Mobilfunktarife: Halbe Sache bei Vodafone

KommentarMobilfunktarife: Halbe Sache bei Vodafone

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Logo des Mobilfunkherstellers Vodafone

von Thomas Kuhn

Vodafone sorgt mit neuen Smartphone-Tarifen für schnelle Internet-Zugriffe für Aufsehen. Doch die Angebote versprechen mehr als sie halten.

Wer sich vor ein paar Jahren den Begriff "Datenautobahn" für's Internet ausgedacht hat, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Wie treffend er aber ist, wird immer klarer. Denn zum einen ist es faszinierend, mit welchen Geschwindigkeiten Informationen aller Art via Web rund um den Globus rasen. Oder jedenfalls rasen können, denn auch andere Autobahn-Phänomene lassen sich immer öfter auf die Internet-Kommunikation übertragen.

Allen voran der Stau. Denn dass E-Mails auf sich warten lassen, sich Web-Seiten im Browser quälend langsam aufbauen, oder Video-Streams stocken, all das ist inzwischen genauso alltäglich wie der alltägliche Stillstand auf der asphaltieren Autobahn. Und angesichts des aktuellen Booms des mobilen Internets, dass immer mehr Inhalte auch unterwegs auf die Smartphones bringt, erleben wir den digitalen Zähfluss nun auch auf den Online-Handys.

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Teurer Stillstand

Da ließ die gestrige Ankündigung von Vodafone aufhorchen, in den kommenden Monaten ein neues Preismodell für Internetzugriffe übers Smartphone etablieren zu wollen, bei dem Nutzer für höhere Preise auch höhere Geschwindigkeiten beim Internetzugriff unterwegs bekommen können. Mancher Kommentator sprach danach schon von einer "richtungsweisenden Ankündigung".

Das Potenzial dafür ist da. Immerhin investieren Vodafone und die Wettbewerber derzeit Millionenbeträge, um ihre Netze aufzurüsten. Schon jetzt sind zumindest in den Ballungsräumen vielfach Downloadgeschwindigkeiten auf dem Handy möglich, gegen die mancher schnelle DSL-Zugang zuhause oder im Büro an die Schneckenpost erinnert. Und der jüngst gestartete Aufbau der Funknetze der vierten Generation, das Branchenkürzel ist "LTE" - Long term evolution, ermöglicht unter günstigsten Umständen gar Downloads mit bis zu 100 Megabit/Sekunde.

Wer die nutzen will, der soll, so plant das - neben Vodafone - inzwischen die ganze Mobilfunkbranche, der möge für Mehrleistung bitte auch mehr bezahlen. Das ist legitim. Auch auf der realen Autobahn gilt: Wer mit dem Porsche über den Asphalt brettern will, der muss dafür mehr zahlen, als für die gemächlichere Reise mit dem Smart. So weit, so gut.

Problematisch wird der Vorstoß in Sachen höhere Preise aber trotzdem. Denn das Modell hat einen entscheidenden Schönheitsfehler: Die neuen Tarife versprechen mehr, als sie halten. Die Mobilfunker wollen zwar einen Aufpreis für die theoretische Höchstgeschwindigkeit der Datenübertragung in ihren Netzen kassieren. Dass dem garantierten Mehrertrag für den Netzbetreiber aber eigentlich auch eine garantierte Mindestgeschwindigkeit für den Premiumkunden gegenüberstehen müsste, um die Erkenntnis drücken sich Vodafone & Co.

So wird es auch nach der Einführung der neuen Tarife im alltägilchen Online-Stau völlig normal sein, dass auch der Smartphone-Nutzer genauso auf seine Downloads wartet, wie der Kunde, der nur einen Bruchteil des Geldes für den langsamsten Online-Tarif bezahlt. Die Mobilfunker belassen es bei dem so genannten "best effort" Angebot - dem blumigen Versprechen, halt das Beste zu versuchen, dem  Kunden schnelles Internet anzubieten. Mehr nicht!

Augenwischerei auch im DSL-Internet

Dabei ist nicht nur die bevorrechtigte Übertragung von Datenpaketen übers Internet technisch längst kein Problem mehr. Auch die verbrauchsabhängige Drosselung der Geschwindigkeit, mit der Smartphone-Nutzer unterwegs online gehen, ist längst Teil der Internet-Flatrates aller Netzbetreiber.

Dass sich die Mobilfunker dennoch davor drücken, die neuen Tarifmodelle für beide Seiten gleichermaßen fair zu gestalten, ist ein Armutszeugnis. Wirklich "wegweisend" wäre erst, wenn sich Vodafone (oder einer der anderen Anbieter) entschlösse, seinen Kunden in Zukunft tatsächlich ein Mindesttempo für's mobile Internet zu garantieren.

Von dem Schritt würden langfristig sogar die Internetnutzer zuhause profitieren. Denn auch da verweigern die meisten Online-Anbieter ihren Kunden bisher Mindestgeschwindigkeiten - und mancher, der für einen 16.000 DSL-Zugang zahlt, erreicht die theoretische Spitzengeschwindigkeit nie. Höchste Zeit, dass sich das ändert.

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