Klingeltöne: Walzer am Ohr

Klingeltöne: Walzer am Ohr

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Beethovens Neunte: Auch als Klingelton erfolgreich

An den Klingeltönen scheiden sich die Geister.

Francisco Tárrega sagt Ihnen nichts? Sein Walzer Gran Vals noch weniger? Dabei ist der spanische Komponist des späten 19. Jahrhunderts einer der meistgespielten Musiker weltweit – zumindest die Takte 13 bis 17 des besagten Walzers. Die nämlich wählte der Mobilfunkriese Nokia einst zum Standard-Klingelton seiner Telefone. Seither dudeln Milliarden von Handys die markante Tonfolge als Klingelton in die Welt. Was die einen als fortdauernd-unerbittlichen Angriff auf ihre Gehörnerven empfinden, ist für die anderen musikalisch-kompakter Ausdruck ihrer Persönlichkeit. Marktforscher haben vier Typen identifiziert, die sich anhand der Klingeltöne klassifizieren lassen.

Die Dominanten: Sie sind wichtig! Und sie wollen es zeigen. Mit protzigen Telefonen und noch viel auffälligeren Klingeltönen – ob Rocky-Klassiker „Eye of the Tiger“ oder „Beethovens Neunte“. Und gerne lassen sie diese laut erschallen, sei es in der Hotel-Lounge oder im ICE. Dass ihr Telefon auch über einen Vibrationsalarm verfügt, interessiert die Dominanten nicht.

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Die Inspirierten: Auch diese Zeitgenossen legen Wert auf Profilierung, doch dosiert. Sie wollen Akzente setzen, ein Schmunzeln auslösen: Hört, ich habe Geschmack, bin kultiviert und gewitzt. Mal sind es Jazz-Variationen, mal der Balzlaut des Ochsenfrosches, mal der (nur noch Eingeweihten vertraute) Ton der Hebdreh-Wähler analoger Telefonvermittlungen, die ein eingehendes Gespräch ankündigen – und ihrer Umgebung zumindest ein Lächeln abnötigen.

Die Trendigen: Ob Hip-Hop oder House, für sie ist die Handy-Melodie Ausdruck der Zugehörigkeit zur angesagten Gruppe. Was da aus der Tasche groovt, ist cool. Die Tonfolgen wechseln synchron mit den Top Ten der Hitparade. Was angesagt ist, wird digitalisiert und per E-Mail oder mobilem Internet in der Peergroup ausgetauscht. Schließlich definieren die Beats den Code, der die Angehörigen, dieser vorwiegend jüngeren Nutzergruppe von den Ignoranten und technologisch Unbeleckten abgrenzt.

Die Ignoranten: Ja, sie wissen, wie sie das Adressbuch ihres Handys öffnen können. Zur Not tun sie das auch. Aber die Mühe, den ab Werk voreingestellten Klingelton zu verändern, machen sie sich nicht. Da sind sie leidenschaftslos – oder schlicht technisch überfordert. Ein Makel ist das für sie nicht, solange das Telefon funktioniert. Und Tárregas Walzer klingt ja nicht schlecht.

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