Kabellose Headsets im Test: Wer soll dein kabelloses Herzblatt sein?

Kabellose Headsets im Test: Wer soll dein kabelloses Herzblatt sein?

, aktualisiert 09. November 2016, 06:27 Uhr
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Kabelloses In-Ear-Headset, das Fitness-Daten aufzeichnet und dem Nutzer Rückmeldung zu seiner Laufleistung gibt.

(Quelle: PR Samsung)

von Carina KontioQuelle:Handelsblatt Online

Fitness-Tracker, Musik-Player und Headset in einem – und alles ohne störende Kabel: Das bieten Samsung und Motorola mit ihren neuen Kopfhörern Gear IconX und VerveOnes+. Können die virtuellen Computer im Ohr überzeugen?

KölnDieser Praxistest beginnt mit einem kleinen Desaster. Während Samsung gerade noch wegen feuergefährlicher Akkus bei seinem Pannen-Smartphone Galaxy Note 7 in heftigen Turbulenzen steckt, wird auch aus dem neuen Headset Gear Icon X, das wir zu Testzwecken bekommen haben, beinahe teurer Elektroschrott. Was ist passiert?

Unsere 5-jährige Katze Pessi hat die „Knabbersucht“. Davon können sicherlich alle Katzenbesitzer ein Lied singen. In einem unbeobachteten Moment also hat sich Pessi über das brandneue Ladekabel der 229 Euro teuren Kopfhörer hergemacht und es mit mehreren gezielten Beißattacken völlig zerstört. So war der Test schon zu Ende, bevor er überhaupt beginnen konnte. Wenigstens hat Pessi ihre Cyber-Beute nicht verscharrt oder weggeschleppt. Und da die Gear IconX mit der Ladeschale per Micro-USB-Kabel verbunden werden, von denen man ja sowieso die ganze Schublade voll hat, war das Problem dann doch relativ schnell gelöst.

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Distanz, Dauer, Puls und Kalorien ins Ohr geflüstert

Aber genug von den merkwürdigen Fressgewohnheiten geschlechtsreifer Wohnungskatzen. Worum es hier eigentlich geht: Kann der virtuelle Mini-Computer im Ohr, der Fitness-Tracker, Musik-Player und Headset in einem sein will, auch Zweibeiner überzeugen? Welche Alternativen gibt es und lohnt sich der Kauf? Wir haben den Alltags-Test gewagt.

Auf dem Papier zumindest können die Gear Icon X eine ganze Menge Dinge anstellen. Gekoppelt mit einem Android-Smartphone (funktioniert reibungslos per Bluetooth) kann man mit den kleinen Stöpseln, die nur je sechs Gramm auf die Waage bringen, nicht nur komplett kabellos telefonieren und während des Trainings bis zu 1.000 Lieder anhören, sondern auch noch seine sportlichen Aktivitäten aufzeichnen und sich über eine Sprachausgabe zu Geschwindigkeit, Distanz, Dauer, Puls oder verbrannten Kalorien auf dem Laufenden halten und motivieren lassen. Der Akku reicht für rund 1,5 Stunden Musik-Streaming per Bluetooth vom Smartphone oder drei Stunden bei der Musikwiedergabe vom integrierten Speicher (4 GB).

Die Einrichtung ist kinderleicht: Zuerst auf dem Smartphone die App „Samsung Gear“ installieren, die Kopfhörer per Bluetooth koppeln, einrichten und bestimmte Präferenzen festlegen. Beispielsweise auf welcher Seite der Haupt-Kopfhörer sein soll, mit dem Sie per Gesten- und Wischsteuerung durchs Menü navigieren. Oder in welcher Sprache (zur Verfügung stehen 15) Sie akustische Ansagen bekommen möchten oder welche Informationen während des Workouts in welchen Intervallen angesagt werden.

Aufgeladen werden die Gear Icon X über die mitgelieferte Ladeschale, die per Micro-USB entweder an die Steckdose oder an den Laptop angeschlossen wird. Mit ihr lassen sich die Kopfhörer zweimal wieder voll aufladen, bevor sie selbst wieder an die Steckdose geklemmt werden muss. Auf der Schale befinden sich vorne zwei kleine LED-Lämpchen, die rot leuchten, wenn die Kopfhörer leer sind und grün, wenn es endlich losgehen kann. Es sei denn, Sie möchten vorher noch eigene Musik oder ein Hörbuch auf die Kopfhörer ziehen, weil Sie beim Training das Smartphone zu Hause oder in der Umkleide lassen wollen.


