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Media Markt Online-Shop im Test: Alles so schön bunt hier!

von Stephan Dörner Quelle: Handelsblatt Online

Knallig-rot ist der am Montag der Online-Shop von Media Markt gestartet - im Web sorgt das für Spott. Doch wer sich von der Optik nicht abschrecken lässt, entdeckt durchaus Schnäppchen und gewisse Vorteile.

Neu im Netz: Der Online-Shop des Media Marktes. Quelle: obs
Neu im Netz: Der Online-Shop des Media Marktes. Quelle: obs

DüsseldorfDa soll noch einmal einer behaupten, die Medien passten sich zu langsam an den Wandel an, den das Internet mit sich bringt: Bis zum Jahr 2012 hat die in Deutschland größte Elektronikkette Media Markt mit dem ersten Online-Shop gewartet - seit Montag ist es endlich soweit.

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Unter anderem das komplizierte Franchise-System, bei dem jeder Manager eines Media-Marktes Freiheiten bei Preisgestaltung, Werbung und Sortiment genießt, verhinderte einen schnelleren Start im Netz. Doch die Online-Konkurrenz zwang die Media-Saturn-Holding letztlich doch zum handeln. Denn die stärksten Rivalen der Kette sind längst nicht mehr andere Warenhäuser, sondern Amazon und viele andere kleine Online-Händler, die von den Kunden über Preissuchmaschinen wie Billiger.de oder Idealo gefunden werden. Die beiden ehemaligen Slogans der Media-Saturn-Holding „Geiz ist geil“ (Saturn) und „Ich bin doch nicht blöd“ (Media Markt) haben sich die Kunden zur Herzen genommen – und verglichen die Preise im Netz.

Optisch präsentiert sich Media Markt im Netz so wie er auch durch die Werbeplakate im öffentlichen Straßenbild bekannt ist: Knallrote Farbe, riesige schwarze Überschriften, überdimensionale Preistafeln springen den Nutzer ins Auge. Weniger mutig ist der Markt dagegen bei der Nutzung des Mediums. Im wesentlich präsentiert sich hier eine Art Online-Version eines Media-Markt-Prospekts ohne internative Möglichkeiten wie Videos, Verkaufs-Rankings oder die Einbindung sozialer Medien wie Twitter und Facebook. Auch die bei Amazon hilfreichen und viel genutzten Kommentare und Bewertungen zu Produkten fehlen.

Hinzu kommt eine nicht besonders gut gelungene Navigation. „Apple-Zubehör“ findet sich beispielsweise unter den Menüpunkt „Computer & Büro“ - obwohl dazu etwa ein DJ-Pult gehört, das so mancher vielleicht eher bei „Audio & Hifi“ vermutet hätte. Andere, ähnliche Produkte, findet der Kunde genau dort. Spielekonsolen wurde ein eigener Menüpunkt spendiert, obwohl dort bisher nur ein einziges Produkt zu finden ist. Schlecht für die Benutzerfreundlichkeit: Beim Suchfeld ist nicht zu erkennen, ob es nur den Online-Shop oder die gesamte Website durchsucht.


Marktschreierische Optik

Die marktschreierische Optik mag bei Werbeanzeigen für Aufmerksamkeit sorgen, wirkt beim Shoppen aber aufgeregt und störend. Echte Shopping-Lust will beim Surfen durch den Online-Shop so nicht aufkommen. Im Vergleich zum größten Konkurrenten Amazon, der mit aufgeräumter und sachlicher Optik glänzt, ist das Angebot außerdem sehr klein.

In dem Webshop sind nach Unternehmensangaben zunächst rund 2500 Produkte vom Flachbildfernseher bis zur Waschmaschine im Angebot. Auch Software, Videos, E-Books und Musik sind im Download-Shop zu finden. Die meisten Musik-Tracks kosten 95 Cent - genau 4 Cent weniger als die meisten Songs beim Marktführer iTunes von Apple.

Die im Vergleich zu Amazon eher karge Auswahl fällt schnell auf: In der Kategorie Audiozubehör findet sich beispielsweise gerade einmal ein einziges Gerät – eine DJ-Konsole des Herstellers Hercules. Die gibt es beim größten Konkurrenten Amazon auch noch satte 34 Euro günstiger: 188 statt 222 Euro.

Auch bei verschiedenen anderen Preisvergleichen von Handelsblatt Online hatte Amazon in den meisten Fällen die Nase vorn. Eine Ausnahme ist beispielsweise der 3D-Camcorder GS-TD1BEU 3D von JVC, der im Online-Shop des Media-Marktes für 1249 Euro zu haben ist. Bei Amazon kostet das Gerät mit 1352 Euro 100 Euro mehr. Mit einer Preissuchmaschine lässt sich aber auch in diesem Fall noch schnell ein noch günstigeres Angebot finden: 1122 inklusive Versand kostet der 3D-Camcorder bei einem kleinen Online-Händler.


