Nahverkehr: Das Comeback der Straßenbahn

Nahverkehr: Das Comeback der Straßenbahn

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Speicher auf dem Dach: Kondensatoren und Akkus ermöglichen zweieinhalb Kilometer Fahrt

Mehr Komfort, neue Antriebe und weniger Energiebedarf verhelfen der Straßenbahn weltweit zur Renaissance: Von Abu Dhabi bis Vancouver entstehen neue Linien und auch zahlreiche deutsche Städte führen die Tram wieder ein. Ein Milliardengeschäft.

Der Anblick irritiert. Leise rollt der blau-weiße Stadtbahnwagen über die Straßenkuppe am Rand der portugiesischen Kleinstadt Almada. Doch obwohl sich darüber die Oberleitung spannt, fährt die Metro Sul do Tejo (MTS) „oben ohne“ durch die Hügel südlich von Lissabon. MTS-Fahrer Manuel Nuñes hat den Stromabnehmer des Triebwagens abgesenkt. Statt mit Energie aus dem Fahrdraht fährt Nuñes die neue, bei Siemens in Krefeld gefertigte Bahn mit Power aus neuartigen Stromspeichern auf dem Wagendach. Sie werden während der Fahrt mit Bremsenergie aufgeladen. „So kommen wir bis zu zweieinhalb Kilometer weit“, sagt Michael Meinert, der in der Eisenbahn- und Logistiksparte Siemens Mobility die Speichertechnik verantwortet.

Mit der High-Tech-Offensive ist Siemens nicht allein: Überall in Europa entwickelt die Bahnindustrie derzeit neue Trams. Dank neuer Energiekonzepte verbrauchen sie deutlich weniger Strom und benötigen im Idealfall nicht einmal mehr eine Oberleitung. Zugleich soll mehr Komfort neue Fahrgäste in die Bahnen locken. Neuartige Raumkonzepte, extrem niedrige Einstiege und bessere Fahrgastinformationssysteme machen die neuen Fahrzeuge zusätzlich attraktiv.

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Rückbesinnung auf Straßenbahnen

Alle Hersteller wollen von der weltweiten Renaissance des urbanen Schienenverkehrs profitieren, der sich aktuell wie eine Welle über alle Kontinente ausbreitet. Öffentlicher Personennahverkehr ist wieder hip, was steigende Fahrgastzahlen belegen.

Vorbei die Zeiten, in denen Bürgermeister und Stadträte die einst rumpelnden Ungetüme von den Straßen verbannten, die Verkehrsplanung ganz aufs Auto konzentrierten – und nebenbei die Innenstädte veröden ließen. Steigende Spritpreise und Parkgebühren haben das Umdenken beschleunigt. Mit der Rückbesinnung auf die Werte urbaner Zentren und dem Ende von Stadtflucht und Zersiedelung kehren nun auch die Straßenbahnen als schnelle, komfortable und hocheffiziente Massenverkehrsmittel zurück.

Die neue weltweite Liebe zur alten Bahn beschert den führenden Herstellern von Stadt- und Straßenbahnen ein Milliardengeschäft. Siemens etwa kalkuliert das Weltmarktvolumen für das Segment, in der Branche „Light Rail“ genannt, auf rund fünf Milliarden Euro – allein für die Fahrzeuge, die pro Stück zwischen 1,5 bis 4 Millionen Euro kosten. Die nötigen Investitionen für Gleise, Signaltechnik und sonstige Infrastruktur sind darin noch nicht einmal enthalten.

Die Nachfrage nach Trams hält an

Und Siemens-Konkurrent Bombardier, der seine Straßenbahnen mit Antrieben aus Mannheim in Wien fertigt, verzeichnete alleine zwischen 2001 und 2007 europaweit eine Verdopplung des Gesamtmarkts auf 1,7 Milliarden Euro. „Nach einem Rückgang im vergangenen Jahr dürfte es bis Ende 2010 wieder einen deutlichen Anstieg auf rund 1,5 Milliarden Euro für den Markt in Europa geben“, erwartet Rolf Erfurt, Chef der Geschäftsentwicklung und des Produktmanagements Light Rail bei Bombardier Transportation in Berlin.

Und die Nachfrage wird anhalten: „Im Ruhrgebiet beispielsweise belaufen sich die Erneuerungsinvestitionen bei Straßen- und Stadtbahnen in den nächsten zehn Jahren auf 2,5 Milliarden Euro“, rechnet Claudia Langowsky vor, die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).

Dazu kommen Millionen, die in Streckenneubauten fließen: Wie zum Beispiel in Hamburg, wo die 1978 eingestellte Straßenbahn einen modernen Nachfolger bekommt. 2014 soll die erste Straßenbahnlinie von Bramfeld nach Altona fertig sein – als Ausgangspunkt für ein 50 Kilometer langes Netz. Dabei sind die Hanseaten nur ein Beispiel von vielen. Alleine in Deutschland stehen Bielefeld, Berlin, München und Ulm mit Millionenprojekten auf den Lieferlisten der Bahnindustrie. In Europa erweitern unter anderem Porto, Prag, Innsbruck, Manchester, Edinburgh, Dublin, Zürich und Bern ihre Streckennetze.

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