Mobile World Congress Barcelona : Internet-Riese Google will den Handymarkt aufmischen

Mobile World Congress Barcelona : Internet-Riese Google will den Handymarkt aufmischen

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Mobiltelefone auf der Mobilfunk-Messe Mobile World Congress in Barcelona.

Die Grenzen zwischen Internet und Mobilfunk verwischen: Internetunternehmen tummeln sich im Handy-Geschäft, Handy-Hersteller wollen mit Online-Diensten Kunden gewinnen. Die neuesten Trends vom Mobile World Congress in Barcelona.

Der Suchmaschinen-Anbieter Google hat zusammen mit zahlreichen anderen Firmen ein Betriebssystem fürs Mobiltelefon entwickelt. Auf der Messe wurden jetzt erste Prototypen gezeigt, die mit dem Programm Android ausgestattet sind. Verschiedene Handy-Zulieferer wie Texas Instruments oder Qualcomm stellten die Geräte an ihren Messeständen aus. Es handele sich ausschließlich um Prototypen, betonten Vertreter der Firmen. T-Mobile hat inzwischen bekannt gegeben, das erste Handy mit der Google-Software im vierten Quartal auf den Markt bringen zu wollen. Die Telefone sehen unterschiedlich aus. Einige der Prototypen jedenfalls erinnern äußerlich verblüffend ähnlich an E-Mail-Geräte von BlackBerry oder Nokia, andere lassen sich über berührungsempfindliche Bildschirme steuern. Was sie aber gemeinsam haben: Sie haben alle eine schnelle Internet-Verbindung.

Hinter dem offenen Betriebssystem Android steht die Open Handset Alliance, ein Zusammenschluss von mehr als 30 Geräteherstellern und Mobilfunk-Anbietern.  Die Branche wartet gespannt auf den Zeitpunkt, zu dem die Allianz um den Internet-Riesen Google in den Mobilfunkmarkt eintritt. Nach Analystenschätzungen könnten Android-Geräte bis Jahresende einen Anteil von zwei Prozent am weltweiten Mobilfunkmarkt haben.

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Der Internet-Riese Google will zudem seine Dominanz bei Internet-Werbung auf mobile Dienste ausweiten und könnte damit die Geschäftsmodelle in der Branche verändern. Das Unternehmen will sich damit jedoch noch Zeit lassen. Google-Manager Rich Miner gab in Barcelona bekannt, zum Start von Android im zweiten Halbjahr dieses Jahres werde es noch keine speziellen Werbe-Angebote geben. „Wir haben keine Eile. Wichtig ist, zunächst einmal eine gute Plattform am Markt zu etablieren.“ Letztendlich werde Handy-Werbung aber kommen. Auf einen Zeitraum dafür wollte sich Miner, der bei Google den Bereich mobile Plattformen betreut, nicht festlegen.

Während Google als Internetfirma im Mobilfunk-Markt mitmischen will, macht der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia ernst damit, sich auch als Dienste-Anbieter zu etablieren. Über das Online-Portal Ovi könne der Nutzer bald Musik, Spiele und Navigations-Dienste kaufen oder sich an Online-Netzwerken beteiligen, sagte der zuständige Nokia-Bereichschef Niklas Savander in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Das Projekt werde im zweiten Quartal nach längerer Vorbereitung starten. Einen Schwerpunkt setzt Nokia auf Navigation per Handy und dabei auf den neuen Dienst für Fußgänger.

Der finnische Konzern hatte bei Mobiltelefonen zuletzt einen Marktanteil von 40 Prozent. „Dank unserer Größe können wir mit einer Geschäftsentscheidung eine Funktion gleich auf hunderte Millionen Handys bringen. Die Frage ist dann, ob die Menschen das alles auch tatsächlich nutzen.“ sagte Savander. Große Hoffnungen für zukünftiges Wachstum setzt Savander auf noch wenig erschlossene Länder, vor allem Afrika. „Die Menschen dort kennen das Internet noch gar nicht. Wir könnten uns also als Marke etablieren, die den Zugang zum Internet bringt.“ Allerdings müsse man in Kauf nehmen, dass die Menschen dort pro Monat vielleicht nur ein bis zwei Euro für Telekom-Dienstleistungen ausgeben können. Nokia kaufte sich das Dienste-Geschäft durch eine Serie von Übernahmen zusammen. Die Herausforderung sei nun, die verschiedenen Angebote unter einem Dach zu integrieren, fügte Savander hinzu. Nokia baue auch Server-Farmen an mehrern Punkten in Europa auf, um den Datenverkehr zu bewältigen.

