Mangan: Schatz in der Tiefsee

Mangan: Schatz in der Tiefsee

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Lizenzgebiete zur Exploration von Mangan-Knollen (Zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

Auf dem Grund der Ozeane ruht ein riesiger Rohstoffvorrat in Form von Manganknollen. Das Rennen um die Ausbeutung ist eröffnet. Deutschland ist dabei.

Die Forscher der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover haben einen unglücklichen Termin erwischt. Ausgerechnet in einer Zeit, in der die Preise für Buntmetalle sinken, haben sie sich auf eine drei- bis vierwöchige Forschungsreise begeben, um die Versorgung Deutschlands mit ebendiesen Rohstoffen zu sichern. An Bord der „Kilo Moana“, einem gecharterten Forschungsschiff der Universität Hawaii, wollen sie Vorkommen an Manganknollen ergründen, die im Zentralpazifik zwischen Hawaii und dem Äquator in mehr als 5.000 Meter Wassertiefe ruhen. Die kartoffelgroßen Knollen enthalten Nickel, Kobalt, Kupfer – und seltene High-Tech-Elemente wie Molybdän, Tellur und Selen. Im Labor wollen die Forscher die „Trüffel der Tiefsee“ analysieren. Ziel ist es, die Lagerstätten mit dem höchsten Anteil wertvoller Metalle zu finden.

Michael Wiedicke, Meeresgeologe der BGR und wissenschaftlicher Leiter der Knollen-Expedition, steht trotz der fallenden Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt zu dem 1,2 Millionen Euro teuren Projekt, das die BGR komplett aus ihrem Haushalt finanziert. Langfristig würden die Preise wieder steigen, glaubt er, und die Ausbeutung des Rohstoffschatzes sich dann lohnen.

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Wann es Zeit für die Ernte ist, lässt sich derzeit nicht abschätzen. Für alle Fälle jedoch haben neben Deutschland auch Frankreich, Südkorea, Russland, Japan und China von der Internationalen Meeresbehörde der Vereinten Nationen im Seegebiet südwestlich von Hawaii Claims abgesteckt und gegen eine bescheidene Zahlung von 250.000 Euro für die Dauer von 15 Jahren gepachtet. Das deutsche Interessensgebiet ist mit 75.000 Quadratkilometern etwa so groß wie Bayern. Parallel zur Erkundung der ertragreichsten Lagerstätten entwickeln die Forscher der BGR Techniken, um die Förderkosten zu senken und die Schäden am Meeresboden möglichst klein zu halten. Die USA nehmen ebenfalls an dem Wettlauf teil. Ganz Supermacht stecken sie ihre Claims allerdings nach eigenem Gutdünken ab und verzichten auf den Eintrag bei der Meeresbehörde.

Warten lohnt nicht

Die BGR schätzt, dass es weltweit eine Milliarde Tonnen Manganknollen gibt, in denen 24 Millionen Tonnen Buntmetalle stecken. Deren Wert liegt nach heutigen Preisen im dreistelligen Milliarden-Euro-Bereich. Unabhängig vom Zeitpunkt der Nutzung hält Wiedicke die Expedition für sinnvoll: „Die rechtzeitige Erkundung neuer, bislang nicht genutzter Rohstoffquellen sichert uns den Zugriff.“

Gut 20 Tage haben die Forscher Zeit, um mit einem Fächerecholot die Flächen mit der größten Knollendichte zu ermitteln. Außerdem wollen sie wissen, welche Organismen dort unten leben. Dazu lassen sie einen scharfkantigen Kasten in die Tiefe, der jeweils einen Würfel mit einer Kantenlänge von 50 Zentimeter aussticht. Im Labor an Bord wird analysiert, welche Lebewesen sich in der Probe befinden.

Eine Technik, die wundersamen Knollen wirtschaftlich zu bergen, gibt es bis jetzt nicht. Die in den Siebzigerjahren unter Beteiligung deutscher Unternehmen wie der damaligen Preussag entwickelten Tiefseestaubsauger oder Eimerketten haben heute keine Chance mehr eingesetzt zu werden: Sie würden zu viel Sediment aufwühlen, fürchtet Johannes Post vom hannoverschen Meerestechnikunternehmen Hydrmod. Er denkt an eine wesentlich sensiblere Fördertechnik: „Wir wollen einen schwebenden Sammler einsetzen, der die Knollen ergreift, ohne den Untergrund aufzuwühlen.“

Die zweite große Herausforderung ist die Aufarbeitung der Knollen, die 60 Prozent der Gesamtkosten verschlingt, schätzt Post. Das Material muss an Land gebracht und bei Temperaturen von mehr als 1000 Grad Celsius aufgeschmolzen werden, um die einzelnen Metallfraktionen herauszulösen. Bestenfalls lassen sich nach heutigem Stand pro Tonne Rohmaterial 30 Kilogramm nutzen. Übrig bleiben riesige Abfallberge, die entsorgt werden müssen.

Dennoch drängt Post darauf, Forschung und Entwicklung zur Nutzung von Bodenschätzen aus dem Meer voranzutreiben. „Wir müssen 20 Jahre Stillstand aufholen“, sagt er. Innerhalb von Jahrzehnten könnte verwertet werden, was die Natur in Jahrmillionen geschaffen hat. Unter einem Druck von mehr als 500 bar sind unzählige nanometergroße Metallpartikel, die sich im Wasser befinden, zusammengebacken worden. Im Laufe der Zeit entstanden so die meist faustgroßen Knollen. In einer Million Jahren wachsen sie gerade mal um wenige Millimeter: Warten lohnt da nicht mehr.

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