Mobile World Congress in Barcelona: Internet und Fernsehen via Handy werden endlich flügge

Mobile World Congress in Barcelona: Internet und Fernsehen via Handy werden endlich flügge

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Das N96 von Nokia kommt unter anderem mit einem DVB-H-Modul für den Fernsehempfang daher. (Nokia/dpa/tmn)

Barcelona wird für vier Tage zum Mekka der Mobilfunk-Branche. In der spanischen Metropole zeigen 1300 Aussteller aus 183 Ländern seit heute auf dem Mobile World Congress die neuesten Trends und Techniken. WirtschaftsWoche-Redakteur Sebastian Schulte hat sich auf der weltgrößten Mobilfunkmesse umgesehen. Sein erster Eindruck: Mobiles Internet und Fernsehen kommt aus den Kinderschuhen heraus.

Schon beim ersten Rundgang über das Messegelände wird klar: Apple-Chef Steve Jobs könnte mit dem iPhone das gelingen, was Mobilfunkanbieter und Gerätehersteller bislang vergeblich versucht haben - das Internet mobil zu machen. Die Mobilfunkbranche sucht fieberhaft nach neuen Ideen, wie man mit Datendiensten Geld verdienen kann, denn die Umsätze mit Sprachtelefonie sinken stetig. Jahrelang haben die Netzbetreiber  Milliarden in den Aufbau superschneller Netze investiert. Doch die vielfach teuren Datentarife und die teilweise umständliche Bedienung auf den viel zu kleinen Handybildschirmen sorgten bei den Kunden eher für Verdruss als für Genuss. Jetzt kann die Branche Morgenluft wittern. Das "Internet in der Tasche" könnte endlich zum Renner werden und auch den Massenmarkt erobern. Das iPhone zeigt, dass Verbraucher bei richtigem Bedienkomfort - der große, berührungsempfindliche Bildschirm mit intuitiver Bedienung und "All inclusive"-Datentarife machen es möglich - auch unterwegs im Web surfen.

Da wundert es nicht, dass Nokia unter anderem den Nachfolger seines Flagschiffs N95, das heute in Barcelona vorgestellte N96, für die Nutzung von Videos und mobilem Fernsehen optimiert und daher mit einem extra großen Bildschirm ausgestattet hat. Der kurze Praxistest zeigt: Der Zugriff auf Videos im Internet funktioniert schnell und einfach. Filme und Clips von 40 Stunden Länge passen in den sensationellen 16 Gigabyte großen Speicher, der sogar noch erweitert werden kann. Das würde viel zu lange dauern, um an Ort und Stelle zu überprüfen, ob die Finnen nicht übertrieben haben. "Eigentlich ist das ja schon ein richtiger Mini-Computer", meint der junge Mann vom Nokia-Stand nicht ohne Stolz, während er die Funktionen des N96 demonstriert. Dass man mit diesem Smartphone auch telefonieren kann, gerät fast zur Nebensache.

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Auch bei den Smartphones ist Handy-Weltmarktführer Nokia die Nummer eins und hat bereits rund die Hälfte des Marktes erobert. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Apple und Google könnten in den nächsten Jahren dafür sorgen, dass sich die Gewichte verschieben. So erwarten die mehr als 55.000 Messebesucher, dass in Barcelona erstmals auch Geräte-Prototypen von Googles neuem Betriebssystem Android vorgestellt werden, von dem sich Experte attraktive neue Dienste versprechen. Ob Nokias N96, Apples iPhone oder das "Google-Handy" - Smartphones sind ein schnell wachsendes Geschäft, das im Grunde genommen noch am Anfang steht. Dennoch: Im vergangenen Jahr stieg der Absatz um 60 Prozent auf insgesamt etwa 115 Millionen Geräte, die aber immer noch nur etwa ein Zehntel des gesamten Handy-Marktes ausmachen. Der Mobile World Congress zeigt hier die große Design-Vielfalt bei diesem Gerätetyp: von kompletten Tastaturen wie beim E-Mail-Handy Blackberry bis zum berührungsempfindlichen Bildschirm des iPhone. Und damit beim Filmeschauen, Chatten und Fernsehen den High-Tech-Geräten nicht der Saft ausgeht, will Intel mit seinen sparsamen und leistungsstarken Silverthorne-Chips dafür sorgen, das die Akkus länger halten.

