
Trotz höherer Herstellkosten (die Mineralölkonzerne kaufen Dieselkraftstoff derzeit etwa sechs Cent teurer ein als Ottokraftstoff), ist dieser Sprit dadurch deutlich preiswerter als Superbenzin. Noch günstiger jedoch fährt, wer alternativ Autogas tankt: 66 Eurocent. Auto- oder Flüssiggas führte in Deutschland lange ein Schattendasein. Die wenigen Zapfsäulen mit der Aufschrift Autogas oder LPG (Liquified Petrol Gas) wurden in erster Linie von Touristen aus Holland oder Polen angesteuert. Das hat sich dramatisch geändert. Allein 2006 wuchs der Bestand der (meist umgerüsteten) LPG-Autos in Deutschland auf 98.000 Fahrzeuge. Zwei Jahre zuvor lag sie noch bei 13.000. Erdgas, lange ein vernachlässigtes Abfallprodukt der Ölindustrie, entwickelt sich zunehmend zum Energie-Star. Längst dient es nicht mehr nur zum Heizen von Wohnhäusern, sondern auch zum Antrieb von Fahrzeugen im Straßenverkehr. Der Trend ist auch ablesbar an der Entwicklung des Tankstellennetzes. Lag die Zahl vor knapp drei Jahren noch unter 500 Stationen, so finden Besitzer von Autogasfahrzeugen inzwischen mit mehr als 3100 Tankstellen eine gute Versorgung vor. Autogas ist ein flüssiges Gemisch aus Propan und Butan und verbrennt mit 80 Prozent weniger Schadstoffen als Benzin. Wegen des geringeren Energiegehalts ergibt sich zwar ein höherer Verbrauch von rund 20 Prozent. Optimal im Auto ist eine Mischung, die sich je zur Hälfte aus Propan und Butan zusammensetzt . „Wer LPG mit 95 Prozent Propan tankt, das an manchen Tankstellen abgefüllt wird, handelt sich einen Mehrverbrauch von 30 oder gar 40 Prozent ein, der den wirtschaftlichen Vorteil zunichte macht“, warnt der Gasnachrüster Gandolf Seeliger vom Zentrum für alternative Kraftstoffe in Edingen-Neckarhausen bei Mannheim. Die Nachfrage nach Autos, die mit Erdgas in flüssigem oder gasförmigem Zustand betankt werden können, ist rege. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland mit kräftiger Förderung der Energieversorger rund 11.000 Erdgasautos zugelassen, rund 40 Prozent mehr als 2006. Insgesamt sind auf deutschen Straßen derzeit rund 54 000 Erdgas-Fahrzeuge unterwegs, Pkws, aber auch Kleintransporter. Viele der Fahrzeuge haben zwei Tanks an Bord – einen für Erdgas, den anderen für Benzin. Denn Zapfsäulen für Compressed Natural Gas (CNG), also verdichtetes Erdgas, finden sich nicht an jeder Straßenecke. Der Ausbau des Tankstellennetzes ist ein wenig ins Stocken geraten. Vor zwei Jahren hatte der Bundesverband der Deutschen Gas- und Wasserwirtschaft als Ziel verkündet, bis Ende 2007 an über 1000 Markentankstellen CNG anzubieten. Tatsächlich sind es bis heute jedoch erst 760 Anlagen.
Beim Kauf eines neuen Fahrzeugs mit Erdgasantrieb ist derzeit ein Mehrpreis von 2000 bis 4000 Euro im Vergleich zum gleichen Modell mit reinem Benzinantrieb einzuplanen. Ein wenig kompensiert wird der Aufpreis durch deutlich niedrigere Tankkosten: Für ein Kilogramm Gas (CNG wird in Kilo angegeben) sind aktuell rund 90 Cent fällig. Weil ein Kilo Gas dem Energiegehalt von etwa 1,5 Liter Benzin entspricht, sind die Kraftstoffkosten unterm Strich etwa halb so hoch wie die eines Benziners. Dennoch müssen in der Regel bis zu 50.000 Kilometer im Jahr mit Gas gefahren werden, ehe sich die Mehrkosten amortisieren. Fördermittel, die viele lokale Gasversorger an die Käufer von CNG-Autos zahlen, können die Amortisationszeit stark verkürzen. Die klassischen Gasversorger reiben sich zufrieden die Hände. Die Mineralölgesellschaft lässt die Konkurrenz, die ihnen da erwächst, nicht ruhen: Mit Milliardenaufwand bauen sie derzeit in Asien und im Nahen Osten GTL-Raffinerien auf, in denen Erdgas für die Verschiffung in die Industrienationen in Flüssiggas (LNG) umgewandelt wird. GTL steht für „Gas-to-liquid“ und für ein Verfahren, das schon in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts in Deutschland erfunden wurde: die Fischer-Tropsch-Synthese, mit der sich aus Erdgas, aber auch aus Kohle und Biomasse, verflüssigte Kohlenwasserstoffe herstellen lassen. Ob Shell, ExxonMobil oder SaSol: Alle großen Mineralölkonzerne errichten derzeit große GTL-Anlagen, vorzugsweise in Katar mit dem größten Erdgasfeld dieser Erde, dem North Field. Bis 2015 sollen hier Produktionskapazitäten von knapp 30 Millionen Tonnen pro Jahr entstehen.











