Kino: James Bond & Co: Wie Arri die Filmtechnik vorantreibt

Kino: James Bond & Co: Wie Arri die Filmtechnik vorantreibt

Bild vergrößern

Beim neuen "Bond" kommt die D21 von Arri zum Einsatz

Ob „Easy Rider“, „Star Wars“ oder der nächste „Bond“: Kaum eine große Kinoproduktion kommt ohne Arris Filmtechnik aus. Jetzt treiben die Münchner die Digitalisierung voran.

Und der Oscar geht an...“ Deutsche Schauspieler und Regisseure wurden mit Hollywoods begehrtem Filmpreis bisher selten bedacht. Anders der Münchner Kinospezialist Arri: Das bayrische Unternehmen hat die Trophäe für seine technischen Innovationen bereits 13- mal erhalten, zuletzt im vergangenen Jahr für die Arriflex 235. Die fernbedienbare, besonders kompakte und leichte Kamera ist speziell für Drehs von Actionszenen konzipiert. Sie lässt sich auf Helme, Flugzeugflügel und Autodächer montieren, gut in der Hand halten und erlaubt Aufnahmen aus spektakulären Positionen und Blickwinkeln. Was sie zu leisten vermag, lässt sich beispielsweise in der Neuverfilmung des Filmklassikers „King Kong“ aus dem Jahre 2005 sehen.

Arri wurde am 12. September 1917 von zwei filmbegeisterten Halbwüchsigen gegründet: den damals 19-jährigen August Arnold und Robert Richter. Aus den beiden Anfangsbuchstaben ihrer Nachnamen bildeten sie den Firmennamen. Auch die Nachfolger der inzwischen verstorbenen Firmengründer haben deren Pioniergeist im Blut, und so könnte die nächste Auszeichnung für Arri bald fällig sein.

Anzeige

Das Unternehmen bereitet derzeit die vollständige Digitalisierung der Filmproduktion vor. Der Umstieg von der Filmrolle auf Bits und Bytes bringt nach Auffassung von Arri-Chef Dejan Ilic nur Vorteile: schnellere Produktionen, bessere Bilder, niedrigere Kosten. Der gebürtige Serbe ist überzeugt: „Der Zug ist nicht aufzuhalten, und wir wollen vorne im Führerhaus sitzen.“

Die Digitalisierung der Filmproduktion hat weitreichende Folgen. Thomas Hägele, Leiter des Instituts für Animation, Visual Effects und digitale Postproduktion an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg, sieht einen „gewaltigen Marktumbruch“ voraus. Denn die Computertechnik ermögliche es, Filme mit den gleichen Gerätschaften gleich auf mehrere Vertriebswege zuzuschneiden: Kino, Fernsehen, Internet, für DVD, Spielekonsole und Handy. „Das ist das eigentlich Revolutionäre“, glaubt der Experte.

Hollywood forciert die Entwicklung. Seit Heimkino-Anlagen immer mehr an die Bildopulenz und das Klangerlebnis in den Filmtheatern heranreichen, suchen die kalifornischen Filmgesellschaften nach einem neuen Kick, um die Massen in die Säle zu locken. Die Hoffnungen ruhen auf 3-D-Filmen, die dem Zuschauer das Gefühl vermitteln, mitten im Geschehen zu sitzen. Digitale Projektionssysteme erzeugen diesen Effekt am wirkungsvollsten. Weltweit werden derzeit zahlreiche Kinos auf diese Vorführtechnik umgestellt, in den nächsten drei Jahren allein in Deutschland mehr als 3000, schätzt Hägele. Zu den führenden Ausrüstern gehört Kinoton aus München.

Schon heute wird rund die Hälfte aller Großproduktionen nicht mehr aus Kopien des Originalmaterials zusammengeschnipselt – so das traditionelle Verfahren. Die auf Zelluloid gedrehten Bilder werden statt dessen mittels eines Scanners in Dateien umgewandelt, die Endfassung entsteht komplett im Rechner. Am Ende des Prozesses belichtet ein Laser sie für die Vorführung im Kino auf Film zurück. Weil bei der digitalen Bearbeitung das mehrfache Kopieren von einem Negativ auf ein Positiv und zurück entfällt, steigt die Qualität der Kinobilder.

„In puncto Tiefenschärfe, Auflösung, Farbbrillanz und Körnung sind die digital erstellten Filme klar besser“, sagt Arri-Chef Ilic. Kinoexperte Hägele formuliert es etwas zurückhaltender. „Zumindest gibt es keinen Unterschied mehr – und die Digitaltechnik steht ja erst am Anfang.“

Erstmals wurde der digitale Schnitt Mitte der Neunzigerjahre eingesetzt, allerdings nur für einzelne, besonders effektlastige Sequenzen. Der Durchbruch für komplette Filme kam mit zwei Arri-Entwicklungen:

1998 brachten die Münchner den Arrilaser auf den Markt, heute der Industriestandard für Filmaufzeichnungen aus digitalen Daten. Er kann diese in einer Auflösung von bis zu 4k (4096 mal 3112 Pixel) auf Film belichten. In dieser Qualität kamen zum Beispiel „Spider-Man 2“ und „Sakrileg – The Da Vinci Code“ auf die Leinwand. 2004 folgte Arriscan, der analoges Filmmaterial im 16- und 35-Millimeter-Format abtastet und digitalisiert. Je nach Auflösung schafft der Scanner bis zu acht Bilder pro Sekunde. „Wir sind damit die Schnellsten auf dem Markt“, sagt Ilic. Der neuseeländische Meisterregisseur Peter Jackson hat seine Oscar-prämierte „Herr der Ringe“-Trilogie mit den beiden Arri-Geräten erstellt.

Die vor wenigen Wochen vorgestellte digitale Kinokamera D-21 schließt jetzt die elektronische Kette. Sie ist Nachfolgerin des Ursprungmodells D-20 von 2004. Die Kamera sendet nicht nur ein Videosignal. Die Rohdaten des Bildsensors lassen sich vielmehr in voller Auflösung direkt für die digitale Nachbearbeitung nutzen. Der 35-Millimeter-Chip hat das gleiche Format, in dem heute die allermeisten Kinofilme gedreht werden. „Die Kameraleute können genauso drehen, wie sie es von der Analogtechnik gewöhnt sind“, erläutert Ilic. Zudem verbessern neue Auswertealgorithmen die Bildqualität. So werden Aufnahmen selbst bei extrem schlechtem Licht scharf. Eine spezielle Software eliminiert fehlerhafte Bildpunkte. „Damit setzen wir neue Maßstäbe“, versichert Ilic.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%