
Im rheinischen Neuss etwa gipfelte der Streit um die durch die Fußgängerzone rollende Straßenbahn in einem Bürgerentscheid. Sie fährt nun wieder, wenn auch mit Oberleitung. In Düsseldorf hingegen will der Stadtrat die längst zum architektonischen Blickfänger der Stadt avancierten Gehry-Bürohäuser beim Bau einer neuen Straßenbahntrasse in den Medienhafen vor den Masten einer Oberleitung verschonen.
Was in Städten wie Düsseldorf erst noch verwirklicht werden könnte, die – zumindest stellenweise – oberleitungsfreie Straßenbahn, ist im französischen Bordeaux bereits seit Jahren Alltag. Statt der Energie aus dem Strompuffer nutzen die von Alstom gelieferten Bahnen bei der Fahrt durch die Innenstadt allerdings ein gänzlich anderes System. Die eleganten Triebwagenzüge nehmen den Strom von einer Mittelschiene ab, die nur mit Spannung versorgt wird, wenn der Zug sie abdeckt.
Noch große Störanfälligkeit bei neuen Systemen
Ein ähnliches System präsentierte auch der italienische Produzent Ansaldo STS in Wien. Ein großer Dauermagnet unter der Straßenbahn zieht ein Strom führendes Kontaktblech unter der Fahrbahn nach oben und schließt damit auf simpelste Weise den Kontakt zwischen den beiden Stromschienen. „Durch Schwerkraft fallen die Kontakte wieder nach unten, wir brauchen keine Sensoren und haben auch keine magnetischen Felder“, erklärt Vito Siciliano das TramWave genannte System.
Dass der Strom durch Schleifer von zwei zusätzlichen Stromschienen abgenommen wird, dürfte die Praxistauglichkeit von TramWave in staubigen, schneereichen oder nassen Regionen nach Ansicht von Verkehrsexperten allerdings einschränken. Ebenso wie die der Stromschiene aus Bordeaux, die unter Fachleuten als vergleichsweise störanfällig gilt.
Oberleitungsfrei durch Induktion
Um derlei Tücken von vornherein auszuschließen, erprobt Bombardier seit Februar dieses Jahres auf seiner Teststrecke im sächsischen Bautzen eine ganz neue Form der Stromübertragung. Dabei kommt der Strom induktiv, das heißt berührungsfrei, über ein Magnetfeld in den Zug. In der Fahrbahn verlegte Kabel erzeugen unter der Straßenbahn ein Magnetfeld, das von einer Spule im Fahrzeug wieder in Spannung verwandelt wird.
Trotz des zusätzlichen Aufwands für die Infrastruktur in der Straße sowie die leichten Energieverluste durch den Luftspalt verweist Bombardier-Manager Erfurt schon auf erste Interessenten für die neue Technik. „Besonders in Südeuropa und im Mittleren Osten ist man an dieser Form des fahrdrahtlosen Betriebs sehr interessiert.“
Doch es geht auch ganz ohne High Tech. Die älteste, wenn auch langsamste Form der oberleitungsfreien Straßenbahn führte die sächsische Stadt Döbeln 2007 wieder ein: Auf alten Trambahn-Gleisen verkehrt an manchen Samstagen, fast emissionsfrei, gemächlich eine Pferdebahn.












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Alle Kommentare lesen21.11.2009, 15:57 UhrAnonymer Benutzer: Peter
bei einem benzinpreis von 2,50 Euro kostet die Straßenbahn halt auch rund doppelt so viel wie jetzt. Wäre mir nicht so sicher, ob die bahnen dann attraktiver werden. Wenn man ein Auto hat, dann sollte man auch damit fahren. Wenn nicht, dann öffentlicher Nahverkehr. Die Kombination aus beidem ist aus preislichen Gründen in kaum einem Verkehrsnetz sinnvoll (Citymaut, Parkgebühren, etc. mal ausgenommen). Wäre ein günstigerer Preis für PKW-Nutzer (welche ja im Prinzip alle Verkehrsnetzte mitfinanzieren) ne idee?
07.08.2009, 11:05 UhrAnonymer Benutzer: C.vonKessel
Sie sprechen von der Stromschiene aus bordeaux, "die unter Fachleuten als vergleichsweise störanfällig gilt".
Sie haben die falschen Fachleute - oder ausrangierte? - denn das APS Stromsystem von bordeaux hat im letzten Jahr eine Verfügbarkeit von 99,8% erreicht. Das ist etwa der Wert für Straßenbahnen mit Oberleitung und Stromabnehmer.
Sie Stadt bordeaux freut sich, und auch weil sie sich als Ausgleich für die anfänglichen APS-Probleme eine Tantieme auf künftige Verkäufe an andere städte hat einräumen lassen...und das System sich gut verkauft.
06.08.2009, 00:10 UhrAnonymer Benutzer: Klaus
Spätestens bei einem benzinpreis von 2,50 Euro ist doch auf den Straßen in den innenstädten wegen des gesunkenen Autoverkehrs wieder Platz die Strassenbahn einzuführen, die gegenüber dem bus auch ein hohes Potential hat, Menschen vom Auto zum umsteigen zu bewegen.