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Microsofts Office 365: Das wichtigste Produkt seit 16 Jahren

von Thomas Kuhn

In dieser Woche hat Microsoft das neue „Office 365“ vorgestellt, die Internet-Version seiner Bürosoftware „Office“. Das neue Programm- und Onlinedienste-Angebot zielt nicht nur auf Googles Cloud-Dienste. Es ist – vor allem – das entscheidende strategische Produkt, damit Microsoft in der sich dramatisch wandelnden Software-Welt überleben kann. WirtschaftsWoche-Gadget-Inspektor erklärt warum das so ist und, was „Office 365“ leistet?

Microsoft CEO Steve Ballmer Quelle: REUTERS
Microsoft CEO Steve Ballmer speaks at the launch of the company's Microsoft 365 cloud service in New York, June 28, 2011. Microsoft Corp made its biggest move into the mobile, Internet-accessible world of "cloud" computing on Tuesday, taking the wraps off a revamped online version of its hugely profitable Office software suite. Microsoft shares rose 0.8 percent on Tuesday, following a 3.7 percent jump the day before, partly buoyed by hopes that the company can ultimately boost profits by extending its software dominance to the growing cloud sector. REUTERS/Ray Stubblebine (UNITED STATES - Tags: BUSINESS SCI TECH) Quelle: REUTERS

Gemessen an der strategischen Tragweite der Ankündigung war das öffentliche Echo erstaunlich leise. Denn dass Microsoft am Dienstag dieser Woche (28. Juni) offiziell mit dem Verkauf seines internetbasierenden Bürosoftware-Pakets Office 365 begonnen hat, markiert die wichtigste Vertriebsentscheidung des Windows-Konzerns, mindestens seit dem Marktstart von Windows 95 vor 16 Jahren. Mehr noch, wenn es in den vergangenen Jahren eine Produkteinführung gab, von der man hätte behaupten können, dass von ihrem Erfolg die Zukunft des Unternehmens abhängt, dann ist es definitiv das neue Office 365.

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Das mag pathetisch klingen. Und das ist es auch. Denn mit der neuen Bürosoftware, die es ihren Nutzern ermöglicht einzeln oder in Teams im Netz Tabellen oder Texte zu verfassen und zu bearbeiten, Kalender abzugleichen und Konferenzen abzuhalten, reagiert der Softwareriese aus Redmond auf den wichtigsten Trend der IT-Branche der vergangenen Jahre: Die Verlagerung von Programmen und Daten ins Netz und weg vom PC im Büro oder daheim, im Jargon der Computerbranche „Cloud Computing“ genannt. Ein Trend, der für das bisherige Geschäftsmodell des Windows-Konzerns gefährlicher ist, als es das Auftreten des alternativen Betriebssystems Linux oder der Gratis-Software Open Office je war.

Lukratives Geschäft mit Cloud Computing

Denn beim Cloud Computing macht Microsofts über Jahrzehnte höchst lukratives Geschäfts mit Software-Lizenzen für Windows oder Office kurzerhand obsolet. Statt sich für Hunderte von Euro teure Softwarepakete kaufen zu müssen (und Microsoft damit alljährlich Milliardengewinne in die Kassen zu spülen), können Unternehmen und Privatleute im Zeitalter der Wolke den Zugriff Textverarbeitungs-, Tabellenkalkulations- oder Datenbankprogramme, auf E-Mail- oder Bildbearbeitungssoftware, Projektplanungs- und Konferenz-Tools nach Bedarf im Netz mieten. Was nicht genutzt wird, kostet nichts. Und zum Teil gibt’s die Anwendungen sogar gratis, wie etwa Googles Softwarepaket „Apps“.

Sog ins Netz

Das Konzept findet zunehmend Anhänger. Vor wenigen Tagen erst verkündete Google stolz, dass – nach anderen prominenten Kunden wie der Stadtverwaltung von Los Angeles – nun auch die Angestellten des US-Bundesstaats Wyoming auf Google Apps umgestiegen seien. Daneben schreiben schon jetzt Abermillionen von Privatkunden mit Googles für sie kostenfreien Online-Programmen Briefe, managen die elektronische Post oder verwalten ihre Urlaubsbilder im Internet. Firmenkunden zahlen in den USA für die Nutzung der Business- Apps je nach Umfang fünf bis 50 Dollar. Mit dem Angebot bedient Google nach eigenen Angaben bereits mehr als drei Millionen Unternehmenskunden. Und dieser Sog ins Netz dürfte sich weiter beschleunigen.

10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.07.2011, 23:25 UhrRealist

    Früher war ideenklau, Patentklau, Witschaftsspionage richtig Arbeit, man musste im Müll wühlen, Farbbänder von Schreibmaschinen auslesen etc. - heute haben wir die "cloud". Schöne neue Welt...

  • 03.07.2011, 23:22 Uhrjustmy2cents

    für mich persönlich war in den letzten Jahren das wichtigste Produkt in dieser Sparte Open Office - mit Abstand

  • 03.07.2011, 02:44 UhrKlaus

    Die Selbstherrlichkeit der Amis scheint keinen Grenzen mehr zu kennen -was eine geniale Produktidee!

    Stellen wir uns mal vor, wir betreiben ein mittelständisches Unternehmen in China, so mit 4.000 beschäftigten und einem Jahresumsatz von 750M, oder einen Handwerksbetrieb in D, oder ein Taxiunternehmen auf der Achse des bösen, im arabischen Raum, oder ein Forschungsinstitut in Frankreich oder, oder, oder:

    Dann habe ich doch von nichts anderem geträumt, als so einem US Unternehmen meine Daten anzuvertrauen -oder? Gott sei Dank, gilt der Ami an sich doch als integer, transparent und neutral. Kein Unternehmen in einem anderen Land könnte diese große, vor uns liegende Aufgabe besser bearbeiten als MS -oder doch? Da fällt mir noch einer ein: Apple!

    ich könnte meinen Arsch -ne, ne Kiste Schumacher Alt, ist wertvoller! darauf verwetten, dass von dem Cloud-Kram in 2 Jahren kein Mensch mehr spricht, MS aber (endlich mal) in´s Schlingern geraten ist. Also: Verkauft eure MS Aktien!

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