Johann-Dietrich Wörner: "Auf Augenhöhe"

Johann-Dietrich Wörner: "Auf Augenhöhe"

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Johann-Dietrich Wörner

von Jürgen Rees

Der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt Johann-Dietrich Wörner über die Krise der bemannten Raumfahrt in den USA und die Chancen für Deutschland.

Herr Wörner, zum Mond fliegt man etwa fünf Tage, eine Reise zum 56 Millionen Kilometer entfernten Mars dauert rund zwei Jahre. Würden Sie die Reise wagen?

Ja, sofort. Der Reiz des Neuen würde die Sorge um die Gesundheit verdrängen.

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Hält der Mensch das aus, sowohl medizinisch wie psychologisch?

Das untersuchen wir gerade in Moskau im russisch-europäischen Gemeinschaftsprojekt „Mars-500“. Dort wird ab April mit sechs Freiwilligen ein 520-tägiger Marsflug simuliert inklusive 20 Tagen Aufenthalt auf dem Mars. Die Marsfahrer leben in einem Komplex aus vier Modulen, der einer Raumfähre nachempfunden ist und kommunizieren mit der Bodenstation nur über Funk und E-Mail.

Das klingt nicht besonders spaßig. Warum muss die Menschheit zum Mars? Was wollen wir da, und ist das nicht viel zu teuer?

Der Mensch will die Welt und das Universum verstehen. Was hat es gebracht, den Mount Everest zu besteigen? Warum telefonieren wir heute mit dem iPhone und nicht mehr mit den alten Wählscheibenapparaten? Wieso hat Kolumbus einen neuen Kontinent entdeckt? Ich bin mir absolut sicher: Der Mensch fliegt irgendwann zum Mars. Und er fliegt auch noch weiter.

Reicht kulturelle Neugier als Argument, um die Milliardeninvestitionen für das Mars-Abenteuer zu rechtfertigen?

Mir würde es reichen. Aber ohne Raumfahrt gäbe es keine Fernsehbilder von jeder Stelle der Erde, wir hätten kein Navigationssystem im Auto, es gäbe keine Wettervorhersage. Die Teflonpfanne ist zwar kein Produkt der Raumfahrt, aber der Akkuschrauber ist es, genauso wie der Ölbrenner für die Heizung oder Anzüge für Babys, die die Lebensfunktionen überwachen, um den plötzlichen Kindstod zu verhindern. Die Nasa hat ausgerechnet, dass alleine 1600 Produkte des alltäglichen Lebens aus der Raumfahrt stammen.

Dennoch steckt gerade die Nasa in der Krise: Die Raumfähre Spaceshuttle wird ausgemustert, die Entwicklung des Nachfolgers gestoppt. So wird es nichts mit den Mars- und Mond-Missionen, oder?

Im Gegenteil. Was bisher meist übersehen wird, sind die positiven Signale von US-Präsident Barack Obama.

Welche sind das?

Die Nutzung der ISS ist bis über das Jahr 2020 hinaus gesichert. Weltraumflüge für Personen und Material werden ausgebaut. Alleine dafür sind zusätzliche sechs Milliarden Dollar vorgesehen. Das ist so viel wie der Gesamtetat der Europäischen Raumfahrtagentur Esa für zwei Jahre. Für uns sind drei weitere Punkte ganz wichtig: der Ausbau der internationalen Beziehungen, die verstärkte Technologieorientierung und die bessere Einbindung der Privatwirtschaft.

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