Kino.to-Razzia: "Schockwelle in der Szene"

Kino.to-Razzia: "Schockwelle in der Szene"

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Matthias Leonardy, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen

von Thomas Stölzel

Der Chef der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen über den Schlag gegen die Piratenseite Kino.to, die Folgen für die Nutzer und andere Raubkopierer-Portale.

WirtschaftsWoche: Am Mittwoch gab es eine Großrazzia gegen das Raubkopierer-Portal Kino.to. Inwieweit waren Sie darin involviert?

Leonardy: Wir ermitteln seit 2008 gegen Kino.to und die Hintermänner, lange Zeit aber leider ohne Erfolg. Zu diesen Ermittlungen gehört auch, dass wir allen Hinweisen aus der Szene nachgehen. Zuletzt bekamen wir nun unter anderem handfeste Informationen von Szene-Aussteigern. Daraufhin stellten wir am 28. April Strafanzeige bei der Generalstaatsanwaltschaft Dresden, deren Ermittlungen nun erfreulich schnell zu Ergebnissen führten.

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Wer sind die Leute hinter Kino.to?

Um das vollständig beantworten zu können, müssen wir erst mal die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft abwarten. Unseren Informationen zufolge haben wir hier aber die Köpfe des Ringes erwischt, also die, die diese Seite konzipiert, aufgebaut und mit bezahlten Zuarbeitern betrieben haben. Sie haben das Portal und die dazugehörigen Streaming-Seiten, auf denen die Filme gespeichert waren, auf jeden Fall gewerblich betrieben und hohe Millionensummen verdient.

Vier Millionen Menschen nutzten das Portal täglich. Wie wirkt sich der Schlag auf legale Videoseiten und Kinos aus?

Kino.to war als Markenführer so etwas wie die Coca-Cola unter den deutschsprachigen Raubkopier-Portalen. Keine andere Seite ist so bekannt. Natürlich hoffen wir, dass die Nachfrage nach legalen Angebote jetzt stark beflügelt wird. Aber uns ist klar, dass sich nicht jeder Ex-Kino.to-Nutzer bei Maxdome und Videoload anmeldet oder ins Kino gehen wird. Doch wird der Hinweis, den die Polizei auf die beschlagnahmte Web-Site gestellt hat, einigen noch mal klarmachen, dass dieses Angebot illegal und die Nutzung mit dem Risiko der juristischen Verfolgung verbunden ist. Einige Verunsicherte haben uns schon angerufen und gefragt, ob sie mit Strafverfolgung rechnen müssen.

Müssen sie das?

Das entscheidet die Generalstaatsanwaltschaft. Uns geht es um die, die die Seite betreiben und Filme ins Internet einstellen. Die Besucher stehen für uns nicht im Fokus solcher Ermittlungen.

Kino.to ist nicht die einzige Seite dieser Art im Web. Wie viele illegale deutschsprachige Filmportale gibt es noch?

Wir sehen in Deutschland 18 weitere relevante Seiten, aber keine annähernd so bedeutend wie Kino.to.

Für wie lange wird sich die Raubkopier-Szene zurückdrängen lassen?

Das kann man nicht abschließend sagen. Wir erwarten, dass die Schockwelle in der Szene größer sein wird. Schließlich gehen die Behörden nicht nur gegen die Betreiber der Kino.to-Seite selbst vor, sondern auch gegen viele damit verbundene Personen in Spanien, Frankreich und den Niederlanden.

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