Vodafone-Chef Arun Sarin reagierte gelassen auf Nokias Pläne. „Wir haben da eine sehr pragmatische Sicht auf die Dinge“, sagte Sarin. Mehr Auswahl für die Kunden belebe das Geschäft. Mit Blick auf das geplante Nokia-Diensteportal Ovi sagte Sarin: „Wir haben eigene Produkte, an denen wir ständig arbeiten. Es gibt sicherlich einige Kunden, die zu Ovi greifen. Aber es wird keine Probleme geben, solange der Verbraucher die Wahl hat.“ Nokia werde die eigenen Dienste schließlich nur parallel zu denen von Vodafone anbieten. Andere Mobilfunkanbieter sehen den Nokia-Vorstoß kritisch, da sie fürchten, der Handy-Riese könnte ihnen das Wasser abgraben.

Auf dem wachsenden Markt für Musik aufs Handy gibt es frische Konkurrenz von einem britischen Anbieter. Omnifone will ein Geschäftsmodell etablieren, bei dem das uneingeschränkte Herunterladen von Musik auf das Mobiltelefon bereits im Tarifplan des Netzbetreibers enthalten ist. Anders als bei bisherigen Abo-Angeboten können Nutzer bei dem Omnifone-Dienst MusicStation Max die heruntergeladenen Songs auch nach Ablauf ihres Vertrages weiternutzen.

Einen Partner hat Omnifone schon an der Angel: Der südkoreanische Handy-Hersteller LG Electronics wird für MusicStation Max ein spezielles Handy bauen, teilten die beiden Unternehmen auf der Mobile World Congress mit. Es soll einen berührungsempfindlichen Bildschirm haben und auch den Austausch von Musikstücken und Songlisten zwischen den Nutzern unterstützen. Ein Teil des Handy-Verkaufspreises werde an die Musikkonzerne gehen. Das Geschäftsmodell könne auch auf andere Inhalte wie Videos ausgeweitet werden. Omnifone hat nach eigenen Angaben alle vier großen Musikkonzerne und mehrere führende Mobilfunk-Netzbetreiber als Partner für den neuen Dienst gewonnen.

Musik-Downloads direkt auf das Handy sind aber immer noch ein Nischenmarkt, auch angesichts der bisher höheren Preise als beim Kauf von Musikstücken am PC. Im November startete Omnifone in Großbritannien bereits einen Dienst, bei dem Musik uneingeschränkt für 1,99 Pfund die Woche heruntergeladen werden kann. Omnifone hat starke Konkurrenten: Apple brachte im vergangenen Jahr das iPhone heraus. Sein Online-Shop iTunes, Marktführer bei Internet-Musikdownloads, gibts damit auch fürs Handy. Nokia will einen starken iTunes-Konkurrenten aufbauen. Nach dem Start seines Musikdienstes in Großbritannien im vergangenen November will der weltgrößte Handy-Hersteller im ersten Halbjahr 2008 in zehn weiteren Ländern auf den Markt gehen, darunter Deutschland. Auch Omnifone will MusicStation Max bis Jahresmitte starten.

Zur Messe in Barcelona hat sich jetzt auch die Politik zu Wort gemeldet. Die EU-Kommission hat den Mobilfunkbetreibern ein Ultimatum gestellt: Kommissarin Viviane Reding forderte die Unternehmen auf, die Auslandspreise für SMS und andere Datendienste via Handy herunterzusetzen. Wenn sich bis zum 1. Juli keine deutlichen Preissenkungen abzeichneten, werde sie gesetzliche Maßnahmen vorschlagen, erklärte Reding. Erst im vergangenen Jahr hatte sie eine Preissenkung für Mobilfunkgespräche im EU-Ausland durchgesetzt. „Ich verspüre keinerlei Appetit, schon wieder zur Regulierung zu greifen. Aber um das zu vermeiden, muss die Industrie durch glaubwürdige Preissenkungen zeigen, dass sie auf die Sorgen der Verbraucher reagiert“, erklärte Reding vor führenden Vertretern der Mobilfunkindustrie. Das grenzüberschreitende Versenden von SMS sollte höchstens zwei bis drei Cent mehr kosten als im Inland, forderte die Medienkommissarin.

E-Plus und vier weitere große europäische Mobilfunkanbieter hatten angekündigt, die Auslandspreise für die Nutzung von Datendiensten via Handy zu senken. Ab dem 1. März solle der Großhandelspreis für ein Megabyte übertragene Daten auf 25 Cent sinken, erklärten die Unternehmen, die in zehn Ländern Mobilfunknetze betreiben. Wie weit dadurch die Endkundenpreise sinken werden, legten sie jedoch nicht fest.

Vodafone-Chef Sarin reagierte kritisch auf das Ultimatum der EU-Kommissarin. „Meiner Meinung nach sollte der Regulierer keinen Einfluss auf den Markt nehmen, wenn dieser funktioniert. Und in Europa funktioniert der Markt“, sagte Sarin. „Der Wettbewerb ist sehr hart, die Preise fallen jedes Jahr.“ Daher sei die Drohung von Reding, die Roaming-Preise zu beschneiden, „unangemessen“. „Wenn sie Endpreise regulieren, würgen sie Innovationen ab.“

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