Mobiles Internet: Highspeed-Netz für Brandenburg

Mobiles Internet: Highspeed-Netz für Brandenburg

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In Regionen, die bisher nur mit herkömmlichen Mobilfunkmasten ausgestattet sind, soll der schnelle UMTS-Datenfunk ausgebaut werden

Brandenburg wird zum Testfeld für den Anschluss der Bürger an das schnelle Internet per Funk.

Es muss eine Mischung aus Kupfer- und Devisenmangel gewesen sein, die die Ingenieure der DDR-Post zur Improvisation trieb: Statt der weltweit üblichen Kupferdrähte verlegten sie bis zur Wende ein Sammelsurium von Leitungen aus verschiedensten Metallen. „Für Sprache mag das gereicht haben“, sagt Sascha Bakarinow. „Aber als Übertragungsweg für das schnelle Breitband-Internet können wir es vergessen.“ Genau das ist Bakarinows Problem. Der Chef des Referates Rundfunk und Medienpolitik in der brandenburgischen Staatskanzlei soll bis Ende 2009 vier Fünfteln der Haushalte Brandenburgs den Zugang zum schnellen Internet ermöglichen. Alle anderen sollen bis 2010 angeschlossen werden. Das hat Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) kurz vor Weihnachten angekündigt und dem Land gleichzeitig eine regionale Breitbandstrategie verordnet.

Die Zeit drängt. Denn Brandenburg liegt bei der Verfügbarkeit schneller DSL-Zugänge weit zurück. Nur 40 Prozent der Haushalte zwischen Lausitz und Uckermark besitzen laut Branchenverband Bitkom bereits einen schnellen Online-Anschluss – im Bundesdurchschnitt sind es knapp 60 Prozent. Breitband-Internet ist zwischen 20- und 200-mal schneller als eine ISDN-Verbindung. Den Turbo-Zugang aber brauchen die Nutzer, um etwa Videos in hoher Auflösung im Netz anzusehen oder um zügig Fotos und Musikdateien herunterladen zu können.

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UMTS Datenfunk statt Kabel in der Erde

Doch rund 600.000 Einwohner des Landes haben derzeit technisch nicht die Möglichkeit, einen DSL-Anschluss zu bekommen. Empfangsstörung melden auch viele Unternehmen: Etwa 20.000 Gewerbebetriebe müssen laut Landesregierung ohne Breitband-Internet auskommen. Damit sich das ändert, setzt Bakarinow nun auf alternative schnurlose Zugangstechnik. Das macht Brandenburg zum Testfeld mehrerer Turbo-Internet-Systeme – und zum Vorbild für andere Bundesländer:

In Regionen, die bisher nur mit herkömmlichen Mobilfunkmasten ausgestattet sind, soll der schnelle UMTS-Datenfunk ausgebaut werden. Dazu will die Deutsche Telekom bis 2010 rund 150 zusätzliche UMTS-Standorte in Brandenburg einrichten.Für den Rest des Landes, und damit für ein Fünftel der Bevölkerung, setzen die Landesregierung und ihre Technologiepartner auf Funk.

Das Besondere daran: Die Internet-Funksignale werden auf den ehemaligen analogen TV-Kanälen ausgestrahlt, die nach der Umstellung auf das digitale Antennenfernsehen nicht mehr genutzt werden. Diese freien Frequenzbänder, in der Branche „digitale Dividende“ genannt, sind langwelliger als Mobilfunk. Das Signal dringt so besser durch Häuser und andere Hindernisse. Zudem reicht es deutlich weiter – ein großer Kostenvorteil. Denn Bakarinows Vorgabe ist klar: „Auch die alternativen Angebote sollen sich am DSL-Niveau orientieren.“

Ein erster Pilotversuch der Telekom-Tochter T-Mobile startete Ende 2008 in der Nähe von Wittstock. Bis Ende 2009 sollen hier rund 100 Testnutzer mit der sogenannten CDMA-Technik ins Netz gehen. Bei dem Funkverfahren, das die Deutsche Telekom schon in Tschechien anbietet, werden mehrere Datenströme auf einem Frequenzbereich übertragen. Das Problem: CDMA überstrahlt Nachbarkanäle, wodurch angrenzende Frequenzen als Puffer frei bleiben müssen.

Das Problem löst der bayrische Internet-Versorger Mvox. Dessen neue CIFDM-Technologie stört keine Nachbarkanäle und benötigt daher weniger Frequenzraum.

Die neue Funktechnik soll in den Rauener Bergen, östlich von Berlin, in den Test gehen. Von einem früheren russischen Sendemast aus will Mvox ab Ende März bis zu 1000 Haushalte in 50 Kilometern Umkreis mit Internet versorgen. Die Mvox-Technik ist eine Weiterentwicklung des Wimax-Verfahrens, das in Städten wie Berlin und Dresden zur drahtlosen Internet-Versorgung eingesetzt wird. Doch während Wimax-Anbieter Bits mit 3400 bis 3600 Megahertz durch den Äther jagen, sendet Mvox in Brandenburg auf den alten TV-Bändern ab 400 Megahertz.

Besteht die Technik den Test, müsste Mvox bis Jahresende 200 Basisstationen im Land einrichten, um die Lücken in Brandenburgs Breitband-Versorgung zu stopfen. Die Investition von 20 bis 30 Millionen Euro würde das Unternehmen tragen, das Land müsste die Sendestandorte bereitstellen. „Der Plan ist sportlich“, sagt Mvox-Chef Herbert Klotz. „Aber er ist realisierbar“.

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