Was hat Samsung, was Bragi nicht hat?

Dazu braucht man für den PC noch den „Gear Icon X Manager“, eine kostenlose Software, die Samsung auf seiner Website zum Download anbietet. Sind die Kopfhörer per Kabel mit dem Rechner verbunden, lassen sich dann Dateien in diversen Formaten (MP3, M4A, AAC, WAV und WMA-Version 9) einfach per Drag and Drop übertragen. Samsung gibt die Speicherkapazität mit vier Gigabyte an, was für etwa 1.000 Lieder ausreicht. Tatsächlich ist der Platz für Musik allerdings etwas geringer, weil ja noch das Betriebssystem in den Stöpseln untergebracht werden musste.

Zwar lassen sich auch ohne die PC-Software Dateien auf die Kopfhörer ziehen, aber dann kann es passieren, dass die Daten nicht auf beiden Stöpseln gleichzeitig synchronisiert werden und die Musik entweder gar nicht oder nur auf einer Seite zu hören ist. Es lassen sich auch Musikdateien vom Smartphone per Kabel (man nutzt zusätzlich einen mitgelieferten Adapter für das Handy) oder Bluetooth übertragen; beide Optionen saugen jedoch ordentlich an der Akkuleistung, worauf Samsung auch im Online-Handbuch hinweist. Also besser die andere Methode nutzen.

Sicher unterwegs mit Kopfhörern im Ohr

Sowohl über die App „Samsung Gear“ als auch über den „Gear IconX Manager“ lässt sich dann allerlei mit den Liedern anstellen. Sie können eine eigene Reihenfolge der Titel erstellen, die Zufallswiedergabe aktivieren, einzelne Titel wieder löschen et cetera et etera - und soweit ist das nichts wirklich Besonderes. Einzig die Tatsache, dass man sich neben der Musik auch noch Umgebungsgeräusche ins Gehör spielen kann, finde ich positiv. Gerade wenn man draußen Sport treibt, ein durchaus wichtiger Aspekt, wenn es um die Sicherheit im Straßenverkehr geht. Wer will schon gerne von der Straßenbahn über den Haufen gefahren werden, nur weil er sie nicht mehr rechtzeitig gehört hat?

Wenn Sie sich übrigens die ganze Zeit schon fragen, was das Gerät von Samsung anders macht, als das “Hearable” The Dash vom Münchner Unternehmen Bragi, das Anfang des Jahres in Serie gegangen ist (lesen Sie hier unseren ausführlichen Test), dann lassen Sie sich an der Stelle gesagt sein: Die Südkoreaner wollen mit ihren IconX-Stöpseln gar keine Neuheit präsentieren, sondern, so hat es ein Kollege vom Curved-Magazin ganz treffend beschrieben, schlicht „das Praktische mit dem Nützlichen verbinden und den perfekten Sportkopfhörer kreieren – kabellos und unabhängig vom Smartphone.”

Und wie perfekt sind sie jetzt, die alleskönnenden Mini-Computer für 229 Euro? Welche Schwächen zeigen sich beim Sport und gibt es billigere und bessere Alternativen auf dem Markt?


Mehr Wumms würde nicht schaden!

Nun, was mir gut gefällt an den Gear IconX, ist das smarte Design des Headsets. Andere Produkte dieser Art wirken da oft noch überdimensioniert globig und erinnern mich in ihrer Optik eher an einen Zigarettenanzünder aus dem Auto, den man sich ins Ohr gesteckt hat. Apropos Dinge ins Ohr stecken: In-Ear-Kopfhörer sind ja nicht so jedermanns Sache! Meine Frau beispielsweise hat sich vehement geweigert, die IconX auch nur zehn Sekunden lang zu testen. Man muss das also mögen.

Deutlich unstreitiger ist hingegen die intuitive Bedienung, die mittels Wischen und Tippen an den Kopfhörern funktioniert und zwar reibungslos. Anscheinend hat Samsung hier Kinderkrankheiten, die wir bei Bragi noch bemängelt haben, ausgebügelt und kann obendrein auch noch mit einer ordentlichen Bluetooth-Stabilität überzeugen. Vor allem aber punkten die Gear IconX durch ein sehr gutes Tragegefühl (sitzt, passt, wackelt und stört nicht) im Ohr und mit einer überzeugend klaren Klangqualität, auch wenn etwas mehr Wumms auch nicht geschadet hätte.