Vorteile bei der Garantie

Dennoch gibt es handfeste Vorteile gegenüber einer Bestellung bei Amazon. So bietet Media Markt kostenlose Beratungs-Hotlines an, allerdings nicht unter einer zentralen Rufnummer. Nach einem Klick auf „Kontakt“ muss sich der Nutzer auf „zur Markt-Auswahl“ klicken. Erst dann kann er sich zu einem Markt in der Nähe navigieren, der die telefonische Beratung übernimmt.

Zudem müssen Waren, bei denen der Kunde die Garantie in Anspruch nimmt, nicht aufwendig per Post eingeschickt werden, sondern können bequemer beim örtlichen Media Markt umgetauscht werden. „Multi-Channel-Einkauf“ nennt die Kette das.

Angepriesene Schnäppchen lohnen

Wirklich günstig sind die auf der Startseite beworbenen Produkte. Die dort angepriesene Waschmaschine Bosch WAQ 28421, das Smartphone HTC EVO 3D oder der beuttellose Staubsauger Dyson DC29 Exclusive gibt es im Netz nirgendwo günstiger. Besonders preiswert ist die angebotene Microsoft-Spielekonsole Xbox 360 inklusive 250-GB-Festplatte, Kinect-Bewegungssteuerung und dem Spiel „Kung Fu Panda 2“ für 249 Euro inklusive Versand.

Offen bleibt, ob es sich um einmalige Schnäppchen zur Eröffnung handelt oder ob es dem Online-Media-Markt auch künftig gelingt, Preis-Maßstäbe bei einzelnen Produkten zu setzen.

Verbindliche Versprechungen macht Media Markt bei den Preisen nicht. Man prüfe lediglich, ob der Preis „dem aktuellen Marktpreis entspricht“, heißt es wenig konkret auf der Website des Händlers. Da hilft bei Produkten außerhalb des aktuellen Angebots auch nicht, dass Kunden die Versandgebühren sparen, sollten sie die Ware selbst bei einem der rund 230 Media-Markt-Filialen in Deutschland abholt.


Hilfreiche und verwirrende Hilfe

Hilfreich ist die Erläuterung technischer Begriffe bei den Produkten. Das Fachvokabular ist allerdings nur zum Teil gut erklärt. Bei einigen Begriffen findet der Nutzer nur Allgemeinplätze. So erläutert die Elektronikkette auf ihrer Website: Je höher die Watt-Zahl, desto höher die Leistung – egal ob Staubsauger, Lautsprecher oder Lampen. Das dürften sich die meisten Nutzer auch noch so erschließen. Konkrete Angaben beispielsweise dazu, wie viel Watt Leistung bei einem Lautsprecher für welche Zimmergröße reicht, sucht der Laie dagegen vergeblich.

Teilweise sind die Angaben auch eher verwirrend. Beispielsweise behauptet die Media-Markt-Hilfe, Käufer sollten auf den Kontrastwert des Fernsehers achten – obwohl dieser dank kryptischer Hersteller-Angaben wie 100.000.000:1 längst keine Aussagekraft mehr haben.

Web spottet über knallrote Optik

Im Web wird über den Start des Online-Shops heftig gespottet - das knallrote Design gefällt den Amazon-verwöhnten Nutzern meist nicht. Blogger und Journalist Richard Gutjahr beispielsweise fragt sich, ob heute zur Feier des Tages bei Amazon Deutschland alle frei bekommen. Twitter-Nutzer Timo Heuer schreibt sarkastisch: „Für das grandiose Web-Design des neuen Online-Shops von Media Markt war übrigens diese Agentur verantwortlich: http://www.theworldsworstwebsiteever.com/“. Der Link verweist auf die selbsternannte „schlechteste Website aller Zeiten“, die alle Design-Sünden des Webs der 90er Jahre in sich vereint. Der Blogger Ulf Froitzheim macht sich darüber lustig, dass viele Downloads im Shop zwar gefunden aber als „derzeit nicht verfügbar“ angezeigt werden.

Letztlich ist der Online-Shop von Media Markt kein großer Wurf - aber immerhin ein weiterer großer Online-Anbieter, der im Sinne der Kunden den Preiskampf im Netz noch verschärfen wird. Enttäuschend ist allerdings Sortiment, Navigation und das geringe Angebot von Funktionen, die anderswo längst zum Standard gehören.

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