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iPad & Co.: Freizeit-PCs erobern die Büros

von Joachim Hofer Handelsblatt

Über Jahrzehnte hinweg haben Unternehmen ihren Mitarbeitern diktiert, welche PCs oder Notebooks, Computerprogramme und Handymodell sie zu benutzen haben. Doch damit ist jetzt Schluss: Was Beschäftigte von zu Hause kennen, wollen sie auch im Job nutzen. Deshalb müssen die IT-Verantwortlichen soziale Netze und Tablet-PCs integrieren.

iPad: Attraktiv für Quelle: APN
iPad: Attraktiv für Werbevermarkter. Während sich Apple und Google bekämpfen, nutzt das indische Unernehmen InMobi seine Chance Quelle: APN

Radikaler Bruch in den IT-Abteilungen der Unternehmen. Über Jahrzehnte hinweg haben es die IT-Verantwortlichen geschafft, den Nutzern die Arbeitsbedingungen zu diktieren. PCs und Notebooks, die einzelnen Programme, selbst das Handymodell waren strikt vorgegeben. Doch damit ist jetzt Schluss. Oft sind die Mitarbeiter privat viel besser ausgestattet als im Büro und bringen ihr eigenes Equipment einfach mit. Außerdem wollen sie sich durch die Marke ihrer Wahl vom Schreibtischnachbarn abheben.

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Eins ist sicher: Um gute junge Leute anzuziehen und das bestehende Personal nicht zu frustrieren, müssen die Betriebe handeln und neue Techniken und Geräte einführen. Doch das ist gar nicht so einfach. Das Handelsblatt zeigt, wo 2011 Handlungsbedarf besteht.

iPad & Co

Selten ist eine neue Computergeneration so gut beim Publikum angekommen wie der Tablet-PC von Apple, der iPad. Obwohl es neben der Kultmarke aus Kalifornien noch kaum Auswahl unter verschiedenen Anbietern gibt, werden dieses Jahr schon rund 20 Millionen Tablets verkauft. Nächstes Jahr werden dann vermutlich bereits 55 Millionen Stück über die Ladentheken gehen, wenn die Prognosen der Marktforscher von Gartner zutreffen. Weil für viele Mitarbeiter die Minirechner damit zum ständigen Begleiter werden, sind die IT-Chefs gefordert, die Tablets ins Firmennetz zu integrieren. "Firmen müssen erkennen, dass es nicht immer nur um Produktivität geht", sagt Gartner-Manager Stephen Prentice. Um neue Leute anzuziehen und die bestehende Belegschaft zu halten, sei es wichtig, sich um die Tablets zu kümmern.

Das ist ein Bruch mit allen Traditionen, da damit auch neue Betriebssysteme unterstützt werden müssen. Bislang haben die IT-Leiter hauptsächlich auf Windows gesetzt. Das ist jetzt vorbei, Apple zieht ein, auch an Android von Google kommen die Verantwortlichen nicht vorbei.

Schon stehen Firmen wie Cisco in den Startlöchern. Sie machen die flachen, mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm ausgestatteten Geräte zum Alleskönner auf dem Schreibtisch - und unterwegs. Telefonieren, im Internet surfen, Web-Konferenzen veranstalten, all das kann beispielsweise der neue Tablet-PC Cius, den Cisco auf der Basis von Android gerade auf den Markt bringt. "Wir machen Videokonferenzen so einfach, dass sie das Telefonieren ersetzen werden", ist Cisco-Manager Tom Puorro überzeugt. Die Gartner-Experten rechnen damit, dass 2013 vier von fünf Unternehmen weltweit den Einsatz von Tablet-PCs in ihren Systemen zulassen.

Soziale Netze

Die modernen Smartphones und Tablet-PCs sind wie geschaffen, um immer und überall mit Freunden und Kollegen in Kontakt zu bleiben. Und das schon längst nicht mehr nur per E-Mail. Alle Altersgruppen nutzen inzwischen soziale Netze, um sich auszutauschen. "Die Unternehmens-IT wird durch die Konsumenten getrieben", sagt Walter Denk vom IT-Dienstleister PC-Ware.

