Kommentar: Facebook überrollt seine Nutzer

Kommentar: Facebook überrollt seine Nutzer

, aktualisiert 08. Dezember 2011, 13:48 Uhr
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Facebook führt immer noch hastig Neuerungen ein. Viele Nutzer sehnen sich nach Verlässlichkeit.

von Stephan DörnerQuelle:Handelsblatt Online

Facebook rast von einer Neuerung zur nächsten – und eilt dabei den Nutzern davon. Viele fühlen sich überfordert, Nachrichten gehen unter, der Frust steigt. Das soziale Netz sollte sich auf seine alten Stärken besinnen.

DüsseldorfFacebook war einmal ein genial einfaches Konzept. Weil es dieses genial einfache Konzept besser umsetzte als andere und weil es zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, wurde es groß und erscheint inzwischen unschlagbar. Wer will schon zu einem anderen sozialen Netzwerk, als dem, auf dem alle sind?

Dennoch wirkt das Unternehmen gehetzt. Getrieben von vielleicht überzogenen Erwartungen der Investoren eilt der Internet-Star von einer hastigen Änderung zur anderen – und überfordert dabei die Nutzer. Nichts ist mehr da, wo es die Facebook-User gewohnt sind.

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Erst wurde die Timeline geteilt, dann wieder zusammengeführt. Links lassen sich nun nicht mehr über ein eigene Feld eintragen – außer man besitzt eine Fanpage. Auch auf Google+ reagierte Facebook panisch, indem es Konzepte der Google-Konkurrenz hastig aufnahm, ohne das bestehende komplett abzuschaffen.

Hilflose Status-Meldungen häufen sich, der Tenor: Facebook überfordert - eine entsprechende Facebook-Gruppe mit diesem Namen gibt es auch schon. Schlimmer für das soziale Netzwerk: Andere verstummen einfach. Wie viele das sind, ist unklar – denn offizielle Statistiken darüber, wie viele der angemeldeten Nutzer auch aktiv sind, veröffentlicht Facebook nicht.


Bevormundung der Nutzer

Auch die Bevormundung stieß den Usern sauer auf. Facebook nimmt sich seit einiger Zeit heraus, selbst zu bestimmen, was für den Nutzer wichtig sein könnte. „Hauptnachrichten“ hieß das zuerst, inzwischen werden sie „Hervorgehobene Meldungen“ genannt – und sind ungefragt der Standard.

„Das Foto einer Mülltonne ist also das, was Facebook für relevant hält“, zeigt sich beispielsweise  Max Winde vom Podcast „Mobile Macs“ überrascht. Ganz so gut wie viele befürchten, kennt Facebook seine Nutzer also offenbar doch nicht. Zumindest scheint der Computeralgorithmus nicht zu wissen, was die Nutzer wirklich interessiert.

Offenbar hat Facebook inzwischen bemerkt, dass viele Nutzer überfordert sind. Die noch im September mit großem Pomp angekündigte neue Timeline ließ lange auf sich warten. Nun soll sie eingeführt werden – testweise erst einmal in Neuseeland. Ein kleineres Land zum Start des Rollouts hätte sich Facebook kaum aussuchen können.

Facebooks Allmachtsanspruch

Zeitgleich demonstriert Facebook mit der neuen Abonnieren-Funktion seinen Allmachtsanspruch: Am besten der Nutzer verlässt das Portal gar nicht mehr und nutzt Facebook auch noch als Nachrichten-Feed. Auch E-Mails lassen sich schon in Facebook integrieren. So soll die Zeit, die die Nutzer auf der Plattform verbringen, immer weiter ausgedehnt werden - und Facebook der zentrale digitale Anlaufpunkt für den Nutzer werden.

Damit aber überfrachtet Facebook das Konzept des sozialen Netzwerks. Schon jetzt gehen die Nachrichten von Freunden bei vielen Nutzern unter, weil viele der Fanpages die Nutzer mit Meldungen überfluten. Facebook sollte sich auf seine alte Stärke besinnen: Menschen zusammenzubringen und auf dem Laufenden zu halten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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