Leica-Chef Rudolf Spiller : "Wir werden den Umstieg schaffen"

Leica-Chef Rudolf Spiller : "Wir werden den Umstieg schaffen"

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Leica setzt auf Digitaltechnik und Vogelfreunde

Der neue Chef des Kamerabauers Leica bereitet eine Produktoffensive vor. Um wieder aus der Verlustzone zu kommen setzt Rudolf Spiller auf Digitaltechnik und Vogelfreunde.

WirtschaftsWoche: Herr Spiller, welche Erfahrungen bringen Sie vom Optikkonzern Carl Zeiss für Leica mit? 

Spiller: Den ersten Kontakt zur Fotografie hatte ich bei Zeiss im Bereich der militärischen Luftaufklärung und Luftbildmessung. Dort hatten wir 1997 erkannt, dass wir den Umstieg von der analogen zur digitalen Technik verpasst hatten.

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Das erinnert an Leica.

Ja, doch nach 120 Tagen bei Leica bin ich sicher, dass wir den kompletten Umstieg und eine erfolgreiche Neuausrichtung schaffen werden. Im Moment akzeptiere ich, dass uns das der eine oder andere nicht zutraut, weil wir den Beweis nicht geliefert haben. Aber der kommt noch vor Weihnachten.

Wie sieht dieser Beweis aus?

Wir werden neben der Profi-Systemkamera S2, die wir auf der Photokina vorgestellt haben, sieben neue Produkte im Kamerabereich und der Sportoptik einführen. Details zu den Produkten will ich nicht verraten.

Leica ist nicht gerade für Billigkameras bekannt. Was soll denn die S2 kosten?

Wir haben uns auf einen Preis von annähernd 20.000 Euro für das Kameragehäuse festgelegt. Dazu kommen bis zu acht Hochleistungsobjektive.

Leica-Chef Rudolf Spiller

Rudolf Spiller, 54, ist seit April Vorstandschef des Kameraherstellers Leica aus dem hessischen Solms. Zuvor war er bei Carl Zeiss tätig.

Das passt doch nicht in eine Wirtschaftskrise.

Im vergangenen Geschäftsjahr, das im März endete, ging unser Umsatz um 14 Prozent zurück. Der Verlust von 1,3 Millionen Euro vor Steuern und Zinsen gründet auf diesem Rückgang, aber auch auf den erheblichen Investitionen, die wir für neue Produkte tätigen. Wir haben allein 67 Mitarbeiter eingestellt, um unser Produktportfolio zu verjüngen. Bis Ende des laufenden Geschäftsjahres rechnen wir wieder mit schwarzen Zahlen.

Im Februar pumpten Ihr Mehrheitseigner ACM und die Socrates Holding 9,5 Millionen Euro in Leica. Haben Sie Finanzierungsprobleme?

Die Kapitalerhöhung war in der Tat zur Sicherstellung der Liquidität wichtig, denn die Banken arbeiten bekanntermaßen anders als früher. Die hessische Landesregierung hat uns aber bereits ihre Unterstützung zur Prüfung weiterer Finanzierungsmöglichkeiten zugesagt.

Braucht Leica etwa Staatshilfe?

Um unseren Innovationscharakter halten zu können, müssen wir investieren. Das muss aber nicht mit Staatshilfe sein. Im Moment gibt es zahlreiche Produktideen, für die wir zusätzlich 50 Millionen Euro bräuchten, wollten wir alle verwirklichen.

Wollen Sie neue Märkte und Zielgruppen erschließen?

Wir sehen in allen Produktbereichen und Absatzgebieten deutliche Potenziale. So zum Beispiel im Bereich der Digitalprojektoren, vor allem in Nahost. In der Sportoptiksparte hat Leica zuletzt das Produktportfolio vernachlässigt. Das werden wir ändern, denn Vogelbeobachtung als Hobby ist international auf dem Vormarsch und lässt sich gut mit der digitalen Fotografie verbinden.

Sie eröffnen neuerdings auch eigene Läden. Wie viele planen Sie?

Neben den vier bestehenden, werden wir mit unseren Geschäftspartnern bis Jahresende Leica-Stores in München, London und Tokio eröffnen. Weitere Geschäfte sind geplant. Flagshipstores sind für Lifestyleprodukte sehr wichtig. Wir erwarten, dass sich eine solche Investition nach zwei bis zweieinhalb Jahren rechnet. Eine Vorstufe dazu kann auch ein Shop-in-Shop-Konzept sein. In den nächsten zwölf Monaten werden wir da eine Partnerschaft verkünden.

Leica vertreibt seine Produkte vor allem über Fachhändler. Die aber sterben aus.

Ich glaube nicht, dass der Fotofachhandel vollkommen ausstirbt, er wird vielmehr sein Gesicht verändern. Er wird zu einem Dienstleister und damit seinen Servicecharakter herausarbeiten. Außerdem identifizieren wir international weitere Absatzkanäle, die das notwendige emotionale Umfeld zur Marke bieten.

Welche können das sein?

Wir alle sitzen ja mal in einem Flieger und studieren das Onboard-Sortiment der Airline. Oder Firmenkunden: In Japan arbeitet Leica bereits mit Audi zusammen. Dort erhält jeder Kunde, der einen Neuwagen kauft, eine Kompaktkamera dazu.

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