Medizin: Nobelpreis für deutschen Krebsforscher und französische Aidsentdecker

Medizin: Nobelpreis für deutschen Krebsforscher und französische Aidsentdecker

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Der deutsche Krebsforscher Harald zur Hausen erhält den diesjährigen Medizin-Nobelpreis

Erstmals seit 13 Jahren geht der Medizin- Nobelpreis wieder nach Deutschland: Der Heidelberger Krebsforscher Harald zur Hausen bekommt die Auszeichnung für seine Entdeckung, dass Viren den gefährlichen Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Er schuf damit die Grundlagen für einen heute bereits angewandten Impfstoff, wie das Karolinska-Institut heute in Stockholm mitteilte.

Zur Hausen teilt sich die höchste Auszeichnung seines Fachs mit den Franzosen Luc Montagnier und Françoise Barré-Sinoussi, die das Aidsvirus entdeckt haben. Der lange als Nobelpreiskandidat gehandelte US-Aidsforscher Robert Gallo geht hingegen leer aus. Zur Hausen (72) habe sich gegen ein medizinisches Dogma gewandt, als er bereits in den 1970er Jahren postulierte, dass Viren Krebs auslösen können, begründete das Komitee seine Wahl.

Gebärmutterhalskrebs ist mit weltweit rund einer halben Million Fällen pro Jahr der zweithäufigste Krebs bei Frauen. Die sexuell übertragbaren Papillomviren (Warzenviren) vom Typ HPV 16 und 18 sind Ursache von 70 Prozent aller Gebärmutterhalstumore weltweit. Für Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission seit März 2007 die HPV-Impfung für alle Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren - sie sollte in jedem Fall noch vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgen. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 6500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Montagnier (76) und seine Kollegin Barré-Sinoussi (61) hatten am Institut Pasteur in Paris das Immunschwächevirus HIV Anfang der 1980er Jahre aus Proben von schwer kranken Patienten isoliert. Die Entdeckung habe auch die Voraussetzungen für die modernen Aidsmedikamente geschaffen, teilte das Komitee mit.

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Der US-Virologe Robert Gallo, der sich lange mit Montagnier um die HIV-Entdeckung und Patente gestritten hatte, geht bei der diesjährigen Nobelpreisvergabe leer aus. „Es kann als klar erwiesen angesehen werden, dass die Entdeckung in Frankreich gemacht worden ist“, begründete Bertil Fredholm, Chef des Nobelkomitees, diese Entscheidung. „Und wenn es darum geht, wer eines Nobelpreises würdig ist, sind wir Experten.“

Der Entscheidung stimmt auch die Berliner Virenforscherin Karin Mölling vom Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik zu: „Gallo hat einen großen Teil der wissenschaftlichen Durchhaltekraft bei der weiteren Erforschung des Virus beigetragen, aber die Entdeckung selbst geht ganz klar auf das Konto von Montagnier und Barré- Sinoussi.“ Montagnier hatte das Patent für den ersten Aidstest ein halbes Jahr vor Gallo beantragt, der es jedoch eher vom US-Patentamt bewilligt bekam. Erst 1994 wurde der Streit beigelegt.

Das Aidsvirus hat inzwischen mehr als 60 Millionen Menschen infiziert, mehr als 25 Millionen sind daran gestorben, ein Impfstoff ist nicht in Sicht. Zur Hausen sieht in seiner Ehrung eine Auszeichnung „für das ganze Gebiet“ der Erforschung von Krebsviren. Was er mit dem Preisgeld mache, wisse er noch nicht. Er freue sich über die Umsetzung seiner Forschung in die Praxis, der Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs sei aber leider noch zu teuer. Während ihn sich der Westen leisten könne, sei der Preis ein großes Problem in den Entwicklungsländern, wo Gebärmutterhalskrebs oft das häufigste Karzinom überhaupt bei Frauen sei. Dort sei der Impfstoff derzeit eigentlich unerschwinglich.

„Ich habe mit Freude gehört, dass jetzt eine ganze Reihe von weiteren Firmen in den Entwicklungsländern selber begonnen haben, Impfstoffe herzustellen“, sagte der ehemalige Leiter des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Es sei damit zu rechnen, dass sich die Kosten künftig „sehr drastisch“ reduzieren werden. „Zur Hausen war ein Außenseiter, dem viele nicht geglaubt haben. Aber so ist Wissenschaft. Manche Leute müssen eben die vorherrschenden Dogmen infrage stellen“, urteilte das Nobelkomitee- Mitglied Bo Angelin. „Zur Hausen hat eine brillante Idee gehabt und mit beharrlicher Arbeit ihre Richtigkeit bewiesen.“

Die Berliner Virenforscherin Mölling ergänzte: „Zur Hausen hat zu früheren Zeiten mit seinem Ansatz sehr kontrovers dagestanden und musste manches Gelächter einstecken. Er hat sich gegen alle Widerstände durchgekämpft.“ Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) gratulierte dem frisch gekürten Preisträger. Die Auszeichnung bestätige zudem „die Vorreiterrolle, die Deutschland und insbesondere das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg international einnehmen“.

Seit 1995 war kein Medizin-Nobelpreis mehr nach Deutschland gegangen. Damals hatte Christiane Nüsslein-Volhard aus Tübingen mit zwei US-Forschern den Preis für ihre Arbeit zur frühen Embryonalentwicklung erhalten. Der deutschstämmige Zellforscher Günter Blobel hatte zwar 1999 ebenfalls den Preis erhalten, er lebte während seiner entscheidenden Arbeiten und der Zuerkennung allerdings in den USA und hat auch die US-Staatsbürgerschaft angenommen. Erst im vergangenen Jahr hatten jedoch der Berliner Forscher Gerhard Ertl den Chemie- und der Jülicher Forscher Peter Grünberg den Physiknobelpreis erhalten. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist in diesem Jahr mit insgesamt umgerechnet einer Million Euro (zehn Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Zur Hausen erhält eine Hälfte der Auszeichnung, die andere teilen sich die beiden französischen Forscher.

Morgen und am Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Nobelpreises benannt. Die Überreichung erfolgt traditionsgemäß am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

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