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Kritik an Energiekonzernen: Überhöhte Strom- und Gaspreise erregen Politiker

Quelle: Handelsblatt Online

Die Öl- und Gaspreise sind auf dem Rückzug. Doch bei den Verbrauchern kommt das nur begrenzt in Form von Preissenkungen an. Politiker werfen den Energiekonzernen vor, die Preisrückgänge zu spät und in zu geringem Umfang weiterzugeben. Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg droht den Únternehmen mit dem Kartellamt und neuen Gesetzen.

Der Blick auf den Stromzähler ist für Verbraucher nach wie vor ärgerlich. Die rückläufigen Öl- und Gaspreise geben die Konzerne nur zögerlich an ihre Kunden weiter. Quelle: ap Quelle: handelsblatt.com
Der Blick auf den Stromzähler ist für Verbraucher nach wie vor ärgerlich. Die rückläufigen Öl- und Gaspreise geben die Konzerne nur zögerlich an ihre Kunden weiter. Quelle: ap Quelle: handelsblatt.com

HB BERLIN. Die Gas- und Strompreise bleiben trotz erster Abschläge für die Endverbraucher nach Expertenansicht viel zu hoch. So geben die Gasversorger die möglichen - an den Ölpreis gekoppelten - Preissenkungen im Schnitt nur zur Hälfte an die etwa 40 Mio. Haushaltskunden weiter, heißt es in einer Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion. Bei 20 000 Kilowattstunden Verbrauch würden sie so einschließlich Mehrwertsteuer mit 178,50 Euro in 2009 mehr belastet. Die Gasversorger kassierten so ungerechtfertigt 1,6 Mrd. Euro. Laut Verbraucher-Internetdienst toptarif.de kommen 540 Mio. hinzu, weil die meisten der 750 Gasversorger die Preise erst im April und nicht schon im Februar gesenkt hätten. Damit steckten sich die Unternehmen gut 2,1 Mrd. Euro ein.

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Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), CDU - Generalsekretär Ronald Pofalla, Grünen-Vizevorsitzende Bärbel Höhn und der Deutsche Mieterbund forderten die volle Weitergabe der gesunkenen Ölpreise auf die Gaspreise. "Bereits im Herbst 2008 wurde dies nach Gesprächen mit der Gaswirtschaft angemahnt", erklärte zu Guttenberg. "Bei Preismissbrauch sind die Kartellbehörden vor allem der Länder gefordert einzuschreiten." Die Verbraucher sollten Möglichkeiten nutzen, den Anbieter zu wechseln. Das Ministerium arbeitet an Änderungen zur Erleichterung des Gas-Netzzugangs.

Grüne und Mieterbund (DMB) kritisierten die Gaspreissenkungen auch als zu spät. "Der Verbraucher wird abgezockt", sagte Höhn. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sprach dagegen von teilweise mehrfachen Preissenkungen "mitten in der Heizperiode".

In der Studie, die der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegt, stellten der Energieexperten Gunnar Harms (Köln) und Uwe Leprich (Saarbrücken) dagegen fest, die untersuchten Gasversorger hätten für das zweite Quartal 2009 Preissenkungen von nur etwa zwölf Prozent angekündigt. Nach der Entwicklung der Ölpreise wäre jedoch eine Preisermäßigung von 24 Prozent angemessen. "Damit erzielen die Gasversorger (...) ungerechtfertigte Mehrerlöse von mehreren 100 Mio. Euro allein im 1. Halbjahr." In der Studie wurden fünf Großversorger unter die Lupe genommen - darunter die Berliner Gasag, der Oldenburger Energiekonzern EWE, die Helmstedter E.ON-Tochter Avacon, die Rheinenergie Köln und die Münchner Erdgas Südbayern. Die GASAG wies die Vorwürfe am Mittwoch zurück. Die Studie unterschlage eine bereits angekündigte dritte Preissenkung noch in diesem Jahr.

Die Gaspreise sind üblicherweise an die Entwicklung der Ölpreise gekoppelt. Diese Anbindung funktioniere aber scheinbar nur bei steigenden Preisen, kritisierte Mieterbund-Sprecher Ulrich Ropertz. Der Ölpreis sei derzeit nur halb so hoch wie noch im Oktober 2008, sagte er der dpa. "Deshalb müssen die Preise weiter runter. Im übrigen kommen die Senkungen zu spät", wie der Internet-Dienst Check24.de ausweise.

Danach haben im ersten Quartal nur 397 Gasversorger - einige zweimal - die Preise gesenkt: im Januar 207 Unternehmen um im Schnitt 5,3 Prozent, im Februar 108 um 5,7 Prozent und Anfang März 82 um 10,8 Prozent. Mit 466 Versorgern seien die meisten erst zum 1. April gefolgt: mit Preisabschlägen von im Schnitt 13,4 Prozent. "Da war aber schon der Winter vorbei. Das kostet die Unternehmen nichts", betonte Ropertz. Ein Sprecher von Toptarif.de forderte die Verbraucher erneut auf, von ihrer "Marktmacht" Gebrauch zu machen und teure Anbieter zu wechseln. Damit ließen sich bis 400 Euro einsparen.

Beim Strom können die Verbraucher einer Branchenumfrage zufolge in diesem Jahr kaum mit niedrigeren Preisen rechnen. Fast 60 Prozent der befragten Unternehmen rechneten mit stabilen Stromtarifen und ein Drittel erwarte sogar steigende Preise, ermittelte die Personalberatung Russell Reynolds Associates in Zusammenarbeit mit der "Financial Times Deutschland" (FTD) (Mittwochausgabe). Nur ein Bruchteil lasse Preissenkungen erwarten. Gesunkenen Kosten der zur Stromproduktion wichtigen Rohstoffe würden nicht an private Verbraucher weitergereicht. Grund dafür sei nach Branchenangaben die verzögerte Weitergabe der hohen Großhandelspreise an der Leipziger Strombörse von Mitte 2008. Viele Stadtwerke hätten sich ausgerechnet zu solchen Spitzenpreisen langfristig eingedeckt.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 17.04.2009, 12:14 UhrAnonymer Benutzer: D.szelinski

    Von einer Renaisaince zu sprechen ist doch eine von Unwissen gestützte Aussage. in den Ländern in denen die Finanzierung Verstaatlicht wird und den Unternehmen eine Privatisierung der Gewinne zusichert wird, ist es durchaus denkbar, dass private Stromkonzerne, AKW´s bauen werden. Ansonsten ist die Atomenergie die teuerste die man haben kann, dass haben längst die Stromkonzerne erkannt. Deshalb sind die Stromkonzerne ja gar für Neubau, sondern für die Verlängerung der Laufzeiten.
    Die Wiwo wird wohl von der Atomlobby bezahlt. Ansonsten ist nicht zu erklären wie man zu der behauptung kommen kann, Atomstrom habe einen geringen CO-2 Anteil.
    Uran, wird mit imensen CO-2 Aufwand abgebaut, veredelt und transportiert. (Uran wägst leider nicht in Deutschland auf den bäumen). Dann muss es vor vielen Gefahren 20.000 Jahre sicher gelagert werden.
    Frischen Sie doch bitte ihren Kenntnisstand aus den achtziger Jahren auf. Eine Literaturaufstellung lasse ich ihnen gern zukommen. Das bedeutet allerdings richtig arbeiten und nicht abtippen.

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