Kryokonservierung: Eisgekühlte Hoffnung

Kryokonservierung: Eisgekühlte Hoffnung

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Mutter mit Kind (c) dpa - Bildfunk

von Susanne Kutter

Nach überstandener Krebserkrankung können Frauen mit Hilfe der Kryokonservierung Kinder bekommen.

Als Merrit Schöne von ihrem Brustkrebs erfuhr, war sie 31 Jahre alt. Doch die Prognose war gut und die Journalistin aus Köln (*) überwand den Schock. Sie freute sich auf das Leben nach der Chemotherapie. Kurz vor der Behandlung fragte sie ihre Ärztin, ob sie danach sofort wieder mit der Pille anfangen könne. „Die schaute mich groß an und erklärte mir, dass das Thema Kinderkriegen für mich vermutlich abgehakt sei", erinnert sich Schöne. Denn die Zellgifte, die den Tumorzellen den gar aus machen, ruinieren meist auch die noch unreifen Eizellen in den Eierstöcken der Frauen.

Schöne war am Boden zerstört: „Mindestens zehn mal erinnerte mich die Ärztin daran, dass ich wegen der ausfallenden Haare an eine Perücke denken soll, aber dass ich meine Familienplanung dran geben muss, das hatte sie mir nicht gesagt."

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Dabei hätte die junge Frau mit etwas mehr zeitlichem Vorlauf ihre Fruchtbarkeit nicht verlieren müssen und durchaus nach überstandener Krebstherapie Mutter werden können: Seit Jahren erproben Fruchtbarkeitsmediziner das Einfrieren von befruchteten oder unbefruchteten Eizellen sowie Eierstockgewebe mit tausenden von noch unreifen Eizellen ganz gezielt bei Frauen, die an Krebs leiden – mit wachsendem Erfolg.

Glück im Unglück

So hatte Anna Kern aus Düsseldorf Glück im Unglück, denn ihre Krebsärzte schickten sie sofort zu Jan-Steffen Krüssel, dem Koordinator des Kinderwunschzentrums des Universitätsklinikums Düsseldorf und Mitgründer der Initiative „FertiProtekt". „Er schlug mir eine künstliche Befruchtung vor", erinnert sich die heute 35-jährige Beraterin. Der Grund: „Bisher lassen sich befruchtete Eizellen am besten einfrieren und vor allem auch heil wieder auftauen", sagt Krüssel, der auch Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin ist: „Die Bildung von Eiskristallen ist dabei das größte Risiko für die recht großen Eizellen."

Bei Anna Kern gelang die Prozedur: Sie ließ sich mit Hormonen stimulieren, so dass acht Eizellen reiften. Die wurden im Labor befruchtet und im so genannten Vorkernstadium, bevor die Kerne von Ei- und Samenzellen verschmelzen und einen in Deutschland vor Tiefkühllagerung geschützten Embryo bilden, eingefroren. Es war wie eine Versicherung für die Zukunft, schildert Kern ihre Emotionen: „Die Hoffnung auf eine ganz normale Zukunft mit Kindern gab mir auch während der Krebstherapie Kraft."

Zu knapp

Ihre Hoffnung wurde nicht enttäuscht. Schon 15 Monate nach der letzten Chemo-Spritze gab ihre Ärztin das Okay: Die Gifte seien nun abgebaut, und die Rückfallrate bei Ihrer Tumorart sei im ersten Jahr am höchsten, danach nur noch sehr gering. Direkt der erste Versuch, bei dem zwei Eizellen eingesetzt wurden, gelang. Anna Kern wurde schwanger und im Sommer Mutter der rundum gesunden Josephine. Damit ist Kern ist die erste Frau in Deutschland, bei der solch eine Behandlung nach überstandenem Krebs gelang. Weltweit sind nur wenige erfolgreiche Fälle publiziert.

Gemessen an der ständig steigenden Zahl von Frauen, die dank neuer und besserer Tumortherapien wieder gesund werden, könnte die Zahl von Schwangerschaften und Geburten hier viel höher sein, ist Krüssel überzeugt: „Bei den allermeisten Krebserkrankungen ist noch genug Zeit für eine Hormonstimulation." Die wenigsten Ärzte denken aber daran, die Patientinnen rechtzeitig über diese Möglichkeit zu informieren. So wie Merrit Schöne. Sie kam erst drei Tage vor der Chemotherapie zu Krüssel. Das war zu knapp.

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