchgiganten nutzen das Internet als Frühwarnsystem für kommende Grippe-Wellen.

„Halsschmerz“, „Fieber“, „Kopf- und Gliederschmerzen“ – anfangs war es nur eine Idee: „Könnte es ein Indiz für den Ausbruch einer Grippe-Welle sein, wenn Internet-Suchabfragen nach typischen Krankheitssymptomen plötzlich in die Höhe schnellen?“, grübelte Gunther Eysenbach, Professor für Gesundheitspolitik an der Universität von Toronto bereits 2004. Seine Theorie nannte Eysenbach damals „Infodemiology“ – die Verschmelzung von Informationstechnik und Epidemiologie.

Dass die Idee tatsächlich funktioniert, haben nun Entwickler von Google.org, des philanthropischen Beiboots des Suchgiganten, bewiesen. Ihre Annahme war, dass Erkrankte sich in Internet-Suchmaschinen über Krankheitssymptome informieren, noch bevor sie zum Arzt gehen. Basierend darauf hat das Team um Google.org-Chef Lawrence Brilliant ein Web-basiertes Frühwarnsystem für gehäuft auftretende Fälle von Grippe (Influenza) entwickelt: „Google Flu Trends“ (www.google.org/flutrends).

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Tag für Tag analysiert der Indikator nun Millionen anonymisierter Web-Abfragen von US-Online-Nutzern. Weicht die Zahl plötzlich merklich vom Durchschnitt ab, gilt das als Indikator für eine Grippe-Welle.

Wie bemerkenswert genau das System arbeitet, zeigt der mehrjährige Vergleich der Google-Werte mit den bei der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) erfassten Grippe-Erkrankungen in den USA. Im Idealfall, so die Google-Entwickler jüngst in einem Beitrag für das renommierte Wissenschaftsmagazin „Nature“, lasse sich über Flu Trends selbst für einzelne Bundesstaaten frühzeitig ein Anstieg von Grippe-Infektionen erkennen.

Krankheitsindikator arbeitet in Echtzeit

Und das zudem deutlich rascher als über das Meldesystem des CDC. Ähnlich wie das Robert Koch-Institut für Deutschland, erfasst auch die US-Behörde aktuelle Berichte von Ärzten zu Infektionszahlen im Land und erstellt so ein landesweites aktuelles Lagebild meldepflichtiger Erkrankungen. Allerdings liegen zwischen dem Auftreten erster Krankheitssymptome beim Patienten bis zu dessen Arztbesuch mitunter Tage. Zusätzlich vergeht Zeit durch das Warten auf Laborergebnisse und die Zusammenfassung der Meldungen bei der Behörde. Bis sich eine Häufung von Grippe-Erkrankungen in den CDC-Statistiken zeige, könnten ein bis zwei Wochen vergehen, so Googles Flu-Trends-Entwickler. Ihr Indikator hingegen arbeite für die USA fast in Echtzeit.

Als Folge der mexikanischen Fälle von Schweinegrippe haben die Entwickler ihr Angebot nun auch in einer für Mexiko optimierten Version ins Netz gestellt. Allerdings mit dem Hinweis, es handele sich um ein „sehr experimentelles Stadium“ des Indikators. Aus gutem Grund. So simpel das Konzept klingt, so aufwendig ist seine Justierung. Für den US-Indikator hat Brilliants Team immerhin 450 Millionen Suchbegriff-Kombinationen daraufhin getestet, welche Kombination sich im Testzeitraum seit 2004 bei der Abfragehäufigkeit möglichst parallel zu den Grippe-Fällen in der CDC-Statistik entwickelt.

Solch historische Eichwerte fehlen Google bisher für Mexiko. Und dennoch: Bereits rund eine Woche bevor die Weltgesundheitsorganisation WHO am 24. April den ersten Bericht über „Grippe-artige Erkrankungen in den USA und Mexiko“ veröffentlichte, stieg Googles Grippe-Indikator für Mexiko deutlich an. Der Zuwachs der Abfragen in der Folgewoche indes dürfte eher Resultat der öffentlichen Aufmerksamkeit sein als Krankheitsindiz.

Für Google.org-Chef Brilliant spricht das nicht gegen das Modell: „Falls tatsächlich ein neuer, potenziell Pandemie-gefährlicher Grippetyp auftritt, kann die frühzeitige Erkennung des Trends Gesundheitsbehörden bei der schnellen Reaktion helfen.“ Nicht nur in den USA und Mexiko: In Zukunft hoffen die Forscher, ihren Grippe-Indikator auch für andere Länder sensibilisieren zu können. Noch aber fehlen auch dafür die nötigen Eichdaten.

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