Mode: Schild aus Stoff

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Neue Stoffe

von Thorsten Firlus

Sie schützen gegen Sonne, Strahlung, Bakterien und Falten – neue Stoffe verleihen Hemden ungeahnte Eigenschaften.

Diese Mode war schnell vorbei und kam nie zurück: Anfang der Neunzigerjahre ließ der italienische Modeproduzent Benetton T-Shirts in die Regale seiner Boutiquen einräumen, die ihre Farbe änderten, sobald sie angezogen waren und den Körper berührten. Wärme verdunkelte die T-Shirts. Am stärksten dort, wo es am wärmsten war – wie leider unter den Achselhöhlen. „Thermochrome Textilien“ ist der Fachbegriff für eine Faser, die mehr konnte, als den Körper zu bedecken.

Die Aufgaben, die Hersteller von Garnen, Stoffen und Hemden ihren Produkten stellen, werden immer komplexer. Nicht länger suchen sie allein nach der Farbe der Saison oder dem modischen Schnitt. -„Zusatzausrüstung“ heißt das Zauberwort. Die Hemdenhersteller sind bestrebt, ihren Produkten einen zusätzlichen Nutzen zu verleihen. Eigenschaften wie Atmungsaktivität, die in den Textilien der Outdoor-Branche gang und gäbe sind, sollen auch das tägliche Hemd verbessern.

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Nie mehr bügeln

Der sehnlichste Wunsch der Kunden und das stärkste Verkaufsargument zielt jedoch noch immer auf das bügelfreie oder wenigstens bügelarme Oberhemd. Bügeln gehört in Deutschland offenbar zu den unbeliebtesten Haushaltstätigkeiten, weshalb die Hemdenhersteller schon seit Jahren Abhilfe versprechen.

Die Marke Olymp aus Bietigheim-Bissingen wähnt sich mit ihren Hemden aus der Serie Luxor am Ziel. Von der Wahl des Baumwollgarns über die Art des Webmusters bis zur Zahl der Stiche pro Zentimeter in den Nähten wird alles getan, um dem Besitzer des Hemdes nach Waschen und Schleudern – mit möglichst nur 600 Umdrehungen pro Minute – den Gang zum Bügelbrett zu ersparen. Außerdem werden die Stoffbahnen vorm Nähen in einem chemischen Bad behandelt, das dafür sorgt, dass die begradigte molekulare Struktur der Faser auch nach der Wäsche erhalten bleibt und der Stoff deshalb nicht unter Druck und Temperatureinwirkung geglättet werden muss. Rückstände sind, wie der Hersteller versichert, ausgeschlossen. Das soll nicht zuletzt die jährliche Umweltzertifizierung durch den Öko-Tex Standard 100 garantieren.

Eine andere Technik setzt auf gezielt ins Gewebe eingelassene Mikrokapseln, die, Stück für Stück, medizinische wie antibakterielle Wirkstoffe freigeben – allerdings keine langfristige Wirkung haben. „Das Problem besteht darin, dass dieser Effekt nach zwei bis drei Wäschen verschwindet“, sagt Jan Beringer, wissenschaftlicher Leiter der Abteilung Function and Care beim Hohensteiner Institut für Mode in Boennigheim bei Heilbronn.

Einen Schritt weiter sind Techniker hingegen beim Thema Sonnenschutz. Kleine spiegelnde, ins Gewebe eingearbeitete Partikel, bestehend aus Titandioxid, können einem einfachen weißen Hemd immerhin den Lichtschutzfaktor 60 verleihen. „Es handelt sich um dieselbe Substanz, die Hauptbestandteil von Sonnencreme ist“, berichtet Beringer, dessen Institut auch die Haltbarkeit dieser Technik kontrolliert hat. Selbst nach 90 Waschgängen, heißt es, sei der Lichtschutzfaktor nur um fünf Prozent gesunken.

Strahlenschutz im Hemd

Eine andere umstrittene Strahlung, die von Mobiltelefonen, wollen die Textilforscher mithilfe von hauchdünnen Metallstreifen im Stoff blockieren. Eingewebte Gitterstrukturen sollen die Strahlung reflektieren. Befindet sich diese Fläche auf Höhe der Brusttasche, kann das Telefon nicht in Richtung Körper strahlen, gleichzeitig aber Signale empfangen.

Auf die Frage nach bügelfreien Materialien hingegen hat der Textilforscher Jan Beringer eine vertraut klingende Antwort: Polyester. Dessen neuere Varianten hätten alle unerwünschten Nebeneffekte abgelegt, die aus der Frühzeit der Kunstfaser bekannt sind. In Europa seien, im Gegensatz zu den USA, Polyesterhemden jedoch unverkäuflich. In Deutschland akzeptieren die Kunden nur geringe Anteile an Chemiefasern im Baumwollgewebe.

Für den schwedischen Hersteller Eton, der im Luxussegment auf aufwendig produzierte Baumwollstoffe setzt, ist die Frage nach der knitterfreien Ausrüstung nicht wichtiger wie Haltbarkeit und Komfort. Sagt Marketing-Direktor Michael Redda: „Eine große Zahl unserer Kunden trägt täglich Hemden und bringt sie zur Reinigung und lässt sie dort von den Profis glätten.“

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