Medizin: Alzheimer - die erfundene Krankheit - Seite 2

Medizin: Alzheimer - die erfundene Krankheit

Cornelia Stolze Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche
Cornelia Stolze Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Frau Stolze, der Fotograf Gunter Sachs hat sich im Mai im Alter von 78 Jahren umgebracht, weil er glaubte, an Alzheimer erkrankt zu sein. Sie behaupten, dass es die Krankheit gar nicht gibt. Ist Sachs einem Hirngespinst aufgesessen?

Stolze: Aus meiner Sicht ja. Er setzte sich die Pistole an den Kopf, weil er überzeugt war, an Alzheimer zu erkranken, und offenbar panische Angst davor hatte, die Kontrolle über sein Leben zu verlieren. Dabei war er nicht einmal ansatzweise dement. Und selbst wenn, hätte kein Arzt sagen können, ob er an Alzheimer leidet oder nicht. Denn in Wirklichkeit weiß niemand, was Alzheimer ist. Auch nach mehr als 30 Jahren intensiver Forschung lässt sich diese vermeintliche Krankheit nicht eindeutig diagnostizieren.

Eine gewagte These. Tatsache ist doch, dass Millionen Menschen im Alter ihr Gedächtnis verlieren.

Stolze: Natürlich leiden viele alte Menschen an einer Demenz, also einem Verlust ihrer geistigen Fähigkeiten. Sie sind verwirrt, verlieren die Orientierung, werden inkontinent oder verändern ihr Wesen. Diese Erscheinungen können aber viele Ursachen haben. Nur mit den Proteinablagerungen, die angeblich für Alzheimer charakteristisch sind und von denen es immer heißt, dass sie für den geistigen Verfall verantwortlich sind, hat das vermutlich nichts zu tun.

Wenn es nicht Alzheimer ist, was löst dann den geistigen Abbau aus?

Stolze: Bei meinen Recherchen bin ich auf viele Ursachen gestoßen, die demenzähnliche Symptome hervorrufen oder eine Demenz vortäuschen können. Das Erschreckende daran ist: Viele dieser Ursachen sind im Prinzip seit Langem bekannt – und werden trotzdem häufig übersehen. Das fängt bei schlichtem Flüssigkeitsmangel und Problemen mit dem Blutzucker an und reicht bis hin zu einer ganzen Palette von Medikamenten, die gerade ältere Menschen oft täglich einnehmen.

Welche Mittel sind besonders gefährlich?

Stolze: Es gibt mehr als 130 Medikamente, die eine dauerhafte Demenz oder einen akuten Verwirrtheitszustand mit Halluzinationen und Bewusstseinsveränderungen hervorrufen können. Das sind vor allem Schmerzmittel und Antidepressiva, aber auch Herzpräparate und Medikamente gegen Asthma. Besonders problematisch sind zudem Beruhigungsmittel, die oft in Altenheimen verabreicht werden.

Und die anderen Auslöser?

Stolze: Auch unbemerkte Schlaganfälle, Alkoholmissbrauch, erhöhter Hirndruck, Mangelernährung und selbst Einsamkeit können die Ursache sein, wenn das Gedächtnis mehr und mehr versagt. Ebenso können Depressionen, an denen zum Beispiel Gunter Sachs litt, Demenzsymptome hervorrufen. All das wird heute oftmals in einen Topf geworfen und mit dem Etikett Alzheimer versehen.

Ist es nicht egal, wie das Problem heißt?

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Stolze: Ganz und gar nicht. Denn durch die Fixiertheit auf Alzheimer erkennen Ärzte häufig nicht die wahren Ursachen der Beschwerden. Viele Patienten leiden deshalb an geistigen Störungen, obwohl diese durchaus zu beheben wären.

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Kommentare | 22Alle Kommentare
  • 27.01.2012, 19:20 UhrCornelia_Stolze

    @ Bernhard Albrecht: Lieber Bernhard, dann vergleiche doch bitte mal Dein Lehrbuchwissen aus den 1990er Jahren mit der aktuellen S3-Leitlinie Demenzen und mach Dir ein Bild davon, was die führenden Experten auf diesem Gebiet selbst an Ungewissheiten in Sachen Demenzen/Alzheimer (s. http://www.dgn.org/images/stories/dgn/leitlinien/ll_demenz/ll-demenz-lang-170210.pdf).

  • 27.01.2012, 18:48 UhrCornelia_Stolze

    Lieber Bernhard, es freut mich, dass Du mich als wissenschaftsjournalistische Kollegin schätzt. Noch mehr freuen würde es mich, wenn Du in Deinem Kommentar ein bisschen mehr bei den Fakten bleiben würdest – und erst einmal mein Buch liest, bevor Du Deine Meinung darüber veröffentlichst. Dann würdest Du nämlich feststellen, dass ich zum Beispiel in puncto wirtschaftliche Interessen von Alzheimer-Forschern und Mediziner keineswegs nicht „nur an der Oberfläche kratze“. Vielmehr finden sich darin genau jene Details, um die Du so eindringlich bittest.
    Und noch etwas: Nicht ICH habe das besagte Interview geführt, sondern die Redakteure der WIWO. Herr Beyreuther und ich waren die Befragten. Zudem wüsste ich nicht, was ich hierbei hätte „vertuschen“ sollen...?

  • 01.12.2011, 08:40 UhrRudi

    "vier Alzheimer-Mittel"...(Beyreuther:) halten den Krankheitsverlauf jedenfalls nicht auf, sondern verbessern nur die Befindlichkeit. Damit machen sie Angehörigen und Pflegern den Umgang mit den Patienten angenehmer und senken die Plfegekosten."
    --> Frau Cornelia Stolze hat Recht, mit dem dürfen wir uns nicht zufrieden geben. Meine Stimme würden Sie bekommen!

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