Musik: Klangvolles Gehölz

Musik: Klangvolles Gehölz

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Jürgen Reinhold

von Florian Willershausen

Die beste Akustik, die modernste Technik und viel Tradition: Nach der schwierigsten Theatersanierung der Geschichte öffnet das Moskauer Bolschoi seine Pforten. Ein Baustellen-Besuch.

Böse Zungen könnten behaupten, Jürgen Reinhold sei der falsche Mann für so ein Projekt. Der 50-jährige Bauphysiker hat nie ein Instrument gespielt, nicht einmal Blockflöte. In der Freizeit kümmert er sich lieber um seinen Garten in München, statt aus purer Muße ins Theater zu gehen.

Ausgerechnet Reinhold aber bringt nun eines der berühmtesten Opernhäuser der Welt zum Klingen: das Bolschoi-Theater in Moskau. Sechs Jahre lang war der Experte für Bau- und Raumakustik mit seinem Team vor Ort. Vom Holz für den Fußboden bis zur Neigung des Zuschauerraumes hat er an Tausenden Details gefeilt, um das berühmte Haus zum technisch modernsten und akustisch führenden Theater der Welt umzubauen. Jetzt steht das Prestigeprojekt vor dem Abschluss. Am 28. Oktober wird der Prachtbau wiedereröffnet.

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Die Rekonstruktion des Bolschoi ist in Russland emotional und politisch so aufgeladen wie kein anderes Architekturprojekt in Russland. Premier Wladimir Putin macht schon mal persönlich Dampf, damit das bekannteste Theater des Landes noch vor den Parlamentswahlen im Dezember fertig wird. Das klassizistische Gebäude, 1825 unweit des Kremls errichtet, ist ein Wahrzeichen der Stadt und ziert heute den Hundert-Rubel-Schein.

Geld aber spielt bei der Sanierung des Gebäudes keine Rolle: Mehr als eine Milliarde Euro, schätzen Experten, werde der Umbau die öffentliche Hand kosten. Ein erklecklicher Teil davon floss in die Taschen deutscher Technikspezialisten. Denn High Tech made in Germany ist im neuen Super-Theater überall zu finden: Akustikexperte Reinhold etwa feilte für den Bau- und Akustikexperten Müller-BBM aus Planegg bei München am guten Ton. Maschinenbauer Bosch Rexroth stellte die Bühnentechnik, die ferngesteuerten Strahler, die Motoren für den Vorhang, die Hubpodien fürs Bühnenbild. Und Mittelständler Kunkel Consulting aus Bürstadt bei Mannheim plante die Bühne des Musentempels, auf den die Russen ihr Selbstbild als Kultur-Weltmacht projizieren.

Wiege des klassischen Balletts

Angesichts dieses Anspruchs sei es von Vorteil, kein Instrument zu spielen, glaubt Ingenieur Reinhold: „Ich gehe nüchterner, mit rein technischem Blick an dieses Prestigeprojekt heran.“ Immerhin ist das 1776 gegründete Schauspielhaus Heimstatt eines der berühmtesten Theaterensembles der Welt. Das Bolschoi gilt als die Wiege des klassischen Balletts – das sich von Moskau aus im 19. Jahrhundert weltweit verbreitete.

Die Renovierung des Bolschoi macht das Haus nun zum technologischen Standard weltweit: So greifen unter anderem die Tontechniker auf die modernste Schalltechnik zurück, die Klimaanlage verschwand im Untergrund, und der Proberaum mutiert per Mausklick per Hebetechnik zum kleinen Konzertsaal.

Vor allem aber war die Theatersanierung die bislang schwierigste Rekonstruktion eines derartigen Gebäudes überhaupt: Das gesamte Theater musste – einmalig in dieser Form – abgesenkt und dabei auf ein neues Fundament gesetzt werden.

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