Mobile World Congress: Mobilfunk-Messe: Wolken über Barcelona

Mobile World Congress: Mobilfunk-Messe: Wolken über Barcelona

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Sony Ericssons neues Mobiltelefon "Idou" bei der Präsentation auf dem Mobile World Congress in Barcelona am 15. Februar 2009.

Nach Jahren scheinbar unaufhaltsamen Wachstums kommt die Mobilfunkindustrie in diesen Tagen erstmals im Zeichen der Krise zum Mobile World Congress, dem alljährlichen Branchentreffen, in Barcelona zusammen. WirtschaftsWoche-Redakteur Thomas Kuhn hat sich umgeschaut.

Barcelona Mitte Februar, das bedeutete für die Manager der erfolgsverwöhnten Mobilfunkbranche in den vergangenen Jahren vor allem dreierlei: Vor allem natürlich beste Geschäfte auf dem Mobile World Congress gleich zu Beginn des neuen Geschäftsjahres, dann einen umfassenden Trend und Technologiecheck und schließlich - speziell für die Besucher aus den frostigeren Regionen Europas - einen sonnigen Vorgeschmack auf den kommenden Frühling.

In diesem Jahr ist alles anders. Und, dass ausgerechnet am Vorabend des Messebeginns statt strahlend blauen Himmels dichte Wolken den Himmel über der Stadt verdunkelten, ist da nur der atmosphärische Ausdruck eines insgesamt deutlich gedämpften Branchenklimas. Denn die über Jahre von satten Wachstumsraten verwöhnten Anbieter von Handys, Netztechnik und Mobilfunkdiensten stellen sich auf einen spürbaren Rückgang des Geschäfts ein.

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Wie eine Dominoreihe setzt sich der Nachfragerückgang auch in der Handywelt quer durch den Markt fort. Sinkende Kundennachfrage nach neuen Handys führt nicht nur zu schrumpfenden Orders der Netzbetreiber bei den Geräteproduzenten. Auch die Bestellungen bei den ohnehin nicht gerade prosperierenden Herstellern von Netzinfrastruktur gehen zurück.

Neue Geräte für das mobile Internet

Einzig die Anbieter von Mobilfunkdiensten könnten nach Branchenschätzungen von der Nachfragedelle bei neuen Endgeräten profitieren. T-Mobile-Chef Hamid Akhavan etwa erklärte unlängst, er hoffe auf steigende Profitabilität des Geschäfts, wenn die Kundschaft weniger (subventionierte) Handys  kaufe, dafür aber intensiver Mobilfunkdienste wie etwa mobile E-Mail oder Internetzugänge nutze.

Dabei ist es keineswegs so, dass die Branche keine Neuheiten und Wachstumsthemen zu diskutieren hätte: Zum einen müssen die Netzbetreiber entscheiden, mit welcher Technologie sie die künftigen, noch schnellern Funknetze aufbauen wollen. Wimax und LTE heißen die Konkurrenten – die auch am Handy Datenaustausch mit der Geschwindigkeit schneller DSL-Festnetz-Onlinezugänge möglich machen wollen. Im vergangenen Jahr schien sich bei den etablierten Telekoms eher eine Präferenz für LTE abzuzeichnen. Entschieden aber ist noch nichts – und deutsche Netzbetreiber wie etwa T-Mobile oder Vodafone testen gegenwärtig beide Technologien. Umso vehementer werden die Hersteller in diesem Jahr für ihre Systeme trommeln.

Nicht minder intensiv werben auch die Handygrößen für Ihre Produkte. Egal ob Nokia, Samsung, LG oder Palm – alles was Rang und Namen hat, setzt massiv auf die Verschmelzung von Mobiltelefonie und mobilem Internet. Die Blaupause der Branche ist weiterhin Apples iPhone und allen haben die Fährte aufgenommen. Nokias N97 aber auch der unlängst auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas vorgestellte Palm Pre etwa haben Apples Idee jüngst weiter entwickelt – und weitere Neuigkeiten von Microsoft bis Samsung werden in diesen Tagen in Barcelona erwartet.

iPhone-Interpretationen der Konkurrenz

Den Anfang hat Sony Ericsson am Messevorabend gemacht und einen Prototypen seiner Interpretation des iPhone-Themas vorgestellt, Codename: „Idou“. Ein Multimedia-Handy, mit 3,5-Zoll-Touchscreen und eingebauter 12-Megapixel-Kamera, das vermutlich die Cybershot- und Walkman-Produktlinien zusammenführen soll. „Vermutlich“, denn so recht ließ der Hersteller die Katze noch nicht aus dem Sack. Was das „Idou“ kosten könnte, blieb ebenso unklar wie weitere technische Details. Irgendwann in der zweiten Jahreshälfte soll es wohl in die Läden kommen.

Wesentlich verlässlicher sind dagegen die Prognosen der Wetterfrösche für die Messestadt am Mittelmeer: Von Montag an sollen sich die Wolken zunehmend verziehen und die Temperaturen von vergleichsweise frostigen 9 auf sonnige 16 Grad am Mittwoch ansteigen.Sonne über Barcelona - vielleicht ja auch ein gutes Omen für die ganze Branche.

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