Medizin: Neue Mammografie-Technik zur Brustkrebs-Früherkennung

Medizin: Neue Mammografie-Technik zur Brustkrebs-Früherkennung

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Digitale Mammografie: Die Software markiert und vergrößert verdächtige Stellen

Eine neue Mammografie-Technik könnte den Streit um die Aussagekraft der Brustkrebs-Früherkennung schlichten.

Vier Jahre lang war die Theaterschneiderin aus Stuttgart nicht bei der Mammografie gewesen. Ein Schreiben der zentralen Stelle des bundesweiten Mammografie-Screenings forderte sie auf, die Brust doch wieder einmal untersuchen zu lassen. Die Erinnerung hat der 65-Jährigen das Leben gerettet. Denn bei der Untersuchung, bei der die Brust in zwei Richtungen ziemlich flach gedrückt und dann geröntgt wird, entdeckten die Ärzte eine zweieinhalb Zentimeter große Wucherung. Die Analyse einer gleich darauf entnommenen Gewebeprobe zeigte, dass sie bösartig war. Wenige Tage später wurde der Krebsherd im Krankenhaus entfernt. Die zweifache Mutter und Großmutter hatte Glück im Unglück: Der Tumor hatte noch nicht gestreut, also noch keine bösartigen Zellen ausgesandt, die im Körper Tochtergeschwüre bilden könnten.

Nicht immer ist die Diagnose bei der Brustkrebsfrüherkennung so klar und hilfreich. Die Technik ist umstritten, weil bei der Mammografie oft sogenannte „falsch positive“ Ergebnisse die Frauen grundlos in Angst und Panik versetzen. Noch schlimmer ist jedoch, dass viele Tumore bei dem Verfahren nicht erkannt werden.

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Streit um die richtige Technik

Eine der schärfsten Kritikerinnen der Mammografie ist die Bonner Radiologin Christiane Kuhl. Sie hatte in einer Langzeitstudie mit 5000 Patienten zeigen können, dass sich im Kernspintomografen 167 Tumore im Frühstadium erkennen ließen, wo die Mammografie nur 97 fand. „Natürlich ist die Kernspintomografie teurer, und es gibt auch noch viel zu wenige Radiologen, die wissen, wie man Brustkrebs mit dieser strahlungsfreien Technik erkennt“, räumt Kuhl ein. Eine Kernspintomografie kostet rund 400 Euro, die Mammografie ist mit 120 Euro deutlich billiger.

Kuhl findet aber: „Man muss den Frauen doch sagen, dass es diese Möglichkeit gibt.“ Stattdessen werde bei dem 2007 in Deutschland angelaufenen Brustkrebs-Screening das Ergebnis der Untersuchung mit den Frauen überhaupt nicht besprochen. So erfahren sie zum Beispiel nicht, ob der Befund vielleicht nicht ganz eindeutig war. In solch einem Fall könnte aber eine zusätzliche Ultraschall-Untersuchung endgültige Klarheit bringen, wettert Kuhl.

Dass der Streit beigelegt werden kann, wenn die von MeVis mit verschiedenen Industriepartnern entwickelte 3-D-Mammografie namens Tomosynthese Einzug in die radiologischen Praxen hält, bezweifelt die Radiologin. Noch sei die Datenlage zu dünn, um das beurteilen zu können. Außerdem sei die Strahlenbelastung bei der neuen Technik höher, weil für das gefächerte Rundumbild mehr Aufnahmen gemacht würden. Die Gerätehersteller weisen dagegen darauf hin, dass genau das nicht passiert, weil bei den Mehrfachaufnahmen nur fünf bis zehn Prozent der Strahlendosis eines klassischen Ein-Bild-Mammogramms benötigt würden.

Für MeVis-Gründer Heinz-Otto Peitgen stellt die neue Technik eine so drastische Verbesserung bei der Brustkrebsfrüherkennung dar, dass der Streit damit seiner Meinung nach endlich ein Ende finden könnte. Und finanzierbar, betont er, wäre diese Methode auch.

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