Jerry Shen im Interview: "Sehr heilsam"

Jerry Shen im Interview: "Sehr heilsam"

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Jerry Shen, Chief Executive Officer von Asus

Jerry Shen, Chef des taiwanischen Computerherstellers Asus, über das Erfolgsgeheimnis des Kassenschlagers EeePC und seine Pläne für weitere Billigcomputer.

WirtschaftsWoche: Herr Shen, der Ende 2007 von Asus eingeführte EeePC ist ein Riesenerfolg. Konzepte für preisgünstige und robuste Notebooks gab es auch früher schon, die Umsetzung der Pläne klappte bei Ihren Konkurrenten aber nicht. Was haben Sie besser gemacht?

Jerry Shen: Möglicherweise sind wir anders an das Thema rangegangen. Wir hatten uns von Anfang an vorgenommen, einen neuen Markt zu schaffen. Viele Menschen weltweit haben immer noch keinen Zugriff auf einen Computer – teilweise wegen des Preises, teilweise weil technische Kenntnisse fehlen. Ein Computer ist eben noch nicht so einfach zu bedienen wie ein Auto.

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Welche Konsequenzen zogen Sie daraus?

Als wir uns also daranbegaben, ein neues Produkt zu kreieren, haben wir uns von Anfang an auf geringes Gewicht, einen niedrigen Preis und leichte Bedienbarkeit konzentriert – das Ergebnis ist der EeePC. Ein Teil des Erfolgs ist sicher auch darauf zurückzuführen, dass wir trotz des geringen Preises und der einfachen Technik großen Wert auf das Design gelegt haben. Uns ist es auf diese Weise gelungen, mit dem EeePC gleich mehrere Zielgruppen anzusprechen: Sowohl Geschäftsleute wie auch Teenager mögen das Gerät – das gilt für Menschen in neuen Märkten wie auch in Industrieländern. Dadurch sprechen wir alte und neue Zielgruppen an.

Hat Sie der Erfolg des EeePC nicht trotzdem selbst ein wenig überrascht?

Anfangs haben die meisten Leute bezweifelt, dass ein solches Gerät global ein Erfolg werden könnte. Eventuell, so hieß es in der Branche, sei der Laptop geeignet für Kunden in der Dritten Welt, mehr aber nicht. So eng haben wir selbst aber nie gedacht, wir haben den Markt von Beginn an breiter definiert. Und wir haben die Maschine vor Markteinführung natürlich ausführlich getestet. Ich habe allein bei uns in der Zentrale in Taiwan 1000 Asus-Mitarbeitern einen EeePC für Tests mit nach Hause gegeben. Dennoch hat der Erfolg zugegebenermaßen auch viele Menschen bei uns überrascht.

Warum sind die Geräte hier in Deutschland derzeit so schwierig zu bekommen?

Das stimmt leider. Wir haben momentan ein Problem, ausreichend Akkus zu beziehen. Bei unserem Zulieferer Panasonic gab es im vergangenen Jahr und erneut im März Brände in der Fertigung. Dadurch gibt es leider Versorgungsengpässe.

Welche Absatzziele peilen Sie an?

Wir sind zuversichtlich, in diesem Jahr fünf Millionen Geräte weltweit verkaufen zu können – ohne das Problem mit den Akkus wäre dieses Jahr vermutlich sogar noch mehr für uns drin gewesen.

Wie können Sie mit einem solch billigen Gerät eigentlich Geld verdienen?

Wir haben sehr gute Beziehungen zu unseren Zulieferern – und die sehen ein Gerät wie den EeePC ganz klar als Chance für künftige Geschäfte. Denn der Rechner gibt auch ihnen die Möglichkeit, am erwarteten Wachstum dieses Marktes zu partizipieren: Wir denken, dass der weltweite Absatz von heute 300 Millionen Computern jährlich mittelfristig auf eine Milliarde Einheiten steigen wird. Aber natürlich haben wir das Gerät von Beginn an mit ganz spitzem Bleistift gerechnet, damit sich der Verkauf für uns auszahlt.

Fürchten Sie nicht, dass der EeePC zulasten Ihres traditionellen Notebookgeschäfts geht?

Nein, das fürchten wir nicht, weil die Bedingungen bei beiden Geräteklassen unterschiedlich sind. Ein Notebook-Nutzer sucht ganz bewusst ein Gerät mit großem Bildschirm und viel Speicher, während für den Käufer des EeePC vor allem die Simplizität wichtig ist. Dadurch lassen sich beide Zielgruppen gut voneinander abgrenzen. Wir schätzen, dass es eine Überlappung bei den Nutzern von höchstens zehn Prozent gibt. Damit können wir sehr gut leben, denn insgesamt ist der EeePC sehr heilsam für unsere gesamte Industrie.

Sie wollen die Eee-Marke auch auf weitere Produkte ausdehnen. Was erwartet uns noch?

Zunächst einmal die EeeBox. Das ist ein abgespeckter und stark geschrumpfter Arbeitsplatz-Rechner ohne Monitor, der voraussichtlich im dritten Quartal weltweit auf den Markt kommt.

Das Vorbild ist der Mac Mini von Apple?

Ja, so ungefähr. Aber der Preis wird deutlich niedriger liegen. Ohne Monitor wird unser Computer nur 199 Dollar kosten. Das heißt, wir zielen auf eine völlig andere Zielgruppe als Apple. Überdies planen wir noch einen dazu passenden Eee-Monitor.

Wie wird sich die Billig-Notebook-Strategie auf den Weltmarktanteil von Asus auswirken?

Wir haben uns sehr aggressive Wachstumsziele vorgenommen. Derzeit rangiert Asus bei Laptops weltweit noch auf Rang sieben. Innerhalb von drei Jahren wollen wir die Nummer fünf sein, noch einmal drei Jahre später zum Führungstrio zählen. Durch den EeePC stehen wir bei Billig-Notebooks mit einem Marktanteil von rund zehn Prozent schon heute an der Spitze. Diese Position wollen wir natürlich möglichst lange halten.

Das läuft auf ein hartes Rennen hinaus: Ihr taiwanischer Konkurrent Acer wächst ebenfalls sehr stark und drängt nach oben.

Mit dem EeePC haben wir bewiesen, dass wir in der Lage sind, Innovationen hervorzubringen, mit denen wir uns vom Rest des Marktes abheben können. Überdies produzieren wir die Laptop-Hauptplatine – das sogenannte Motherboard – selber. Dadurch haben wir Zugriff auf eine der wichtigsten Komponenten eines Rechners. Das betrachte ich als großen Vorteil.

Ursprünglich war Asus ein reinrassiger Hersteller von Motherboards. Wie werden sich durch das Wachstum im Notebook-Bereich die Umsätze der Gruppe verändern?

Im vergangenen Jahr steuerte das Notebook-Geschäft bereits etwas mehr als die Hälfte zum Gesamtumsatz von Asus bei. Dieser Anteil wird 2008 bei insgesamt steigendem Umsatz ungefähr gleich bleiben. Der EeePC dürfte in diesem Jahr bereits rund 15 Prozent zum Umsatz beitragen; dadurch sinkt umgekehrt der Anteil des Motherboard-Segments auf rund 25 Prozent. Asus ist also schon lange kein reiner PC-Zulieferer mehr.

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