Klon-Fleisch: Kontroverser Kompromiss in der EU über Klon-Fleisch

Klon-Fleisch: Kontroverser Kompromiss in der EU über Klon-Fleisch

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Ein EU-Zulassungsverfahren für das Fleisch von Nachkommen geklonter Tiere wird eingeführt

Die EU-Landwirtschaftsminister wollen ein Zulassungsverfahren für das Fleisch von Nachkommen geklonter Tiere einführen. Wirtschaftlich rentabel ist das Klonen fürs Schnitzel oder die Grillwurst nicht – im Gegenteil.

Gestern haben sich die EU-Wirtschaftsminister auf ein Zulassungsverfahren für das Fleisch von Nachkommen geklonter Tiere geeinigt. Bislang war eine Genehmigung nur für das Fleisch geklonter Tiere erforderlich, nicht aber für deren Nachkommen, die wurden wie normales Schlachtvieh behandelt.

Für den Verzehr als Koteletts oder Grillwürstchen wird aber in der Praxis ohnehin nicht geklont. Der einfache Grund, es ist wirtschaftlich unrentabel: „Ein geklontes Tier würde zur Zeit das 50-fache eines nicht geklonten Tieres kosten“, sagte der Agrarstaatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Gert Lindemann.

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Zuchttier-Klone sind rentabel

Wirtschaftlich interessant hingegen ist das Klonen von leistungsstarken Zuchttieren zur Produktion von Nachkommen. Der Wissenschaftler und Veterinär Michael Hölker steht in den Startlöchern. Bereits im Februar dieses Jahres sagte er der WirtschaftsWoche, in seinen Eisschränken lagerten Klon-Embryos von Top-Bullen verschiedener Züchter. Sobald die rechtliche Situation geklärt sei, wolle er mit dem Klonen beginnen.

Doch vor den Verkauf der Klon-Kälbchen wollen die EU-Landwirtschaftsminister die Genehmigung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stellen. Die EFSA hat allerdings bereits im vergangenen Jahr erklärt, das Fleisch von geklonten Tieren und deren Nachkommen sei gesundheitlich unbedenklich.

Mehrere EU-Abgeordnete kritisierten den von den Landwirtschaftsministern geschlossenen Kompromiss deswegen als reine Augenwischerei und kündigten Widerstand gegen das Zulassungsverfahren an. Es werde „Klon-Fleisch Tür und Tor öffnen“, warnte der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling. Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat sich trotz der Entscheidung auf EU-Ebene gegen Klonfleisch in Deutschland ausgesprochen.

Ein klares Verbot von Klon-Fleisch sei derzeit in der EU nicht durchzusetzen, bedauerte Aigner. Sie sehe den Einsatz des Klonens in der Lebensmittelproduktion äußerst kritisch, sagte die CSU-Politikerin. Gemeinsam mit 23 ihrer 26 Kollegen rief Aigner die EU-Kommission deshalb auf, auf die ethischen Bedenken gegen die umstrittenen Fleischprodukte einzugehen. Großbritannien, Ungarn und Griechenland wollten diese Forderung nicht mittragen. Als Übergangslösung brauche man nun wenigstens ein „geregeltes Verfahren, wie diese Lebensmittel in den Markt kommen“, erklärte Aigner. Deshalb habe sie sich für die Einführung eines Zulassungsverfahrens ausgesprochen.

Ethische Aspekte berücksichtigen

Was in der EU mehrheitlich auf Ablehnung stößt, ist in den USA bereits seit vier Monaten erlaubt. Für die Nachkommen geklonter Zuchttiere ist der Weg in die Kühltruhen der Supermärkte frei.

In Deutschland regt sich zudem Kritik an der rein wissenschaftlichen Betrachtung der Klon-Problematik. Der CDU-Parlamentarier Peter Liese etwa forderte: „Die Europäische Kommission muss dringend einen geeigneten Vorschlag vorlegen, der nicht nur die Lebensmittelsicherheit, sondern auch die ethischen Aspekte umfasst.“ In einem Interview mit der WirtschaftsWoche Anfang dieses Jahres sagte er zudem, er halte das Klonen von Tieren vor allen Dingen für Tierquälerei.

Martin Rücker, Sprecher der Verbraucherorganisation Foodwatch sagte, entscheidend sei die Wahlfreiheit der Kunden. „Daher gilt: Es muss eine klare Kennzeichnung geben – wo Klon-Fleisch drin ist, muss auch Klon-Fleisch drauf stehen.“ Hier ergibt sich jedoch die Problematik der Überprüfbarkeit, denn das Erbgut von Klon-Fleisch ist nicht verändert und unterscheidet sich daher nicht von dem „herkömmlich“ gezüchteter Tiere.

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