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„Kern“ soll erforscht werden: Nasa will Loch in Kometen schießen

Die US-Weltraumbehörde Nasa will erstmals das Innere eines Kometen erforschen und dazu ein Loch in den Himmelskörper „schießen“.

HB/dpa WASHINGTON. Am Mittwoch soll in Cape Canaveral ein Raumfahrzeug auf den 130 Mill. Kilometer langen Weg zum Kometen Tempel 1 geschickt werden. An Bord ist ein kühlschrankgroßes, kupfernes „Projektil“, das sich selbst in die Bahn des Himmelskörpers steuern und am 4. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, mit ihm kollidieren soll. Das Szenario hört sich an wie ein neuer Science-Fiction-Film: Ein Raumfahrzeug rast auf einen Kometen zu und nimmt ihn unter Beschuss - mit einer Art Kanonenkugel, die ein riesiges Loch in den Schweifstern schlägt. Es folgt eine Explosion aus Gestein, Eis und Staub, so zu sagen ein himmlisches Feuerwerk - genau passend zum 4. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag. Die Nasa will den durch den Beschuss entstandenen Krater mit Teleskopen untersuchen. Instrumente an Bord des Raumfahrzeuges sollen außerdem das aus dem Loch geschleuderte Material analysieren. Die Wissenschaftler erhoffen sich von der Mission, die nach dem gleichnamigen Kinofilm „Deep Impact“ über einen auf die Erde zusteuernden Kometen benannt ist, wichtige Aufschlüsse zur Entstehung des Sonnensystems vor rund 4,5 Mrd. Jahren. Bei früheren Missionen hatte die Nasa nur die Oberfläche von Kometen erforscht, die aus einem Gemisch von Gestein, Eis, Staub und Gas bestehen. Diese Außenhülle ist jedoch unter anderem durch die starke Sonneneinstrahlung beeinflusst, denen die Schweifsterne auf ihrer Bahn ausgesetzt sind. Im „Kern“ des Kometen, der vom gebürtigen deutschen Astronomen Ernst Wilhelm Leberecht Tempel im 19. Jahrhundert entdeckt wurde, könnten dagegen die ursprünglichen Bausteine für unser Sonnensystem konserviert sein. 285 Mill. Dollar kostet die nun geplante Mission, die - wenn alles planmäßig läuft - an diesem Mittwoch beginnen wird. Dann soll gegen 20 Uhr Mitteleuropäischer Zeit in Cape Canaveral (Florida) ein Raumfahrzeug mit Hilfe einer Delta-Rakete auf den rund 130 Mill. Kilometer langen Weg zum Kometen Tempel 1 geschickt werden. Der Start ist allerdings schon mehrfach verschoben worden.

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Lesen Sie weiter auf Seite 2: Erkenntnisse über die Entstehung des Sonnensystems erhofft

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Die Weltraumteleskope Hubble und Chandra werden genau beobachten, wie durch die Wucht des Aufpralls - wenn alles bis zum 4. Juli klappt - Materie aus dem Kern des im 19. Jahrhundert vom gebürtigen deutschen Astronomen Ernst Wilhelm Leberecht Tempel entdeckten Kometen ins All geschleudert wird. Auch Teleskopenaugen des „Mutterraumschiffes“ werden auf das Loch im Himmelskörper, der alle fünfeinhalb Jahre die Sonne umkreist, gerichtet sein, während Instrumente an Bord zugleich die Zusammensetzung der herausgewirbelten Gesteine, Eisbrocken und der freigesetzten Gase analysieren. Die NASA-Wissenschaftler erhoffen sich davon wichtige Erkenntnisse über die Entstehung des Sonnensystems vor rund 4,5 Mrd. Jahren. Schon seit Jahrtausenden beobachten Menschen fasziniert die Kometen, rätseln über die Bedeutung dieser Himmelskörper, die früher oft als Vorboten verhängnisvoller Ereignisse galten. Für die Wissenschaft sind Kometen vor allem eines: Zeitkapseln, in denen möglicherweise die ursprünglichen Bausteine für unser Sonnensystem konserviert sind. Was Astronomen bisher über die „schmutzigen Schneebälle“ wissen, wie die Kometen wegen ihres Eis-, Staub- und Gesteinsgemischs genannt werden, beruht nur auf der Untersuchung der Oberfläche und insbesondere des Schweifs aus Gas und Staub bei früheren Missionen. Aber dieses Material ist so zu sagen manipuliert - etwa durch die starke Sonneneinstrahlung, denen Kometen auf ihrer stark ellipsenförmigen Laufbahn ausgesetzt sind. „Die Sache ist eigentlich ganz simpel. Willst Du wissen, was in einem Gegenstand steckt, dann bohrst oder hämmerst Du ein Loch und wirft einen Blick ins Innere“, sagt Astronom Michael A'Hearn, Chefwissenschaftler des „Deep-Impact“-Projekts. So soll denn das Raumfahrzeug am 3. Juli das rund 370 Kilo schwere „Projektil“ aussetzen, das über Kameras sowie einen eigenen Navigator verfügt und sich direkt in die Bahn des etwa sechs Kilometer breiten Kometen steuern wird. Die Kollision am 4. Juli erfolgt nach den NASA-Plänen bei einer Geschwindigkeit von 10,2 Kilometern pro Sekunde. Die dabei frei gesetzte Energie entspricht etwa der von 4,4 Tonnen des Sprengstoffs TNT. Das klingt gewaltig, aber die NASA ist trotzdem wenig besorgt, dass der Kometenkern durch die Wucht auseinander brechen könnte: Dazu sei er zu weich. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Komet von seiner Bahn abkommt, wird als sehr gering eingestuft. Schließlich, so sagt ein NASA-Wissenschaftler mit Bick auf die Größe des Geschosses und des Kometen, „ist es so, als ob eine Mücke auf einen Jumbo-Jet trifft“.

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