Nach dem Japan-Schock: Wie ein atomfreies Deutschland funktioniert

Nach dem Japan-Schock: Wie ein atomfreies Deutschland funktioniert

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Strahlen-Check - Zivilschützer untersuchen Anwohner des Kraftwerks Fukushima

Nach der Katastrophe in Japan will die Bundesregierung die Energiewende vorziehen - mit tief greifenden Folgen für Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Alltag. Was der Atomausstieg kostet und wie er funktionieren kann.

Sie recken Protestschilder in die Höhe, brüllen „Abschalten“ und werfen sich – wie vom Stromschlag getroffen – vor den Kameraleuten auf den Boden. Kleine Jungs tragen Atemmasken vor dem Mund, ein alter Mann mit schlohweißem Haar schließt sich der Menge an, ausstaffiert wie ein Kernphysiker mit Schutzkleidung und Helm. Hunderte Menschen sind in der vergangenen Woche auf dem Kölner Rudolfplatz zusammengekommen, Studenten, Rentner, Angestellte. Ihr Ziel haben sie in großen Lettern auf Plakate gepinselt: Den „Ausstieg vom Ausstieg aus dem Ausstieg“ fordern sie.

Eine Szene wie so viele in diesen Tagen – überall in Deutschland. Seit dem Erdbeben in Japan, dem Tsunami und vor allem seit der Atom-Katastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima stehen die Deutschen unter Schock. Laut Infratest Dimap halten 70 Prozent eine nukleare Havarie wie in Japan auch in deutschen Meilern für möglich. Beim Elektronikhändler Conrad sind sogar schon die Geigerzähler ausverkauft. 53 Prozent der Deutschen möchten das Atom-Zeitalter lieber heute als morgen beenden.

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Labile Infrastruktur

Wenige Tage nach dem Unglück erreichten die Schockwellen die Politik. Hastig versetzte Bundeskanzlerin Angela Merkel sieben Atommeiler in den einstweiligen Ruhestand. Kurz darauf erklärte sie den beschleunigten Abschied von der Kernkraft. Gegen den radikalen Richtungsschwenk, den die diplomierte Physikerin und einstige Ministerin für Reaktorsicherheit unter Helmut Kohl in der Atompolitik vollzieht, wirkt selbst die biblische Wandlung des Saulus zum Paulus wie eine marginale Imagekorrektur.

Die Verlängerung der Laufzeiten um zwölf Jahre, die Merkel erst im Herbst 2010 durchdrückte, wackelt – für die älteren Anlagen ist sie faktisch vom Tisch. „Wir wollen schnellstens ins Zeitalter der erneuerbaren Energien kommen“, sagte Merkel.

Das sagt sich leicht. Tatsächlich aber steht Deutschland mit dieser vorgezogenen Energiewende vor einer Jahrhundertaufgabe, mit enormen Auswirkungen auf Unternehmen, Arbeitsmarkt und Alltag.

Der Wandel wird nicht nur die Gesellschaft strapazieren, weil auf einmal Tausende Kilometer neue, unerwünschte Hochspannungsleitungen installiert und die Republik mit rund 10 000 neuen Leitungsmasten zerteilt werden muss. Ebenso eindeutig ist: Die Energiewende bringt andere grüne Ziele in Gefahr.

Klimaschutz zum Beispiel. So summiert sich der zusätzliche CO2-Ausstoß in drei Monaten auf acht Millionen Tonnen, wenn die sieben abgeschalteten deutschen Kernkraftwerke durch Strom aus Braunkohle, Steinkohle und Erdgas ersetzt werden. Zu diesem Ergebnis kommt der Bundesverband der Deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Zum Vergleich: Die CO2-Einsparungen durch den Ausbau erneuerbarer Energiequellen belief sich im gesamten vergangenen Jahr auf neun Millionen Tonnen CO2.

Allem voran aber gefährdet der grüne Wandel – allzu schlagartig vollzogen – die Leistungsfähigkeit der Energienetze. Das zeigt das Beispiel Japan. Obwohl dort vergangene Woche in Fukushima vier von landesweit 53 Reaktoren kollabierten, bleiben die übrigen am Netz – schlicht, weil die labile Energieinfrastruktur des Landes sonst gänzlich zusammenbräche. Eine sichere Stromversorgung aber ist die Basis jeder Wirtschaft.

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