Microsoft und Murdoch: Allianz gegen Google

KommentarMicrosoft und Murdoch: Allianz gegen Google

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Rupert Murdoch, Chef von News Corp

von Peter Steinkirchner

Medienzar Rupert Murdoch und Microsoft schmieden derzeit offenbar ein Bündnis gegen der Welt wichtigste Suchmaschine Google. Murdoch will den Konkurrenzkampf der beiden Digital-Granden zu seinen Gunsten nutzen - und eine Bresche schlagen für bezahlte Inhalte im Internet. WirtschaftsWoche-Redakteur Peter Steinkirchner kommentiert.

Damit scheinen sich zwei zu finden, die einander gerade gut gebrauchen können: Microsoft will mit seiner Suchmaschine Bing dem weit enteilten Konkurrenten Google endlich näher rücken.

Und Rupert Murdoch sucht wie all seine Kollegen in den Medienkonzernen weltweit  händeringend nach Geschäftsmodellen, die dafür sorgen, dass Leser im Internet für aufwendig erstellte journalistische Inhalte Geld bezahlen.

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Dazu will Murdoch die Internet-Angebote vor allem seiner Zeitungen – vom "Wall Street Journal" über die Londoner "Times" bis zum Boulevard-Blatt "The Sun" – vom Google-Strom kappen.

Dessen digitale Suchtrupps sollen nicht länger im Internet surfende Online-Nutzer auf die Seiten der News Corp-Ableger schaufeln können.

Stattdessen strebt News Corp offenbar eine Partnerschaft mit Microsofts Suchmaschine Bing an, die bereit ist, für Inhalte zu zahlen. Und offenbar nicht nur für News Corp-Inhalte - dem Vernehmen nach robbt sich Microsoft auch an andere Groß-Verleger an.  

Murdoch lästert über "Kleptomaniacs"

Die Sorge, durch den Google-Stopp Millionen von Klicks zu verlieren, treibt Murdoch demonstrativ nicht weiter um: 

In einem Interview mit dem News Corp-eigenen TV-Sender Sky Australia sagte er kürzlich, die Gratis-Leser, die ihm und seinem Unternehmen die teuer erstellten Inhalte "stehlen", seien ihm egal, die verliere er gern  – er wolle stattdessen lieber stabile und loyale Geschäftsbeziehungen zu seinen Lesern, statt durchs Netz vagabundierende Schnäppchenjäger, die er im Vorbeigehen noch mal eben mit der Wortneuschöpfung „Kleptomaniacs“ belegte.

Murdochs Logik: Im Internet verdienen Medienkonzerne nur einen Bruchteil dessen, was sie durch (allerdings schrumpfende) Abo-Gebühren und Werbeerlöse in der realen Welt verdienen. Die alte Druckwelt subventioniert die Online-Zukunft.

Und das Gratis-Netz, das in den Kindertagen der Medienangebote im Internet schlicht für Reichweiten sorgen sollte, führe Medienkonzerne in die Irre – Reichweite allein ist kein Wert an sich, wenn sich damit kein Geld verdienen lässt.

Auch Werbekunden beginnen umzudenken – es wird wohl nur noch eine Frage der Zeit sein, bis qualitative Bewertungen wie etwa die Zeit, die ein Nutzer tatsächlich mit einer Webseite verbringt, höher bewertet werden als reine Klick-Huberei.

Google sorgt vor

Stellt sich die Frage, ob der heraufziehende Deal mit Microsoft nun für die Wende sorgt.

Google baut bereits vor: Nur ein kleiner Teil der Google-Umsätze stamme aus dem Verlinken mit Verlagsinhalten.

Wenn das so ist, kann Google ja entspannt bleiben: Dann kommen sie ja künftig auch ohne Zeitungsseiten gut zurecht. Stellt sich aber heraus, dass gerade auch die für die werbungtreibende Wirtschaft interessanten Leser auch im Netz nach Qualität suchen und sie diese neben einigen guten Blogs nicht zuletzt auf Verlagsseiten suchen und finden wollen, kommt auch Google nicht darum herum, für die von anderen produzierten Inhalte zu zahlen.

Im Prinzip findet daher gerade nichts anderes statt als ein gigantisches Schachspiel, bei dem sich entscheidendes verändert: Stand die Googles Gratis-Truppe bislang nahezu unanfechtbar auf dem Feld, marschiert mit dem Kombi-Pack aus Microsoft und News Corp nun ein vergleichbar starkes Heer auf  - und hebt das Spiel auf eine neue Stufe. 

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