Das heißt, dass wir im Gegensatz zu Maschinen weder auf kontinuierliche Leistung noch auf pausenlose Arbeit eingestellt sind. Wir leben und arbeiten im Rhythmus. Das bedeutet für unseren Arbeitsalltag, dass wir nicht frei sind in unseren Entscheidungen, was wir wann tun. Natürlich können wir den inneren Rhythmus ignorieren, aber wir bezahlen für die Achtlosigkeit mit schwächerer Leistung, Fehlern und erhöhten Unfallzahlen. Wir sind biologisch programmiert. Innere Uhren bestimmen unsere Hoch- und Tiefphasen, und denen können wir uns nicht entziehen. Die Erforschung der Chronobiologie schreitet zwar schnell voran, und in Zukunft sind hilfreiche Erkenntnisse für den Alltag zu erwarten. Zunächst dokumentiert sie aber nur, wie wichtig biologische Rhythmen sind – und dass wir gut daran tun, uns nach ihnen zu richten. Lassen Sie uns mit dem Morgen beginnen. Der fängt für den einen früher, für den anderen später an. Es gibt sie zu jeweils 15 Prozent in der Bevölkerung, die extremen Morgen- und Abendtypen, die auch Lerchen und Eulen genannt werden. Ihre Vorliebe fürs frühe oder späte Wachwerden ist nicht nur Gewohnheit, sie ist auch in den Genen festgelegt. Sollten Sie eine solche Neigung besitzen, hilft es wenig, willentlich dagegen anzukämpfen. Sie sollten Ihren Tag, so gut es geht, entsprechend einrichten. Denn es ist ja nicht nur der Zeitpunkt des Zubettgehens und Aufstehens, der die so genannten Chronotypen unterscheidet: Auch ob Sie lerchengleich eher am Vormittag oder eulenartig gegen Abend zur Hochform auflaufen, ist davon beeinflusst. Dass Rhythmen unseren Tag bestimmen, zeigt sich besonders ausgeprägt an unseren Mahlzeiten. Die werden weltweit in allen Kulturen dreimal am Tag – also grob gerechnet im Vierstundentakt – eingenommen. Das ist Biologie pur. Denn in diesem Rhythmus werden wir hungrig. Aber nicht nur das: Wir werden im selben Rhythmus auch mehr oder weniger leistungsfähig. Etwas schwächer ausgeprägt ist ein ebenfalls biologisch festgelegter 90-Minuten-Rhythmus, in dem unsere Leistungsfähigkeit schwankt. An Schule und Universität dauert die Doppelstunde, die von einer kurzen Pause gefolgt wird, nicht ohne Grund zweimal 45 Minuten. Der erste Tageshöhepunkt der Leistungsfähigkeit liegt für die meisten unserer Zeitgenossen – Eulen ausgenommen – zwischen 10 und 11 Uhr vormittags. Dies ist der Zeitpunkt für Kreativität, Konzentration und Leistungsfähigkeit. Wir arbeiten dann am genauesten, dann ist die Stimmung top. Das legt sich so ab 12 Uhr mittags. Jetzt sacken Konzentrationsfähigkeit und Kreislauf ab, wir werden müde und auch die Laune leidet. Um diese Zeit steigt die Anzahl der Verkehrsunfälle, und auch die Fehler bei der Arbeit häufen sich. Ein Firmenchef berichtete mir: „Mittags hätte ich das Fließband abschalten können, so viel Ausschuss wurde da produziert.“ Die Leistungsdelle dauert bis etwa 14 Uhr, bei manchen auch länger. Übrigens wird dieses Tief nicht durch das Mittagessen verursacht, es tritt auch ohne die Einnahme von Speisen auf. Allerdings kann ein opulentes Mahl die schon vorhandene Müdigkeit verstärken. Die gute Nachricht: Ab 15 Uhr geht es wieder aufwärts. Das Nachmittagshoch sieht allerdings etwas anders aus als das Vormittagshoch: Neben guter mentaler Leistung reagieren wir jetzt auch sehr schnell. Außerdem ist unsere körperliche Fitness am größten. Die Muskelkraft ist auf einem Maximum, und Sport bringt um 17 Uhr den besten Trainingseffekt – vorausgesetzt, um diese Zeit können wir Sport treiben.
Nichts ist spannender als Wirtschaft. Lesen Sie in der WirtschaftsWoche, was die Wirtschaft bewegt.
Was sagt uns das alles? Arbeiten Sie im Rhythmus! Morgens erst einmal langsam anfangen und den Überblick gewinnen. Die Lerchen früher, die Eulen später. Den Vormittag und den späteren Nachmittag nutzen Sie für kreative Arbeiten, schließlich sind es die wertvollsten Stunden – zumindest für unsere Arbeit. Möglichst keine Besprechungen, keine Telefongespräche. Am besten gehen Sie in Klausur. Leider geht das nicht immer, und realistisch betrachtet, müssen Sie bei all dieser Planung schon bereit sein für Kompromisse. Aber es hilft, sich daran zu erinnern, wie der Arbeitstag zeitlich optimal gestaltet werden kann. Jetzt in Ruhe Konzepte erarbeiten, Pläne durchgehen oder Artikel schreiben wie diesen hier. Da es auch noch den 90-Minuten-Rhythmus gibt, sollten Sie die kleine Pause zwischendurch nicht vergessen, so etwa fünf bis zehn Minuten. Ab 12 Uhr ist es Zeit für eine größere Pause, für eine Mahlzeit, fürs Abschalten oder auch für Bewegung. Um 14 Uhr sind die meisten von uns nicht wirklich kreativ. Hier bauen Sie Gespräche ein, Telefonate oder Besprechungen. Ansonsten wäre es jetzt Zeit fürs Grobe: Ordnung schaffen. Im Verlauf des Nachmittags beginnt die zweite Hochphase für konzentriertes Arbeiten, die es zu nutzen gilt. Die kann, wiederum je nach Chronotyp, unterschiedlich lang sein. Für die Eulen reicht sie bis in den Abend. Die Lerche verliert schon deutlich früher ihre mentale Stärke. Das Fazit: Als Rhythmuswesen sind wir mit unserer Leistungsfähigkeit auf einen Wechsel von Aktivität und Ruhe festgelegt. Gut zu wissen: Auf ein Leistungstief kommt immer wieder ein Hoch. Also weg von der Stechuhrmentalität und dem Aberglauben, dass mehr und länger zu arbeiten auch bedeutet, mehr zu leisten: Nur wer im Rhythmus lebt, lebt erfolgreich.











