Microsoft-Chef als Visionär: Die CeBIT hat begonnen

Microsoft-Chef als Visionär: Die CeBIT hat begonnen

Bild vergrößern

Bundeskanzlerin Angela Merkel schaut sich heute auf der CeBIT in Hannover ein Navigationsgerät und eine Freisprechanlage der Firma Funkwerk an

Die weltgrößte Computermesse CeBIT hat heute in Hannover begonnen. Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich am Vormittag bei einem Rundgang einen Überblick über die wichtigsten Messeneuheiten verschaffen.

Sie hatte am Vorabend zusammen mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, EU- Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Microsoft-Chef Steve Ballmer die Messe offiziell eröffnet. Die CeBIT ist in diesem Jahr einen Tag kürzer als bisher und hat eine neue Struktur mit drei Säulen bekommen. Im Bereich „Business Solutions“ sollen Unternehmen Fragen zum Beispiel zu Software und Dienstleistungen beantwortet werden. Der Bereich „Public Sector Solutions“ zeigt Modernisierungs-Möglichkeiten vor allem für öffentliche Verwaltungen. Bei „Home & Mobile Solutions“ sind Produkte und Lösungen zu sehen, die das private Leben verändern.

Die größte Halle 1, in der die CeBIT einst begann, bleibt diesmal geschlossen. Die neue Struktur soll die Messe bei Ausstellern populärer und damit konkurrenzfähiger machen. Die Zahl der Aussteller sank im Vergleich zum Vorjahr um etwa fünf Prozent auf gut 5800, die Ausstellungsfläche um mehr als zehn Prozent auf rund 240.000 Quadratmeter.

Anzeige

Die Besucher der CeBIT kennen Microsoft-Boss Steve Ballmer als agilen Chefverkäufer, knallharten Verhandlungspartner und genialen Marketing-Mann. Doch zur Eröffnung der Computershow in Hannover präsentierte sich der 51 Jahre alte Chef des Softwaregiganten Microsoft von einer bislang unbekannten Seite, nämlich als Visionär. Diese Rolle hatte bislang Mitbegründer Bill Gates ausgefüllt, der sich aber noch in diesem Jahr vollständig aus der Führung des Softwarekonzerns zurückziehen wird. So ließ Ballmer zur Eröffnung der CeBIT die drängenden Fragen des Tagesgeschäfts links liegen. Kaum ein Wort zur geplanten Übernahme von Yahoo! oder der Auseinandersetzung mit der Europäischen Kommission.

Stattdessen entfaltete Ballmer vor seinen Zuhörern im Congress Center in Hannover seine Vision von der „fünften Computerrevolution“, die in den kommenden Jahren nicht nur die Softwareindustrie prägen werde. „Ich habe während meiner 28 Jahre bei Microsoft vier Computer- Revolutionen erlebt“, sagte Ballmer. Mit der ersten Revolution hätten sich erstmals die Massen einen PC leisten können. Mit der Entwicklung von grafischen Benutzeroberflächen habe man es dann den Menschen viel leichter gemacht, das Potenzial der Computer sinnvoll zu nutzen. Die dritte Revolution, der Aufstieg des Internets, habe beispielsweise die E-Mail zu einem alltäglichen Kommunikationswerkzeug gemacht und die Art und Weise der Informationssuche dramatisch verändert. Die vierte, die „Web 2.0“-Revolution habe eine ganz neue Plattform hervorgebracht, um Informationen zu veröffentlichen und zu teilen.

Diese Umwälzung habe im Jahr 2002 begonnen, als er zuletzt zur Eröffnung der CeBIT in Hannover gewesen sei. „Wenn es bei dem Sieben- Jahres-Rhythmus bleibt, dann stehen wir heute am Ende der vierten und vor dem Beginn der fünften Revolution.“ Welche Ergebnisse diese fünfte Computer-Revolution hervorbringen werde, konnte Ballmer nicht genau sagen. Er benannte aber die Rahmenbedingungen, nämlich Computer-Power und Speicherplatz ohne Ende, allgegenwärtige Hochgeschwindigkeitsverbindungen zu Hause, im Büro und unterwegs. Systeme und neuartige Bildschirme, die natürlich mit Sprache und Gesten bedient werden können.

Den düsteren Szenarien mancher Zukunftsforscher setzte Ballmer einen bedingungslos optimistischen Ausblick entgegen: Die Veränderungen würden dabei helfen, auf die globale Klimaveränderung zu reagieren sowie die Gesundheitsversorgung und die Bildung von Milliarden Menschen zu verbessern. „Sie werden die menschliche, soziale Interaktion verändern und Computer viel nützlicher und persönlicher machen.“ Schon heute seien Auswirkungen der neuen Technologie auf die soziale Interaktion klar absehbar, sagte Ballmer. Einer aktuellen MTV-Studie zufolge hätten Teenager und junge Erwachsene im Durchschnitt 53 Freunde. „Zwanzig davon haben sie noch nie persönlich getroffen, sondern nur über E-Mail, Chatten oder soziale Websites wie MySpace oder Facebook.“ In Zukunft werde es möglich sein, sich mit diesen Freunden mit Hilfe dreidimensionaler Hologramme in einem virtuellen Raum so zu treffen, als befände man sich tatsächlich in einem Zimmer.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%