Mobilfunk: Handy-Hersteller gehen mit Prototypen sorglos um

Mobilfunk: Handy-Hersteller gehen mit Prototypen sorglos um

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Marktanteile der Smartphone-Hersteller (in Prozent)

von Thomas Stölzel

Reihenweise verschwinden Prototypen aus den Labors der Handy- und Smartphone-Hersteller. Die sind daran nicht ganz schuldlos.

Es war eine ungewöhnliche Bitte, die Nokia vor Kurzem im eigenen Weblog veröffentlicht hat: „Wir hätten gern unseren Prototypen zurück“, flehte der finnische Handyhersteller. Die russische Web-Site Mobile-Review.com hatte zuvor einen Testbericht des damals noch geheimen Smartphones ins Netz gestellt, des ersten Geräts mit dem neuen Betriebssystem Symbian 3. Doch der Aufruf verhallte. Inzwischen habe der Konzern die russischen Behörden eingeschaltet, sagt Nokia-Sprecher Doug Dawson.

Noch nie waren Handy-Prototypen so gefragt wie derzeit – Testgeräte, die die Hersteller vor Beginn der Serienproduktion anfertigen. „Solche Geräte sind im Visier, weil es nicht mehr simple Han-dys, sondern echte Kleincomputer sind“, sagt Nikolaus Mohr, Telekommunikations-Experte beim Unternehmensberater Accenture. Das sei eine lukrative Gerätegattung, in der viel Wettbewerb entstehe. „Das macht Smartphones auch für Industriespionage interessant.“

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Technikfans brüsten sich im Internet damit, Prototypen ergattert zu haben. Wettbewerbern liefert solch ein Vorabexemplar wertvolle Hinweise, wenn sie darangehen, ein Konkurrenzprodukt zu entwickeln. Und Softwareentwickler können frühzeitig passende Zusatzangebote austüfteln.

Der taiwanische Branchenriese HTC entdeckte im Juni, dass ein Prototyp des Smartphones Wild-fire vor Marktstart auf einer holländischen Internet-Auktion aufgetaucht war. Schon 2009 war ein Mitarbeiter von Sony Ericsson aufgeflogen, der laut Polizei streng geheime Prototypen im Wert von 80 000 Euro eingesteckt hatte. In Barcelona verschwand ein Prototyp mit einer noch unveröffentlichten Version des Microsoft-Betriebssystems Windows Mo-bile aus der Tasche eines australischen Telekommanagers. Der prominenteste Fall geschah im April bei Apple. Ein Mitarbeiter hatte einen Prototypen des iPhone 4 in einer Bar liegen lassen. Darauf veröffentlichte der IT-Blog Gizmodo alle Details über das Gerät im Netz.

Laut Accenture-Manager Mohr gehen die Handybauer zu sorglos mit ihren Prototypen um: „Sie sollten sich an der Spielkonsolenindustrie orientieren.“ Der Markt sei ebenso umkämpft, aber dort dringe nie etwas nach außen. Nokia zumindest weiß um die Brisanz. „Fälle, in denen es um geistiges Eigentum geht, nehmen wir ernst“, sagt Sprecher Dawson. Denn einzelne Funktionen kann ein Konkurrent schnell abkupfern. Inzwischen hat Nokia eine interne Untersuchung gestartet, um Lecks aufzuspüren und zu schließen.

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