Branche setzt auf Navigation

Die Orientierung auf einer Messe wie dem Mobile World Congress ist gar nicht so einfach. Als der Branchentreff noch im südfranzösischen Cannes stattfand, ging es doch etwas beschaulicher zu. Man traf sich auf einen Kaffee oder ein Glas Champagner auf einer eigens gecharterten Yacht und plauderte ganz nebenbei mit dem Technik-Vorstand eines Unternehmens über die brandaktuellen Innovationen seiner Firma. Wie gut wäre es da, wenn der Messebesucher in Barcelona ein Navigationsgerät zur Hand hätte, um sich zu den Standorten der einzelnen Aussteller in den acht Hallen ganz einfach führen zu lassen - mit der Möglichkeit, gleich auch noch einen Gesprächstermin online zu vereinbaren oder das Mittagessen wegen des schon seit geraumer Zeit bedrohlich knurrenden Magens vorzubestellen.

Diesen elektronischen Alleskönner gibt es zwar in Barcelona nicht zu bewundern, dafür zeigt auch beim Thema Navigation und Ortung wieder einmal Nokia, dass mobile Lotsendienste in Zukunft die Kassen der Unternehmen klingeln lassen könnten. Die Nachricht, dass die Finnen für rund acht Milliarden Dollar den amerikanischen Anbieter digitaler Straßenkarten, Navteq, übernommen haben, passt da ganz ins Bild. Der Nokia-Konzern, der in Deutschland wegen der Schließung seines Bochumer Werks derzeit mit Imageproblemen zu kämpfen hat, will neue, günstigere Handymodelle mit GPS-Ortungsfunktion auf den Markt bringen. Sie sollen nicht nur Autofahrern, sondern künftig auch Fussgängern den richtigen Weg zum Ziel weisen. Konzernchef Olli-Pekka Kallasvuo kündigte heute an, in diesem Jahr 35 Millionen GPS-Handys verkaufen zu wollen. Dabei geht es Nokia & Co. aber gar nicht nur darum, dem Nutzer des Geräts den richtigen Weg zu beschreiben. Standort-basierte Dienste - auf Neudeutsch "Location-based services" (LBS) genannt - sollen es Menschen gezielt mit Werbung ansprechen. Geschäfte oder Restaurants könnten den potenziellen Kunden in ihrer Nähe so Werbung direkt aufs Handy schicken. Ein Trend, den auch Garmin aufgreift: Der Navigationsgeräte-Hersteller präsentiert in Barcelona sein erstes Gerät, das GPS-Ortung, mobiles Internet und Telefonie vereint: das "nüvifone".

Der Traum von einem einzigen mobilen Dienst, der bei den Netzbetreibern dafür sorgen würde, dass sich die milliardenschweren Investitionen in die Lizenzen für die dritte Mobilfunkgeneration amortisieren, ist schon lange ausgeträumt. Stattdessen setzen Netzbetreiber, Gerätehersteller und Diensteanbieter inzwischen auf eine Vielzahl von Produkten für unterwegs. SonyEricsson hat in Barcelona beispielsweise das neue Walkman-Handy W980 vorgestellt, mit dem der Nutzer rund 8000 Lieder speichern und über einen Transmitter sogar über das Autoradio wiedergeben kann. Damit will das Unternehmen den Erzrivalen Motorola, immerhin weltweit die Nummer drei unter den Handyherstellern, seinen Platz streitig machen. Doch nicht immer läuft für die Anbieter alles wie am Schnürchen: Nokias groß angekündigtes Musikangebot Ovi ist bislang nur in Großbritannien gestartet. Wie in Barcelona spekuliert wird, könnte jetzt das britische Unternehmen Omnifone Nokia die Schau stehlen und ein eigenes Musik-Handy mit Zugang zu Songs der großen Musikkonzerne vorstellen.

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