Medizin: Gen-Falle für Grippe-Viren

Medizin: Gen-Falle für Grippe-Viren

Bild vergrößern

Der Vogelgrippe-Virus unter einem Electronen-microskop. In Versuchen schützte ein Medikament gegen den Erreger

von Matthias Hohensee

Wissenschaftler wollen mit einer neuen Methode Viren aushungern. Ihr Ziel: die erste hochwirksame Pille gegen Grippe.

Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken, und damit naht die nächste Grippewelle. Millionen Deutsche werden sich auch in diesem Winter eine Virengrippe einfangen, für einige Tausend, vor allem ältere Menschen und Kinder, wird die Krankheit sogar tödlich verlaufen. Wer sich impfen lässt, kann den Ausbruch vermeiden. Der gerade freigegebene Impfstoff für diese Saison wirkt allerdings nur, wenn die Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der europäischen Seuchenbehörde die richtigen Grippestämme identifiziert haben.

Haben sie die falschen Viren für den Saison-Impfstoff ausgewählt – was immer wieder passiert –, muss der Körper sich selbst gegen die Krankheit wehren. Dann helfen nur noch konventionelle Anti-Viren-Medikamente wie etwa Tamiflu von -Roche. Doch gegen sie sind die Viren mitunter resistent.

Anzeige

Forscher in aller Welt suchen daher nach einer Pille gegen Grippe, die ähnlich schnell und wirkungsvoll ist wie Aspirin bei Kopfschmerzen.

Viren aushungern

Amerikanische Forscher sind bei der Suche nach einem solchen Medikament nun in Führung gegangen. Das Biotechnologieunternehmen Zirus aus Buford im US-Bundesstaat Georgia will das Virus nicht mehr direkt bekämpfen, wie es traditionelle Anti-Viren-Medikamente tun. Stattdessen wenden die Amerikaner ein Verfahren an, das auf der sogenannten „Gen-Fallentechnologie“ aufsetzt.

Dabei versuchen die Forscher, diejenigen Zellen zu manipulieren, die von den Viren angegriffen werden. Das Ziel: Sie wollen durch das gezielte Abschalten von Genen die Viren förmlich aushungern. Dass dieser Ansatz grundsätzlich funktionieren kann, wurde bereits in mehreren unabhängigen Studien der US-Gesundheitsbehörde bestätigt.

Denn im Gegensatz zu Bakterien, die sich selber reproduzieren, brauchen Viren eine Wirtszelle, um sich zu vermehren. Die Forscher verändern die Wirtszelle deshalb so, dass bestimmte Proteine, die von ihren Genen produziert werden und zum Vermehren des Virus notwendig sind, ganz oder vorübergehend blockiert werden. Damit wäre der Vormarsch des Virus gestoppt.

An der Emory-Universität in Atlanta attackieren Zirus-Forscher dafür Zellen mit sogenannten Retroviren, die gezielt bestimmte Gene ausschalten. Überlebt eine Zelle die Attacke, war das vom ausgeschalteten Gen produzierte Protein nicht lebensnotwendig.

Die so manipulierten Zellen werden dann mit Viren infiziert, von typischen Grippe-Erregern bis hin zu tödlichen -Ebola-Erregern. Überlebt die Zelle auch das, so die Annahme, kann sich das Virus wegen des blockierten Proteins nicht vermehren. Die Zirus-Forscher haben bereits 1200 Gene entdeckt, die Viren zum Überleben brauchen.

Doch schon viele Visionen von Genforschern, wie beispielsweise die Heilung von Krankheiten durch das Einschleusen von gesunden Genen in den Körper, sind im Praxistest gescheitert. Zwar ist das menschliche Erbgut entschlüsselt. Doch kaum einer weiß bislang, wie Gene Krankheiten wirklich beeinflussen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%