Modellmetropole: Der geplatzte Traum der Wüstenstadt Masdar

Modellmetropole: Der geplatzte Traum der Wüstenstadt Masdar

von Sebastian Matthes

Die Wüstenstadt Masdar sollte das Silicon Valley für nachhaltige Technologien werden. Doch zwei Jahre nach Baubeginn steckt das Projekt in der Krise. Die Technik streikt, Bewohner klagen über Baumängel und die grüne Stromversorgungn stockt. Das Protokoll eines geplatzten Traums.

Das kleine Karo ist des Sultan Ahmed al-Jabers Sache nicht. Er soll schließlich mit 22 Milliarden Dollar die Welt retten. Oder ihr wenigstens zeigen, wie sie sich selbst vor dem Niedergang -bewahren kann. Der Araber ist Chef von Masdar, dem Unternehmen, das am Rande von Abu Dhabi eine urbane Oase schaffen soll, eine Stadt, die vollkommen CO2-neutral ist, „eine Blaupause für Städte der Zukunft“, sagt al-Jaber, den seine Mitarbeiter lakonisch nur Dr. Sultan nennen. Wann immer er seine Mission vorträgt, klingt es, als stehe hinter jedem Satz ein Ausrufezeichen: Masdar ist einzigartig! Masdar ist eine Stadt zum Arbeiten! Masdar ist Zukunft!

Dr. Sultan kann überzeugen, andere Menschen mitnehmen, begeistern. Spaniens Premier José Luis Rodríguez Zapatero und Siemens-Chef Peter Löscher waren schon da, und vor wenigen Wochen reiste auch Angela Merkel an, um Dr. Sultans Baustelle zu besichtigen.

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Fata Morgana

Bei ihrem Besuch führt ein junger Architekt die Kanzlerin durch das grüne Utopia. Es fallen Begriffe wie „ecomagination“, „clean technology cluster” und „sustainability“. Fotografen knipsen hübsche Bilder der Kanzlerin in der Zukunftsstadt – einem Ort faszinierender Ideen: Kleine weiße Kapseln sollen die Bewohner durch die Stadt kutschieren, silbrig schimmernde Luftkissen an den Hausfassaden die Hitze abhalten. Und die Solarpaneele auf den Dächern sollen den Strom liefern, der die Rechner der Bewohner antreibt.

„Wir werden Werbung machen für Masdar“, sagt Merkel kurz vor ihrer Abreise. Denn hier in der Wüste, wo das Öl so billig ist wie an kaum einem anderen Ort der Erde, soll die Zeit nach dem Öl beginnen.

Wenn doch die Solaranlagen bloß richtig funktionieren, wenn nicht schon die ersten Fassaden-Dämmungen platzen und wenn bloß Masdar-Chef al-Jaber nicht einige der besten Mitarbeiter davonlaufen würden. Tatsächlich sieht es gerade so aus, als ob die grüne Oase, die Dr. Sultan mit seinen Ausrufezeichen beschreibt, nicht viel mehr ist als ein Luftschloss, eine Fata Morgana, die sich auflöst, je näher man kommt, um sie zu betrachten.

Die Geschichte von Dr. Sultans Masdar gewährt nicht nur Einblicke in die Zukunft von Metropolen, die neue Wege gehen müssen, um Antworten auf den Klimawandel, den Rohstoffmangel und die zunehmende Umweltverschmutzung zu finden.

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