Klimaschutz: Klimaforscher warnt vor Verflechtung von Wissenschaft und Politik

Klimaschutz: Klimaforscher warnt vor Verflechtung von Wissenschaft und Politik

von Sebastian Matthes und Dieter Dürand

Der deutsche Klimaforscher Hans von Storch warnt vor einer zu engen Verflechtung von Wissenschaft und Politik und kritisiert die Zusammenarbeit der Bundesregierung mit dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

So führt von Storch, der das Helmholtz-Institut für Küstenforschung in Geesthacht nahe Hamburg leitet, den Glaubwürdigkeitsverlust des Weltklimarates IPCC auch auf ein falsches Selbstverständnis einiger Kollegen zurück. „Forscher sollten nicht emotional mit ihrem Thema umgehen, sondern Distanz halten. Und auf gar keinen Fall sollten sie neben Wissenschaft Politik als Nebengeschäft machen wollen. Ihre Aufgabe ist es, wichtige Erkenntnisse zu liefern, die angemessenen Schlüsse daraus müssen Politik und Öffentlichkeit ziehen“, sagte er im Gespräch mit der WirtschaftsWoche.

Kritisch sieht von Storch in Deutschland, dass im wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung für die globale Umweltentwicklung einzig zwei Klimaforscher des PIK sitzen, „die im Wesentlichen das Gleiche sagen“. Von Storch: „Ich würde schon empfehlen, die ganze Breite des Wissens einzusammeln, und sich auf dieser Grundlage eine Meinung zu bilden. Sonst wird das Gremium zu einer Art Hilfstruppe für die Politik.“ Vor allem PIK-Chef Hans Joachim Schellnhuber mische sich mit konkreten politischen Forderungen in die Tagespolitik ein. „Die Bundesregierung sollte sich meines Erachtens schon überlegen, ob diese Art der Einmischung das ist, wofür sie die Wissenschaft bezahlt“, so von Storch gegenüber der WirtschaftsWoche.

Anzeige

Für das IPCC fordert von Storch einen „Neuanfang“. Dazu gehöre die Berufung „neuer unbelasteter Leitautoren“ für die Klimaberichte ebenso wie „die Durchsetzung verbindlicher Regeln für die Nutzung von Quellen auch in der Arbeitsgruppe, die sich um die Folgen des Klimawandels kümmert“. Dass der Weltklimarat es schafft, sich aus eigener Kraft zu reformieren, glaubt von Storch nicht: „Da werden die Regierungen und die Vereinten Nationen schon nachhelfen müssen.“ Auf jeden Fall aber müsse der Vorsitzende des Klimarats Rajendra Pachauri zurücktreten. Ihm wird vorgeworfen, unhaltbare Prognosen des Rates zugelassen zu haben, die die Klimafolgen überdramatisieren. Von Storch: „Dass er die Vorwürfe zunächst arrogant abgebügelt hat, ohne sie vorher zu prüfen, hat die Angelegenheit noch schlimmer gemacht.“

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%