Kommunikation: Wenn die Fräsanlage zweimal klingelt

Kommunikation: Wenn die Fräsanlage zweimal klingelt

von Thomas Kuhn

In Zukunft telefonieren nicht mehr nur Menschen miteinander, sondern auch Maschinen mit anderen Maschinen.

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Maschinen stehen in Zukunft ständig in Kontakt

Eigentlich müssten Deutschlands Mobilfunkanbieter in heller Aufregung sein. Der Markt ist gesättigt. Es gibt mehr Handys als Einwohner. Viele tragen sogar zwei Geräte mit sich herum. Doch das lässt Telekom, Vodafone und Co. ungerührt. Denn der Zukunftsmarkt der Handybranche kommt ohne Menschen aus. Künftig sollen auch Maschinen miteinander telefonieren.

Sensoren an Pipelines funken bei Druckabfall Warnmeldungen an die Kontrollstellen der Öl- und Gaskonzerne, Fräsanlagen in Fabriken kontrollieren sich selbst und senden Messdaten oder Störungsmeldungen an Wartungsdienstleister, und Getränkeautomaten melden dem Lieferanten, dass das Bier ausverkauft ist. Selbst geschlagene Edelhölzer, die im Wald zum Trocknen liegen, melden sich via Mobilfunk, wenn sie ohne Erlaubnis bewegt werden. Versuchen Holzdiebe einen Stamm abzutransportieren, alarmiert ein Funkchip per SMS den Förster.

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Dramatisch wachsende Netzkapazitäten machens möglich

Das Schlagwort, das die Branche umtreibt, heißt „Machine-to-Machine-Communication“, kurz M2M – und verspricht explosionsartiges Wachstum: „2020 haben wir rund 50 Milliarden vernetzte Geräte“, erwartet Hans Vestberg, Vorstandschef beim schwedischen Netzausrüster Ericsson. 2009 zählten die Marktforscher von Gartner weltweit nur 50 Millionen mobilfunkvernetzte Maschinen – halb so viele, wie es Handys in Deutschland gibt.

Nun aber passt die komplette Handyelektronik auf einen halben Fingernagel, sorgen dramatisch wachsende Netzkapazitäten – etwa durch den neuen Mobilfunkstandard LTE sowie fallende Übertragungskosten für Wachstum. Je nach Studie soll das M2M-Geschäftsvolumen künftig zwischen 20 und 40 Prozent im Jahr zulegen.

Für Jan Geldmacher, den Chef von Vodafones Geschäftskundensparte, kommt das wie gerufen: „Bei Firmenkunden wird der Anteil der Datenkommunikation am Gesamtumsatz bis 2015 von jetzt 30 Prozent auf 50 Prozent steigen. Das kompensiert die Rückgänge bei Mobilfunk- und Festnetztelefonaten nachhaltig.“ Auch Telekom, E-Plus und O2 haben spezialisierte M2M-Abteilungen gegründet.

Fahrstuhl am Telefon

Denn die Einsatzfelder der Funkmodule sind grenzenlos. So hat die Telekom bereits demonstriert, wie sich bei Risikoschwangerschaften Herztöne von Ungeborenen automatisch überwachen lassen. Der Elektronikkonzern Bosch vernetzt Fahr-stühle, die im Störungsfall via Mobilfunk den Wartungsdienst alarmieren. Und der bayrische Mobilitätsspezialist Mecomo hat ein Ortungsmodul mit Solarmodul entwickelt. Das liefert die Energie, um per GPS die Position von Containern zu erfassen und deren Ort und Transportzustand an die Logistikzentrale funken zu können.

Doch auch ganz normale Menschen sollen von den funkenden Maschinen bald profitieren: Ab 2012, plant die EU-Kommission, sollen Neuwagen mit M2M-Modulen ausgerüstet werden, die beim Auslösen eines Airbags automatisch einen Notruf absetzen. Das soll durch die schnellere Rettung pro Jahr bis zu 2500 Leben retten.

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