Mobilfunk-Typologie: Was ein Handy über seinen Besitzer verrät

Mobilfunk-Typologie: Was ein Handy über seinen Besitzer verrät

Bild vergrößern

Beziehungskisten

Trendforscher behaupten: Die Wahl des Mobilfunkgeräts verrät viel über einen Menschen. Der Versuch einer Typologie.

Als das iPhone auf den Markt kam, gab es für Wolfgang Reitzle kein Halten mehr: Als einer der ersten Deutschen legte sich der technikverliebte Linde-Chef das Apple-Handy zu, als die hauptsächlich privat genutzte Alternative zum Dienst-Blackberry. Und er gab auch keine Ruhe, bis er sämtliche Feinheiten und Funktionalitäten des neuen Telefons kannte. Reitzle, so erzählte Ehefrau Nina, opferte dafür fast eine ganze Nacht.

Reto Francioni, dem Schweizer Vorstandschef des High-Tech-Unternehmens Deutsche Börse, ist es hingegen herzlich egal, was er für ein Handy in der Tasche trägt und was dies alles kann – Hauptsache sein steinaltes „Nokia 63irgendwas“ baut unterwegs zuverlässig eine Telefonverbindung auf. Einen Blackberry hat er ebenso wenig wie einen Computer.

Anzeige

Die Mobilfunkgeräte verraten sehr viel über ihre Besitzer – ebenso viel wie die Klingeltöne, mit denen sie eingehende Anrufe signalisieren. „Die Handys sagen uns, wie die Menschen ticken, wie sie wahrgenommen werden wollen und welche Werte für sie wichtig sind“, behauptet der Hamburger Trendforscher Peter Wippermann, Inhaber eines Beratungsunternehmens für gesellschaftlichen Wandel. „In dem Moment, da ich mein Handy öffentlich nutze, können andere erkennen, wie ich die Welt sehe und zu welcher Gruppe ich gehören möchte.“

Wer beispielsweise als ernsthafter Manager wahrgenommen werden wolle, führe selbstverständlich einen Blackberry mit sich. Menschen mit einem iPhone hingegen seien eindeutig Lifestyle-orientiert und wahrscheinlich im Marketing heimisch. Und wer über Jahres hinweg an seinem Handy festhalte, sei „sehr wertkonservativ“ – oder verbinde romantische Geschichten damit. Wippermann: „Es gibt ja Menschen, die zertrümmern das Display ihres Handys, wenn eine Beziehung zerbricht, die mit intensivem Telefongebrauch verbunden war.“

Und das Mobiltelefon ist für immer mehr Nutzer ein Werkzeug zur Beziehungspflege. So ermittelte der Psychologe Alfred Gerbert, dass die Deutschen heute – auch Dank der Kommunikation per Handy – durchschnittlich 155 Bekanntschaften und neun enge Freunde haben. Deutlich mehr als in Vor-Handyzeiten. „1985 hatten wir durchschnittlich 35 entfernte Kontakte und sechs enge Freunde“, weiß der Professor.

Andere Zeiten, andere Sitten . Früher erkannte man Menschen männlichen Geschlechts an seinem Automobil oder an der Zigarettenschachtel, die er auf den Konferenztisch warf, noch früher an den Waffen, die er mit sich führte. Heute dient das Handy als Ego-Prothese: Je angesagter, leistungsstärker und teurer das Modell, umso wichtiger sein Besitzer. Wippermann: „Die Verpackung der Technik ist deshalb genauso wichtig wie sein Inhalt.“ Bestes Beispiel dafür seien die extrem teuren Vertu-Handys – Schmuckstücke auf Nokia-Basis mit dem Prestige einer Rolex-Uhr. Hier zählen mehr die haptischen und optischen Werte als der funktionale Kern.

Das Taschentelefon ein Statussymbol? Immerhin, aus den beruflichen Vieltelefonierern lassen sich eine Reihe von Nutzer-Typen destillieren. Die Spannweite reicht vom Informationsprofi bis zum Minimalisten. Während der eine von der E-Mail bis zu den Terminen am Wochenende Berufs- und Privatleben komplett per Smartphone organisiert, betrachtet der andere das Handy bestenfalls als nützliche Last in einem ansonsten größtmöglich analogen Leben.

Lesen Sie auf der nächsten Seite. welche Handytypen es gibt...

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%