Funkstille in der Kaffeeküche

Jenseits von Sport und Training sind die Kopfhörer vor allem am Schreibtisch im Großraum sehr nützlich, denn wenn man mal kurz aufstehen und zum Drucker laufen muss, braucht man sich nicht gleich ausstöpseln und kann sein Handy auch auf dem Tisch liegen lassen. Spätestens in der Büroküche verliert sich aber die Verbindung zum Smartphone, was ich allerdings völlig okay finde.

Nicht so gelungen finde ich, dass ich mit den Gear IconX in der Android-Welt gefangen bin. Nutzer anderer Betriebssysteme wie beispielsweise iOS können diese Kopfhörer nicht koppeln. Das ist schade, denn im Gegensatz zu Apples AirPods, die mir schon nicht gefallen, bevor sie überhaupt Ende Oktober für 179 Euro auf den Markt kommen, hat mich Samsung mit seinem kabellosen Produkt absolut überzeugt (nur verlieren sollte man die kleinen Dinger nicht, weshalb sie nach dem Tragen unmittelbar wieder in die Ladeschale eingesetzt werden sollten). Doch deswegen kommt mir als überzeugter Apple-Anhängerin noch lange kein Android-Smartphone ins Haus.


Samsung, Motorola, Beyerdynamic: Wer soll dein Herzblatt sein?

Grund genug also, sich nochmal kurz zwei weitere Kandidaten anzuschauen, die sowohl mit iOS als auch mit Android kompatibel sind: für 249,99 Euro die wasserfesten und schweißresistenten VerveOnes+ des inzwischen zu Lenovo gehörenden Handy-Pioniers Motorola sowie für 199 Euro von Beyerdynamic den Byron BTA, das erste kabellose Headset des mittelständischen Unternehmens aus Heilbronn.
Um Sie nicht allzu lange auf die Folter zu spannen: nicht ohne Grund zählt Beyerdynamic zu den bekanntesten Geräteherstellern im Bereich Audiotechnik. Der kabellose Byron BTA kommt zwar nicht ohne ein Verbindungsstück zwischen den beiden Ohrhörern aus, überzeugt dafür aber auf ganzer Linie beim Musikgenuss durch einen herausragenden Sound. Auch Telefongespräche klingen mit dem Byron weder etwas blechern wie bei den VerveOnes+ noch wie ein Ferngespräch aus den 90er-Jahren wie bei anderen Modellen.

Ein leistungsstarker Akku versorgt das Beyerdynamic-Headset bis zu 7,5 Stunden lang mit Energie und - das haben alle drei Produkte gemeinsam - über den aktuellen Akkustand wird der Nutzer per Sprachansage informiert (wie bei Motorola auch nur auf Englisch). Zum Volltanken über die Schnellladeschale braucht der Byron BTA nur 90 Minuten. Der Clou: Die Ladeschale nimmt die Fernbedienung (die gleichzeitig auch Freisprecheinrichtung ist) des Kopfhörers auf und erspart den Anschluss per Micro-USB-Buchse. Die Schale kann zu Hause mit dem PC verbunden bleiben, der Kopfhörer wird bei Bedarf einfach angedockt.

Fazit: Mit Byron in den Herzblatt-Hubschrauber

Das Beste am Byron: Er funktioniert sowohl mit Apple- als auch mit Android-Geräten. Das können die VerveOnes+ zwar auch, dafür muss man allerdings trotz einer sehr guten Akku-Leistung (laut Motorola zwölf Stunden für Musik und 15 im Telefonbetrieb) Verbindungsschwierigkeiten beim Bluetooth und eine abgespeckte Klangbreite in Kauf nehmen. Außerdem sitzen sie auf Dauer nicht so bequem im Ohr.
Wenn Sie mich also jetzt fragen, wer von den drei Kandidaten heute mein Herzblatt sein soll, dann würde ich mich auf der Stelle für den smarten und charmanten Byron BTA entscheiden, der zwar nicht meine Schritte und meinen Kalorienverbrauch zählen kann, mit seinem astreinen Bass aber trotzdem meinen Puls beim Sporteln ordentlich in Bewegung bringt, denn mein Herz schlägt nunmal für die Musik. Mit ihm will ich mich verstöpseln und meine romantische Reise im Herzblatt-Hubschrauber machen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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