Mobilität: Billiger als Busfahren

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Elektro-Roller Trekker in Tel Aviv

von Andreas Menn

Elektro-Zweiräder sind begehrt wie nie, aber für den Alltag oft zu sperrig. Ein Kult-Roller aus Israel soll das ändern.

Im sanften Morgenlicht, wenn Tel Aviv wieder zum brummenden Bienenstock wird, fährt Dedi Shvartzberg an allen Staus vorbei. Ein leichter Dreh am Gashebel, schon gleitet der 35-jährige Investmentbanker los. Aufrecht und lässig steht er auf seinem ungewöhnlichen Gefährt, einem größeren Tretroller, angetrieben von einem faustgroßen Elektromotor. Während die Autos auf der Dizengoff-Straße im Schritttempo kriechen, fährt Shvartzberg mit bis zu 25 Kilometern pro Stunde an ihnen vorbei. Er setzt auf Fußwege über, schlängelt sich durch Seitengassen und steht nach fünf Minuten vor der Bürotür. Mit dem Auto brauchte er vier Mal so lange. "Der Roller", sagt Shvartzberg, "ist mein fliegender Teppich."

Trekker heißt das neue Elektro-Zweirad, und es ist in Tel Aviv gerade mindestens so angesagt wie ein Sportwagen. Der Hybrid aus Fahrrad, Roller und Scooter ist elektrisch betrieben, lässt sich leicht falten, in kleinen Kellern lagern und sogar in der Bahn transportieren. Mit dieser Erfindung will der israelische Hersteller Motion Innovation am Boom der Elektrofahrräder teilhaben: "Mehr als eine Million E-Bikes werden dieses Jahr in Europa verkauft", sagt Dave Hurst vom US-Marktforschungsinstitut Pike Research voraus.

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Was als private Bastelei des Tel Aviver Ingenieurs Arik Yehuda vor ein paar Jahren begann, ist zum Kultobjekt geworden. Schon verlegen Straßencafés Steckdosen, damit die Gäste ihren Trekker neben dem Tisch aufladen können. 7000 Israelis fahren mit dem trendigen Gefährt zur Arbeit, zum Strand oder zur Familie. Die israelische Tageszeitung "Ma’ariv" nennt den Roller in einer Artikelüberschrift überschwänglich den "König der Straße". Und nun, hofft der Trekker-Hersteller Motion Innovation, ist Europa an der Reihe.

Drei Stunden Ladezeit reichen für 40 Kilometer

Vor wenigen Tagen hat der Trekker die EU-Zulassung erhalten. Ab dem Frühjahr will Motion Innovation Holländer und Italiener, wenig später auch den Rest des Kontinents mit seinem Roller elektrisieren. Dafür bauen die Israelis im niederländischen Leeuwarden eine Fertigungslinie, eine zweite soll in Griechenland den Betrieb aufnehmen. Ziel für 2011 seien mindestens 10.000 verkaufte Einheiten, sagt Motion-Innovation-Chefin Naama Taib.

Auch in Deutschland versuchen Anbieter wie der Hamburger Scooter-Hersteller Tante Paula oder Adly Moto aus Taiwan mit kleinen, wendigen E-Rollern Kunden zu gewinnen. Doch das Design vieler Roller erinnerte an Fortbewegungsmittel für Gehbehinderte. Roller wie der Trekker wollen mit ihrer schnittigen Form nun auch bei Studenten und modischen Städtern punkten. Und erst seit Kurzem warten sie dank neuester leistungsstarker Lithium-Ionen-Akkus mit alltagstauglichen Reichweiten auf. Sogar der Autokonzern Daimler prüft jetzt eine Roller-Fertigung für seine Stadtflitzer-Marke Smart.

Für die Einkaufstour, die Fahrt zur Sporthalle oder das Pendeln zur Arbeit könnten die Roller bei gutem Wetter zu einer praktischen Alternative für Bus und Bahn werden. Denn nach drei Stunden Ladezeit trägt der volle Akku den Trekker laut Hersteller bis zu 40 Kilometer weit.

Zudem sind die Mini-Roller deutlich billiger als Bahn und Bus. Tante-Paula-Fahrer berichten im Internet von einem Verbrauch von zwei Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Macht 46 Cent auf der Stromrechnung. Legt man die 300 Euro für eine neue Batterie, die nach ein paar Jahren fällig wird, auf diese Strecke um, kommt noch ein Euro hinzu. Ein Durchschnitts-Pendler, der im Monat 270 Kilometer fährt, zahlt also 3,94 Euro. Ein Monatsticket für den Bus kostet laut dem Internet-Portal Ab-in-den-Urlaub 51 Euro.

Preiswert und unkompliziert

Verkehrsexperten wie Andreas Knie vom Berliner Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel sehen große Chancen für preiswerte, unkomplizierte Elektrofahrräder. Umgerechnet 1600 Euro kostet das israelische Modell, größere Scooter dagegen 4000 Euro und mehr. Zwar darf man den Trekker in der EU nur auf Radwegen fahren, dafür in vielen Ländern ohne Helm und mit Mofaführerschein. In Deutschland sind Sitz und Kennzeichen Pflicht. Aber trotz dieser Anbauten passt der Trekker laut Hersteller in den Kofferraum oder den Aufzug.

Investmentbanker Shvartzberg lädt ihn direkt neben seinem Schreibtisch auf. Nach Feierabend rollt er leise in die Nacht.

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