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Kernkraftwerk Fukushima: Wo technisch ähnliche Kraftwerke stehen

von Wolfgang Kempkens

Die Stahlbetonhüllen der Fukushima-Reaktoren galten schon während des Baus als veraltet. In Deutschland findet man sie nicht mehr, doch auch hier sind noch sechs Siedewasserreaktoren in Betrieb.

Schweizer Atomkraftwerk Quelle: REUTERS
Schweizer Atomkraftwerk Mühleberg Quelle: REUTERS

Japan und die Westküste der USA sind die einzigen massiv erdbebengefährdeten Regionen, in denen Kernkraftwerke stehen. In den USA sind es sieben, darunter nur eins mit einem Siedewasserreaktor, einem modernen Nachfolgemodell der beiden Katastrophenanlagen in Japan mit insgesamt 51 Reaktorblöcken.

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Die angeschlagenen Kraftwerke in Fukushima beruhen auf einem Design des amerikanischen Großkonzerns General Electric (GE). Fünf der sechs Fukushima-Reaktoren, die zwischen 1971 und 1978 in Betrieb gingen,  gehören zu den ersten Serienanlagen, die General Electric seit Ende der Sechzigerjahre baut. Sie sind mit einem so genannten Mark-1-Containment ausgestattet, das bereits während des Baus der meisten dieser Anlagen als veraltet galt. Als Containment wird die Stahlbetonhülle bezeichnet, in der sich der eigentliche Reaktordruckbehälter befindet. Sie hat bei den  GE-Siedewassereaktoren eine Dicke von gut 1,5 Meter. Ihre Aufgabe bei einem Unglücksfall ist es, das radioaktive Material, das aus dem Reaktordruckbehälter entweicht, einzuschließen.

Wegen des ständig verdampfenden Kühlwassers steigt der Druck im Containment an. Wenn er zu groß wird und die Hülle zu bersten droht, werden Ventile geöffnet. Zwar muss der Dampf einen Filter passieren, doch dieser kann nicht alle gefährlichen Partikel zurückhalten. Vor allem die radioaktiven Edelgase Krypton und Xenon entweichen ungehindert in die Umwelt. Weltweit streiten die Experten darüber, ob das Containment des ersten Katastrophenreaktors Fukushima-1 noch heil ist und seine Aufgabe, den größten Teil des strahlenden Materials zurückzuhalten, noch erfüllt.

Der einzige Reaktor mit Mark-1-Containment außerhalb von Japan und den USA ist Mühleberg 14 Kilometer westlich von Bern.  Er ging 1972 in Betrieb.

In Deutschland wurden lediglich Vorläufer der Mark-1-Anlagen gebaut. Die damalige AEG nutzte das Know-how der großen amerikanischen Schwester, um das Versuchsatomkraftwerk Kahl am Main zu bauen. Der erste nukleare Stromerzeuger ging bereits 1960 in Betrieb. 1985 wurde er stillgelegt. Mittlerweile ist er komplett abgetragen.

Auch Gundremmingen Block A und das Kernkraftwerk Lingen sind längst stillgelegt und weitgehend vom Erdboden verschwunden, ebenso Würgassen, das sich angesichts des besonders hohen deutschen Sicherheitsbedürfnisses massiv von den ersten GE-Anlagen unterschied.

Heute sind in Deutschland mit Brunsbüttel, Krümmel (diese beiden Anlagen sind derzeit auf Grund von nicht-nuklearen Störfällen außer Betrieb), Philippsburg-1, Isar-1 und den beiden Blöcken des Kernkraftwerks Gundremmingen noch sechs Siedewasserreaktoren in Betrieb.

Alle sind von der Kraftwerkunion, einem Zusammenschluss von AEG und Siemens, beziehungsweise von Siemens allein nach neuen Plänen mit erheblich verbesserten Sicherheitssystemen gebaut worden. Nach der derzeit  gültigen Laufzeitverlängerung geht Isar-1 2019 als erste Anlage vom Netz. Mit Krümmel endet das Siedewasserzeitalter dann im Jahr 2033.

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