Mobile World Congress: Handy-Messe: Wer landet den großen Coup?

Mobile World Congress: Handy-Messe: Wer landet den großen Coup?

Bild vergrößern

Neues Handy-Modell: Die Sony-Ericsson-Manager Steve Walker (l.) und Lennard Hoornik präsentieren das Idou

Großes Staunen ist beim Mobile World Congress in Barcelona bislang ausgeblieben. Dort trifft sich mal wieder wieder das "Who is Who" der Mobilfunkbranche. WirtschaftsWoche-Redakteur Sebastian Schulte ist auf der Messe unterwegs.

Dass das "Aha-Erlebnis" diesmal kleiner ausfallen würde, haben viele wohl schon befürchtet. In Halle 8, wo Nokia, Motorola und andere Größen unter den Handy-Herstellern für vier Tage ihr Zuhause gefunden haben, herrscht nicht die Hektik, die manch ein Besucher noch vom vergangenen Jahr her gewohnt war. Auch nach der Nokia-Pressekonferenz können Interessierte noch ohne Navigationssystem und ohne größeren Stau die Neuheiten des finnischen Weltmarktführers bestaunen.

In der N-Serie gab's - wie enttäuschend - überhaupt nichts Neues. Kai Öistämö, Chef der Handy-Sparte, erwähnte lediglich, dass das schon im Dezember vorgestellte neue Flaggschiff der Finnen, das N97, im Juni endlich in die Läden kommen soll. Doch wer Nokia kennt, weiß, dass die Terminangaben für Marktstarts nur vorläufig sind - mit Verzögerungen ist zu rechnen. (Anm. d. Red.: Erst einen Tag später, also am 17. Februar, tauchte Nokias neues Flaggschiff auf, und zwar in Singapur: Das N86 8MB ist mit einem Hightech-Display ausgestattet und besitzt unter anderem eine Funktion, um Videos aufzeichnen zu können.)

Anzeige

Brandheiß hingegen ist das E75, Nokias neuer Communicator, der insbesondere Geschäftskunden interessieren dürfte. Dabei brechen die Finnen mit einer Tradition: Der neue "Commi" wird nur noch ein Display besitzen. Damit wird es kleiner, handlicher und leichter. Manager, die das Modell in der Sakkotasche umhertragen, dürfte das freuen.

Dass Unternehmen mit einem "App Store" - also einem Online-Shop, in dem Software für das Handy verkauft werden - gut Geld verdienen können, hat Apple mit dem iPhone vorgemacht. Geheimnis dabei ist ein Mix aus Umsonst-Programmen und Anwendungen, für die der Nutzer Geld zahlen muss: Das kostenlose Angebote soll den Kunden nur in den Online-Shop locken.

Google setzt in Kooperation mit dem Handy-Hersteller HTC und T-Mobile als Mobilfunknetzbetreiber für sein nagelneues Betriebssystem Android zunächst ganz auf die Kostenlos-Schiene. RIM baut gerade für seine Blackberrys einen "App Store" auf - und so versteht es sich fast von selbst, dass Nokia etwas von dem lukrativen Kuchen abhaben möchte. Bislang fristete Nokias neuer Online-Dienst Ovi (finnisch für Tür) eher ein Schattendasein. Der Grund: Ovi entwickelt sich aber eher schleppend, zudem gab es zunächst massiven Widerstand von Mobilfunk-Betreibern, die sich benachteiligt fühlten. Doch jetzt wollen die Finnen durchstarten - und wie!

E-Mail, Musik, Dateien aller Art, Fotos, Informationen über den eigenen Standort samt Kartenmaterial - und das Ganze zunächst einmal, ohne dass der Nutzer dafür einen Euro berappen muss. Doch auch bei Nokia dürften einige Dienste irgendwann kostenpflichtig werden, verrät die freundliche Mitarbeiterin am Messestand.

Konzern-Chef Olli-Pekka Kallasvuo ist davon überzeugt, dass Ovi ein Erfolg werden wird: "Mit einer Milliarde Nutzern von Nokia-Handys haben wir eine solide Basis.". Und in Zeiten, in denen der Handy-Absatz weltweit zurückgeht, will sich Nokia stärker als Diensteanbieter positionieren. Klar, dass die Finnen für Ovi möglichst schnell eine eigene Community aufbauen wollen: Nutzer können Informationen, Daten und Dateien untereinander austauschen. Vernetzung ist ja auch mobil nur wirklich sinnvoll.

