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Nachgefragt bei: Eckhard Boles: Treibstoff für 20 Cent pro Liter

Quelle: Handelsblatt Online

Der 44-jährige Forscher Eckhard Boles aus Frankfurt ist die Hoffnung aller Autofahrer. Er hat eine Methode entwickelt, aus Pflanzenabfällen günstigen Kraftstoff herzustellen. Nun bereitet er die Markteinführung vor.

Was ist das Besondere Ihrer Methode?

Es geht um Bioethanol als Ersatz für Benzin. Das gibt es ja bereits heute schon in verschiedenen Mischverhältnissen mit Benzin, und man kann jeden Otto-Motor damit betreiben. Doch es ist umstritten, weil das Getreide, aus dem Ethanol gewonnen wird, vielleicht besser als Nahrungsmittel dienen sollte. Ich nutze nun aber die Pflanzenabfälle, etwa Maisstroh, und erzeuge daraus Zellulose-Ethanol.

Wie funktioniert das?

In den Zellwänden befinden sich mehrere Zuckerarten. Doch die Hefe, die man zur Vergärung nutzt, kann nur einen dieser Zucker abbauen. Man verschenkt 30 Prozent Potenzial. Durch Züchtung und Genetik haben wir die Hefe so verändert, dass sie mehrere Zucker umwandeln kann. Das ist neu und mehrfach patentiert.

Sie sind Professor an der Uni Frankfurt, aber auch Unternehmer mit Ihrer Firma Butalco. Lockt das große Geschäft?

Wir sind mit der Forschung recht weit fortgeschritten, und jetzt geht es darum, die Technik marktreif zu machen. Dafür braucht es aber Geld und die nötige Infrastruktur. Deshalb der Schritt von der Forschung in die Wirtschaft.

Ab wann kann man Ihr Ethanol tanken?

Wir haben bereits den ersten Investor, die Firma Volkswind. In spätestens anderthalb Jahren werden wir eine Pilotanlage eröffnen. Die arbeitet dann nicht mehr mit Labor-, sondern mit Industriehefe. Ich hoffe, dass bis dahin auch die Autoindustrie aufmerksam wird. Thomas Schlick, Geschäftsführer beim Verband der Automobilindustrie, sitzt schon in unserem Firmenbeirat. Und ich komme gerade von einem großen internationalen Kongress, auf dem unser Konzept auch sehr gut eingeschlagen ist.

Was kostet denn das Zellulose-Ethanol?

Wir werden in zwei Jahren bei 20 Cent pro Liter vor Steuern liegen, das ist rund ein Drittel des Preises von Benzin heutzutage!

Und Sie erforschen noch einen weiteren Kraftstoff-Ersatz?

Genau: Butanol als Ethanol-Ersatz. Es hat viele Vorteile: eine höhere Energiedichte; es kann bis zu 100 Prozent von Ottomotoren genutzt werden, man muss also keine Autos umrüsten; und es kann über die bestehenden Pipelines transportiert werden. Das Problem: Hefen erzeugen nur Ethanol, kein Butanol. Also müssen wir der Hefe Gene einpflanzen, damit sie das doch macht. In drei bis fünf Jahren werden wir wohl damit marktreif sein.

Woher kommt Ihr Biosprit-Faible?

Ich forsche seit 17 Jahren an Hefen. Irgendwann war mir klar, dass dahinter ein gewaltiges Anwendungspotenzial steckt, um globale Energieprobleme zu lösen. So habe ich die Forschung mehr in diese Richtung gelenkt.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.08.2010, 15:12 UhrAnonymer Benutzer: Ralf

    bio-Ethanol-betreiber erzeugen Ethanol zu einem Preis von 70 Ct bis 1 Euro, das GEtreide kaufen sie zu einem Preis von etwa 12 Ct/Kg. bei einem geschätztem Verhältnis von 2,5 kg Getreide => 1 l Ethanol kostet die etablierte Ethanolerzeugung also ohne Rohstoffpreis mindestens 40 bis 70 Ct/l. Und das unter der Voraussetzung, daß die Rohstoffe möglichst kostenlose Zuckerabfälle sind, die sich probelmlos vergären lassen.
    20 Ct pro Liter halte ich im günstigstem Fall für sehr blauäugig, eher glaube ich an Effekthascherei. Hier wird ausgenutzt, daß keiner mehr Lust hat, sich mit Wissenschaft zu beschäftigen und dann wird die Öffentlichkeit in verbrechericher Art udn Weise für dumm verkauft und betrogen.
    Die Gesetzte des Marktes sprechen erst recht gegen einen so niedrgen Preis. Allein die Rohstoffgrundlage. Der Kraftstoff soll möglichst aus den Nebenprodukten der Nahrungsmittelproduktion erzeugt werden. Diese würden jedoch nicht einmal ausreichen, um 1% des Kraftstoffbedarfes zu decken. Dieses eine % verdaut der Markt problemlos, ohne daß der Preis einbricht!

  • 04.12.2008, 20:58 UhrAnonymer Benutzer: Edi

    solche Dinge sollten mehr durch Steuern gefördert werden

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