Medizin: Schweinegrippe: Forschung läuft auf Hochtouren

Medizin: Schweinegrippe: Forschung läuft auf Hochtouren

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Studenten in Mexiko: Rückkehr zur Normalität

Ob die Schweinegrippe zur Pandemie mit Millionen Toten wird oder erst der nächste Erreger: Unternehmen und Forscher entwickeln mit Hochdruck neue Grippe-Impfstoffe. Deutschland ist dabei führend – und besser geschützt als viele andere Nationen.

Noch tragen viele Menschen in Mexiko-Stadt Masken – zum Schutz vor dem Schweinegrippe-Virus, das die Welt gut zwei Wochen lang in Angst und Schrecken versetzt hat. Doch die Panik hat sich gelegt: Schulen, Fabriken und Cafés sind wieder geöffnet, und Fußballer müssen nicht mehr vor leeren Rängen spielen.

Zu harmlos scheint das neue Grippe-Virus. Selbst wenn der vom Schwein stammende Influenza-Erreger mit der Typisierung H1N1 für Menschen sehr ansteckend ist und in wenigen Tagen rund um den ganzen Erdball raste – er bringt längst nicht so viele Menschen um wie ursprünglich gedacht. 49 von 4379 Infizierten waren Ende vergangener Woche gestorben. Von neun erkrankten Deutschen sind fast alle wieder gesund. Das sieht bei der noch immer grassierenden Vogelgrippe vom Typ H5N1 anders aus. Sie kann zwar kaum von Mensch zu Mensch springen. Wer sich aber mit ihr direkt bei Haushuhn oder Wildgans ansteckt, wird mit über 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit nicht überleben: Bis heute starben 257 der weltweit 421 Infizierten.

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Doch die vermeintlich so schnell wieder hergestellte Ruhe ist trügerisch. Forscher und Gesundheitsexperten beobachten die Schweinegrippe und ihren Erreger weiterhin mit großer Sorge: „Das Virus kann sich abschwächen, es kann ganz verschwinden“, sagt Grippe-Spezialist und Regierungsberater Reinhard Kurth, „aber es kann auch in einer zweiten Welle umso mächtiger zurückkehren.“ Ähnlich wird die Situation auch in Genf am Sitz der Weltgesundheitsorganisation WHO eingeschätzt: Die zweithöchste Warnstufe, die an die Ausrufung einer Pandemie grenzt, werde deshalb nicht zurückgenommen, teilen die Experten mit. Daran soll sich auch in den nächsten Monaten nichts ändern.

Die nächste Pandemie ist überfällig

Denn das Abklingen der ersten Infektionswelle bedeutet allenfalls einen Aufschub, eine Atempause vor einem möglicherweise tatsächlich dramatischen Ausbruch eines weltweiten tödlichen Seuchenzugs. Ganz gleich, ob sich das aktuell um die Welt laufende Schweinegrippe-Virus zu solch einer tödlichen Pandemie auswächst oder erst der nächste Erreger: Die Forscher sind sich einig, dass wir schon bald eine Grippe-Welle mit bis zu sieben Millionen Todesopfern erleben könnten – wenn kein Impfstoff entwickelt wird. Hier sind deutsche Forscher und Unternehmen führend.

Was die Wissenschaftler besonders besorgt: Solche weltumspannenden und verheerenden Grippe-Epidemien tauchen in steter Regelmäßigkeit alle 20 bis 30 Jahre auf. Die nächste Pandemie ist damit überfällig, denn die letzte liegt 32 Jahre zurück.

Der Grund für Pandemien liegt in der hohen Wandlungsfähigkeit der Influenza-Viren, die weltweit Vögel, Schweine und Menschen befallen. Die Erreger verändern ihr Erbgut ständig, aber in kleinen Schritten. Wo Haustiere und Menschen jedoch eng zusammenleben, können die Viren Artgrenzen überspringen. Treffen in einem Tier wie dem Schwein zwei oder drei Virus-Typen aufeinander, wie jetzt in Mexiko, können die Erreger große Teile ihres Erbguts austauschen, sodass schlagartig ein ganz neuer, bisher unbekannter Virus entsteht.

Ist solch ein neuer Erreger hoch ansteckend und tödlich zugleich, lässt er sich nicht mit Medikamenten wie Tamiflu oder Relenza stoppen, sondern nur mit einem Impfstoff. Den suchen Forscher und Unternehmen intensiver denn je. Die Technik deutscher Wissenschaftler ist dabei weltweit führend. Sie machen den Impfstoff schneller verfügbar, weil sie vollkommen neue Produktionsmethoden anwenden. Schon bald werden „neue Erkenntnisse und neue Impfstoffe aus Marburg und Dresden kommen, wo die Weltkonzerne Novartis Behring und GlaxoSmithKline ihre Influenza-Forschung konzentriert haben“, ist Grippe-Experte Kurth überzeugt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Deutschlands Forschung auf die Pandemie reagiert

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