Der mobile Anrufbeantworter kann mehr

Darauf setzt auch Comverse, die Ideenschmiede für Mobilfunkdienste der Zukunft, die in Israel und den USA beheimatet ist. Wer in Deutschland Vodafone-Kunde ist, nutzt möglicherweise einen der Dienste, die von den Comverse-Tüftlern entwickelt worden ist, nämlich die "Visual Voicemail". Hinterlässt ein Freund eine Nachricht auf dem mobilen Anrufbeantworter, wird das Ganze per Multimedia-Nachricht aufs eigene Handy übertragen. Ähnliches kennen iPhone-Nutzer schon länger im deutschen T-Mobile-Netz.

Die Comverse-Techniker konnten Microsoft begeistern, den "Visual Voicemail"-Dienst jetzt auch auf den TV-Bildschirm zu bringen. Eingebettet in den Microsoft Home Server muss sich niemand mehr bemühen, beim Filmegucken aus dem Fernsehsessel zu erheben, um das klingelnde Handy ruhig zu stellen. Die Nachrichten gelangen automatisch auf den Fernsehschirm und kann auch abgehört werden.

Während Comverse mit dem Big Player aus Redmond ein viel versprechender Deal geglückt ist, läuft's mit der neuen Facebook-Anwendung noch nicht so rund. "Die Mobilfunkanbieter sind noch zurückhaltend", fasst es Steve Eisenberg, Pressesprecher bei Comverse, zusammen. Dabei wäre das ein Dienst ganz nach dem Geschmack vieler Facebook-Nutzer. Facebook ist ein Online-Angebot, das dem Nutzer erlaubt, weltweit Freundschaften aufzubauen und zu pflegen.

Solche "Social Network Services" gibt es viele - Facebook ist das wohl bekannteste. Geht es nach Comverse kann man künftig vom eigenen Handy beliebige Sprachnachrichten an die Facebook-Freunde senden und seine Online-Bekanntschaften ganz einfach übers eigene Mobiltelefon managen. Textbasiert existieren solche Programme schon, sprachbasiert - und damit viel einfacher zu nutzen - sind sie doch eine kleine technische Revolution.

Idou: Außen Sony Ericsson, innen Nokia

In diese Kategorie fällt auch Sony Ericssons neues Mobilgerät "Idou". Mit dieser Entwicklung will der Handy-Hersteller Sony Ericsson wieder Anschluss zur Konkurrenz finden. Das Touchscreen-Handy mit einer 12-Megapixel-Kamera soll mit dem Nokia-Betriebssystem Symbian laufen und in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen. Enttäuschend dagegen: Mehr als die bloße Info, dass Sony Ericsson gleichzeit Geräte mit Googles Betriebssystem Android entwickeln würde, war nicht zu hören. Die Katze aus dem Sack wollte das Gemeinschaftsunternehmen des japanischen Elektronik-Konzerns Sony und des schwedischen Netzwerk-Ausrüsters Ericsson nicht lassen.

„Wir wollen unsere Kundenbasis sichern, neue Umsatzmöglichkeiten durch neue Dienste schaffen und unsere Marke positionieren", gab Marketing-Chef Lennard Hoornik am Sonntagabend die Richtung vor. Mit dem Fokus auf Musik und Video versucht Sony Ericsson den Erfolg des US-Konkurrenten Apple zu kopieren, der seinen Online-Shop iTunes mit dem iPhone-Handy auch in der Mobilfunk-Welt etabliert hat. Das ist auch bitter nötig, denn das japanisch-schwedische Joint-venture steckte zuletzt in den roten Zahlen. Der Marktanteil fiel Ende 2008 auf 8,4 Prozent von 9,3 Prozent ein Jahr zuvor. Sony Ericsson hätte gut daran getan, ein Online-Angebot wie Apples iTunes in Barcelona vorzustellen.

Und so hält sich das Staunen der meisten Messebesucher in Barcelona bis jetzt noch in Grenzen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%