Marktforscher sind überzeugt, dass Firmen nicht umhinkommen, die modernen Kommunikationswerkzeuge intern ebenfalls einzusetzen. Doch das ist gar nicht so einfach, es reicht nicht, dazu geeignete Software von IBM oder Microsoft zu installieren. "Die Technologie ist nur der Auslöser, die Unternehmenskultur ein Muss für den Erfolg", sagt Gartner-Analystin Monica Basso. Das Geschäft mit der sogenannten Enterprise Social Software boomt bereits. Solche Programme machen firmeninterne Blogs, Communitys, Diskussionsplattformen und vieles mehr möglich. Auch der Cloud-Pionier Salesforce ist von dem Facebook-Prinzip überzeugt und bietet eine Software an, die sich vom „Look and Feel“ an dem größten sozialen Online-Netzwerk orientiert.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 30.12.2010, 12:33 UhrBayer

    Vor begeisterung kann man beschäftigte nur warnen; das Motiv ist doch klar - die Mitarbeiter dazu bewegen quasi unmerklich und "spielerisch" auch in der Freizeit stets beruflich erreichbar zu sein. Wie wollte man auch den Chef oder einen wichtigen Kunden abwimmeln wenn er auf einmal was ganz wichtiges (wann ist es nicht wichtig...) braucht. Auf diese Falle sind Arbeitnehmer schonmal reingefallen, als Diensthandy und blackberry mit der Erlaubnis moderater privater Nutzung verteilt wurden.

    Privat und beruf zu vermischen ist eine ganz ungute Entwicklung von der nur Arbeitgeber etwas haben.

  • 29.12.2010, 19:04 UhrHägar Schmidt

    Apple als "closed source" und "closed hardware" - Unternehmen bringt die große Gefahr der starken Abhängigkeit von einem singulären Anbieter (als auch "Vendor Lock-in" bekannt). Wer einmal mit OS/2 arbeitete, der weiss, was ich meine. Die Abhängigkeit von Windows ist schon gefährlich - aber wenn man von Software UND Hardware abhängig ist, dann ist man geliefert.

    Es macht keinen großen Sinn, Apple zum alleinigen Lieferanten zu machen, denn dann hat der Lieferant einfach zuviel Macht. ich denke, Android hat eher das Zeug zu einer Zweitplattform.

  • 29.12.2010, 17:07 UhrGadget-O-mobil

    @ bond: Wenn man hier von der Macht der iT Verantwortlichen spricht, dann sollte man das auch von zwei Seiten betrachten:
    Die Verantwortlichen sind, wie der Name schon sagt, verantwortlich, und zwar nicht nur für die tollsten und neuesten Gadgets, sonderm auch dafür, dass Systeme und Daten verfügbar sind, dass Daten der Firma gem. dem Grad der Vertraulichkeit verarbeitet und gespeichert werden (können), dass sie integer bleiben und dass die identität der benutzer gewahrt bleibt. Darüber hinaus sind sie auch dafür verantwortlich, dass die Summe der Endgeräte ordentlich gepflegt und deren Nutzer adäquat unterstützt werden.
    Jeder, der zu Hause mehr als zwei Geräte unterschiedlicher Plattformen ernsthaft pflegt weiß über den damit in Verbindung stehenden Aufwand....
    ich bin mir sicher, sobald Anbieter der "Freizeit PCs" und diverser Smartphones endlich enterprise-tauglich werden, wird sie jeder iT-Verantwortliche auch gerne integrieren, denn neben den ganzen oben genannten Dingen, die leider von den benutzern oftmals erst wahrgenommen werden, wenn sie nicht gehen, Daten leaken oder sonst nicht "tun", haben viele iT-Verantwortliche sehr wohl auch die Zufriedenheit der Kunden im blick....

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